Nach der Amokfahrt mit zwei Toten und über 20 Verletzten in Münster laufen die Ermittlungen der Polizei auf Hochtouren. Im Zentrum steht die Frage nach dem Motiv. Was wir wissen, was wir nicht wissen:

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"Wir brauchen Zeit, die Spuren auszuwerten und die Ergebnisse der Ermittlungen zusammenzuführen", sagt der Einsatzleiter, Polizeidirektor Martin Fischer, mit Blick auf die Amokfahrt in Münster. Hier ein Überblick über den Stand der Dinge.


Der Täter

  • Der Amokfahrer von Münster heißt Jens R.
  • Er war 48 Jahre alt und deutscher Staatsbürger.
  • Von Beruf war er selbstständiger Industriedesigner.
  • Er war der Polizei bekannt. Laut Staatsanwaltschaft gab es in der Vergangenheit vier Verfahren gegen ihn, die alle eingestellt wurden. Es ging dabei um Bedrohung, Sachbeschädigung und Unfallflucht.
  • Er hat in Münster gelebt, nur wenige Kilometer vom Tatort entfernt. Laut Informationen der "FAZ" stammte er aus Olsberg im Sauerland.
  • Insgesamt besaß Jens R. vier Wohnungen. Zwei in Münster, zwei in Sachsen.
  • Außerdem besaß er mehrere Autos. Das Tatfahrzeug war auf ihn zugelassen.
  • Es heißt, der Täter sei psychisch labil gewesen. Was genau das bedeutet, ist indes völlig offen. Nach Informationen des "Spiegel" hatte er bereits einen Suizidversuch unternommen.
  • Nachbarn sagten dem "Spiegel", Jens R. habe oft Streit gesucht.
  • Der Mann handelte offenbar allein. Gerüchte, wonach noch zwei weitere Menschen in dem Tatfahrzeug gesessen haben, bestätigten sich nicht.

Das Motiv

  • Ein Kleinlaster als Tatwaffe. Viele Menschen haben angesichts dieses Musters schnell an islamistischen Terror gedacht, wie es bei den Fahrzeug-Attacken von Nizza, Berlin und London der Fall war. Auch die Behörden behandelten die Attacke zunächst als Terroranschlag, überprüften Gefährder, bereiteten sich darauf vor, die Grenzen zu schließen. Doch die Einschätzung war offenbar falsch.
  • Nach Auskunft der Sicherheitskräfte hat der Täter mit hoher Wahrscheinlichkeit keinen islamistischen Hintergrund.
  • Das Motiv ist weiter offen. "Die Ermittlungen werden mit Hochdruck und in alle Richtungen geführt", so Polizei und Staatsanwaltschaft in einer gemeinsamen Presseerklärung.
  • Erkenntnisse erhoffen sich die Ermittler unter anderem aus der Untersuchung der technischen Geräte von Jens R.

Die Tat

  • Um 15:27 Uhr am Samstag steuerte Jens R. einen silberfarbenen Kleinlaster in die Außengastronomie des Kiepenkerl, einem traditionsreichen Lokal in Münster.
  • Im Anschluss richtete er sich mit einer Schusswaffe selbst.
  • Im Wagen fanden Ermittler die Waffe, mit der sich der Täter erschossen hat, eine Schreckschusswaffe und rund ein Dutzend Feuerwerkskörper.
  • Das Tatfahrzeug wurde am Sonntag abgeschleppt.

Die Opfer

  • Für eine 51-jährige Frau aus dem Kreis Lüneburg und einen 65-jährigen Mann aus dem Kreis Borken kam jede Hilfe zu spät.
  • Mehr als 20 Menschen wurden verletzt, vier davon schwer. Mehrere Verletzte mussten notoperiert werden.
  • Noch immer schweben Opfer in Lebensgefahr. Wie viele ist nicht bekannt.
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Münster in Bildern: Tote und Verletzte bei Bluttat am Kiepenkerl

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