Deutsche-Bank-Chef Christian Sewing sieht die Zentralbanken in Kampf gegen hohe Inflation weiterhin gefordert.

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"Es wäre ein schwerer Fehler, jetzt in irgendeiner Form nachzulassen", sagte Sewing, der auch Präsident des Bundesverbandes deutscher Banken (BdB) ist, am Montagabend dem Nachrichtenportal "The Pioneer". "Das ist genauso, als wenn Sie 40 Fieber gehabt haben, und das Fieber ist auf 38,5 oder 39 zurückgegangen und Sie hören auf, ihre Medizin zu nehmen. Dann haben Sie einen Rückschlag." Das dürfe nicht passieren.

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat die Zinsen im Euroraum seit Juli 2022 acht Mal in Folge angehoben. Der Leitzins, zu dem sich Geschäftsbanken frisches Geld bei der EZB besorgen können, liegt mittlerweile bei 4,0 Prozent. Höhere Zinsen verteuern Kredite. Das kann die Nachfrage bremsen und hohen Teuerungsraten entgegenwirken. Für die Juli-Sitzung hat EZB-Präsidentin Christine Lagarde bereits einen weiteren Schritt nach oben in Aussicht gestellt: "Es ist sehr wahrscheinlich, dass wir die Zinsen im Juli weiter anheben werden."

Er habe keinen Zweifel daran, dass die EZB und die US-Notenbank Fed alles dafür tun werden, die Inflation einzudämmen, sagte Sewing. Die EZB strebt für den Euroraum mittelfristig Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von zwei Prozent an.

"Das bedeutet auch, dass richtigerweise die Zentralbanken auch in Kauf nehmen, dass wir vielleicht eine Rezession bekommen", sagte Sewing in dem am Dienstag veröffentlichten Interview. Höhere Kreditzinsen können dazu führen, dass Investitionen aufgeschoben werden und somit das Wirtschaftswachstum schwächer ausfällt.

"Von der wirtschaftlichen Entwicklung (...) werden wir in eine Situation kommen, dass das zweite Halbjahr und vielleicht auch das erste Quartal 2024 schwieriger sein wird. Aber es ist richtig, um die Inflation aus dem System zu bekommen, um es wirklich rauszuschwitzen", sagte Sewing. Das könne eine Volkswirtschaft wie Deutschland aushalten.  © dpa

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