Im Kongo wurde der erste Ebola-Fall in einer Großstadt bestätigt. Er erhöht das Risiko deutlich, dass sich der Ausbruch ausweitet. Ebola zählt zu den gefährlichsten Erregern der Welt.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Das lebensgefährliche Ebola-Virus hat nun auch eine Millionenstadt in der Demokratischen Republik Kongo erreicht. Aus der 1,2-Millionen-Einwohner-Stadt Mbandaka im Nordwesten des Landes sei eine Ebola-Erkrankung gemeldet worden, teilte die Weltgesundheitsorganisation (WHO) mit. Zuvor hatte sich der Ausbruch auf ein Gebiet beschränkt, das etwa 150 Kilometer von Mbandaka entfernt liegt.

Bisher 44 Erkrankungen gemeldet

Die Situation sei mit dem Fall in der Stadt äußerst ernst und besorgniserregend geworden, sagte Henry Gray, Notfallkoordinator von Ärzte ohne Grenzen. "Der aktuelle Ebola-Ausbruch ist der neunte im Kongo in den vergangenen 40 Jahren. Bisher waren aber alle in sehr isolierten Regionen, wie vergangenes Jahr in Likati, wodurch sich die Krankheit nie weit verbreitet hat."

Die WHO hatte vergangene Woche über den Beginn des Ausbruchs informiert. Bis zum 15. Mai waren demnach 44 Erkrankungen gemeldet worden, von denen bislang drei im Labor bestätigt wurden - einer davon ist der Fall in Mbandaka. Mehr als die Hälfte der Betroffenen ist gestorben. Die Behörden arbeiteten intensiv daran, alle Kontaktpersonen des Betroffenen ausfindig zu machen, erklärte die WHO.

Als Reaktion auf die Entwicklungen beruft die Weltgesundheitsorganisation am Freitag eine Notfallsitzung ein. Dabei soll entschieden werden, wie groß die Bedrohung auch für andere Länder ist. Das Expertenkomitee könnte den Ausbruch zu einem sogenannten "Public Health Emergency of International Concern" erklären, zu einem internationalen Gesundheitsnotfall. Das hätte zur Folge, dass mehr internationale Ressourcen für die Bekämpfung mobilisiert werden würden, so die WHO.

Experimenteller Impfstoff im Einsatz

Die Arbeit ist vor allem in den ländlichen Gebieten schwierig. Die betroffenen Regionen verfügten nur über eine sehr eingeschränkte Gesundheitsversorgung und seien schwer erreichbar, heißt es in einer Mitteilung der WHO. Durch die Regenzeit seien aktuell viele Straßen nicht passierbar. Um schnellere Diagnosen stellen zu können, befindet sich seit Anfang der Woche ein mobiles Labor vor Ort.

Zudem hat die WHO mehr als 4000 Dosen eines experimentellen Impfstoffs in das betroffene Gebiet im Nordwesten des Landes geschickt. Menschen, die mit den Erkrankten in Kontakt waren, sollen sobald wie möglich geimpft werden, so die WHO. Dasselbe gelte für medizinisches Personal. Es ist der erste Einsatz des Impfstoffs seit seiner Entwicklung vor zwei Jahren.

Das Ebola-Virus gehört zu den gefährlichsten Krankheitserregern der Welt. Es kann von infizierten Tieren auf Menschen übertragen werden und dann auch von Mensch zu Mensch. Erkrankte bekommen hohes Fieber. Sie erbrechen sich und haben extremen Durchfall, sodass sie gefährlich viel Flüssigkeit verlieren. Auch lebensbedrohliche innere Blutungen können auftreten. Bei einem Ausbruch 2014 und 2016 starben in Liberia, Guinea und Sierra Leone mehr als 11.300 Menschen.  © SPIEGEL ONLINE