20 Jahre nach Orkan "Lothar": So verheerend war der "Jahrhundertsturm"

Überschwemmungen, Feuersbrünste und Wirbelstürme zeigen, wie verheerend die Folgen des Klimawandels sein können. Bereits vor 20 Jahren, am 26. Dezember 1999, fegte Orkan "Lothar" mit Spitzengeschwindigkeiten von mehr als 200 Kilometern pro Stunde unter anderem über Frankreich, die Schweiz sowie Südwestdeutschland hinweg und forderte 110 Menschenleben. Wir blicken zurück … © 1&1 Mail & Media/spot on news

Von Westen her kommend traf "Lothar" mit voller Wucht auf die französische Küste und die Bretagne.
Besonders tragisch: Kurz zuvor war der Öltanker "Erika" vor der bretonischen Küste gesunken.
Ein Teppich aus 8000 Tonnen Schweröl wurde vom Wind parallel zur Küste getrieben. 400 Kilometer des Küstenstreifens waren von der Ölpest betroffen.
Auf seinem Weg ins Landesinnere zerstörte der Sturm zahlreiche Gebäude in Paris. Mittlerweile hatte "Lothar" Windgeschwindigkeiten von 150 Kilometer pro Stunde erreicht. Die französische Eisenbahngesellschaft SNCF sperrte alle Bahnhöfe in Paris.
In Rouen wurde das Dach der Kathedrale stark beschädigt. Eine 26 Tonnen schwere Fiale war darauf gestürzt und hatte ein riesiges Loch in das gotische Gotteshaus gerissen.
Fünf Menschen wurden nach Radioberichten in der Normandie in ihren Autos durch umfallende Bäume erschlagen. Insgesamt ließen in Frankreich 88 Menschen während des Sturms oder bei den anschließenden Aufräumarbeiten ihr Leben. Zahlreiche weitere wurden durch herumfliegende Gegenstände verletzt.
Auf dem Weg von der Bretagne bis ins Elsass und die Vogesen mähte Lothar ganze Wälder nieder. In dem zwei Jahrhunderte alten Parkgelände von Versailles fegte er gut 10.000 Bäume um. Europaweit wurden 200 Millionen Festmeter Holz umgerissen.
Etwa sechs Stunden nachdem der Orkan die französische Küste erreicht hatte, kam "Lothar" an die deutsche Grenze. Auf dem Feldberg im Schwarzwald fiel das Windmessgerät der Wetterstation wegen eines Stromausfalls aus; die letzte verwertbare Anzeige war 212 Kilometer pro Stunde.
Der Mooskopf bei Durchbach im Schwarzwald war nach dem Sturm von 1999 fast kahl.
Zeugnisse des 2. Weihnachtsfeiertages 1999 bewachen heute den Eingang zum Lotharpfad beim Schliffkopf an der Schwarzwaldhochstraße. Angelegt hat ihn 2000 Charly Ebel, der sich in der Stuttgarter Zeitung erinnerte: "Ich habe noch nie eine solche Gewalt erlebt. Man fühlte sich dieser Naturgewalt ohnmächtig ausgeliefert."
Doch damit war noch nicht Schluss. Auf dem Hohentwiel bei Singen maß man mit 272 Kilometern pro Stunde die stärksten Böen. Auf dem Wendelstein waren es stolze 259 Kilometer pro Stunde, mit denen der Wind über die Bergspitze brauste. Der Orkan brachte sogar Züge zum Entgleisen, so wie diese Diesellok.
Auch im bayerischen Voralpenland bekamen die Menschen die geballte Naturgewalt zu spüren. So zerfetzte "Lothar" mit immer noch heftigen 140 Kilometer pro Stunde das Hauptzelt des Tollwood-Festivals in München.
In der Schweiz kamen allein 15 Menschen durch die nachfolgenden Aufräumarbeiten zu Tode. Das geschah überwiegend in Privatwäldern, in denen wenig geschulte Waldbesitzer bei den Holzbergungsarbeiten meist von unter Spannung stehenden Baumstämmen erschlagen wurden.
Versicherungen schätzten die volkswirtschaftlichen Schäden auf mehr als elf Milliarden Euro. "Lothar" ist damit einer der weltweit teuersten Versicherungsfälle, die an Stürmen nur vom Hurrikan Andrew 1992, dem Taifun Mireille 1991, Katrina 2005 und Hurrikan Harvey 2017 übertroffen wird.
Doch die Verwüstungen bargen auch eine neue Chance: So wurde auf manchen Sturmholzflächen überhaupt nicht vom Menschen eingegriffen – man ließ der Natur quasi freie Hand und so wurden manche Wälder durch den Orkan deutlich verjüngt.