• Die Wachen der Queen tragen plüschiges Schwarz auf dem Haupt: Mützen aus Bärenfell.
  • Laut der Tierschutzorganisation Peta bedarf es jedoch einem Bären pro Kopf.
  • Eine Online-Petition setzt sich bereits für Kunstpelz auf den Häuptern der Garden ein.

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Tagein, tagaus stehen sie vor dem Buckingham-Palast oder patrouillieren rund um den St. James's Park in der britischen Hauptstadt. Die Queen's Guards - die offiziellen Wachen von Königin Elizabeth II. - gehören mit ihren knallroten Jacken und überdimensionalen, plüschigen schwarzen Kopfbedeckungen zum Klischee-Bild Großbritanniens wie Big Ben oder die roten Telefonzellen.

Doch so wie die meisten der roten Zellen nur noch selten zum Telefonieren benutzt werden, passt auch die klassische Uniform für einige Briten nicht so recht ins Jahr 2022. Denn: Die Wachen tragen noch immer echtes Bärenfell auf dem Kopf.

Peta: Ein Bär pro Mütze

Nach Angaben der Organisation Waterloo 200, die sich auf britische Kriegs- und Militärgeschichte spezialisiert hat, ist die klassische Mütze 46 Zentimeter hoch und wiegt rund sieben Kilo. Nur wenige ausgewählte Regimente dürfen sie tragen. Üblicherweise kommt dafür das Fell weiblicher kanadischer Braunbären zum Einsatz. "Im Kampf trug die Bärenfellmütze zur Größe des Soldaten bei, der sie trug - und damit zur Einschüchterung", heißt es auf der Seite von Waterloo 200.

Glaubt man der Tierschutzorganisation Peta, braucht es für jede dieser Mützen das Fell mindestens eines Bären. "Diese zeremoniellen Bärenfelle könnten ganz einfach durch Kunstfell ersetzt werden, sodass der traditionelle Look erhalten bleibt, aber die Grausamkeit wegfällt", meint der britische Schauspieler Simon Pegg, bekannt aus "Mission Impossible", der sich gemeinsam mit Peta für die Abschaffung des Echtpelzes bei den Uniformen stark macht. Auf einem aktuellen Plakat hält Pegg mit spitzen Fingern eine schwarze Mütze - davor prangt der Slogan "Go Fake for the Bears' Sake" (deutsch: "Setzt auf Fake zum Wohle der Bären").

Bären werden für die Mützen wohl nicht gejagt

Traditionell stammt das Bärenfell aus Kanada. Umstritten ist allerdings, ob dafür Tiere zu Schaden kommen, die ohne die britische Tradition noch leben könnten. Von einem Sprecher des Militärs heißt es auf Anfrage: "Es werden niemals Bären gejagt, damit das Verteidigungsministerium sie nutzen kann."

Die verwendeten Felle seien "Nebenprodukte lizenzierter Keulungen durch kanadische Behörden", mit der die wilde Bärenpopulation gesteuert werde. "Eine Reduzierung der von uns produzierten Bärenfellmützen käme also nicht einer Reduzierung der getöteten Bären gleich." Peta hingegen führt an, es gebe keine Belege für die standardmäßig vorgesehenen Keulungen.

Der Monarchie-Experte Craig Prescott hält es für nicht allzu wahrscheinlich, dass das Militär umschwenkt, solange die Pelze aus Kanada wie bisher zur Verfügung stehen. Allerdings führt er an, dass die Royal Family sich in den vergangenen Jahren vermehrt zu Umwelt- und Naturschutz zu Wort meldet. "Man könnte annehmen, dass die Verwendung der Felle aus Umweltgründen eine Überlegung wert wäre", sagte Prescott der Deutschen Presse-Agentur. Auch Traditionen, die für Kontinuität stünden, müssten sich ihrer Zeit anpassen.

Online-Petition für Kunstfellmützen

Protest gegen die Felle regt sich nicht nur aus der Tierschutzorganisation Peta. Seit einigen Monaten läuft eine Online-Petition, die sich für Kunstpelz auf den Häuptern der oft stundenlang stramm stehenden Garden einsetzt. "Das Verteidigungsministerium ist nicht von den ethischen Standards vom Rest der Gesellschaft ausgenommen", heißt es in den Forderungen.

Damit das nationale Symbol auch in einer modernen Gesellschaft bestehen könne, müsse statt des Bärenfells Kunstpelz zum Einsatz kommen. Bis Mitte April hatten mehr als 5. 700 Menschen die Petition unterzeichnet - also gut die Hälfte der Anzahl, die notwendig ist, um das Thema auf die Agenda im Parlament zu bringen.

"Wo künstliche Alternativen zu Naturpelzartikeln eine geeignete, erschwingliche und nachhaltige Alternative zu tierischen Produkten darstellen, wird das Militär sie verwenden", heißt es aus dem Verteidigungsministerium.

Doch bisher scheint diese noch nicht gefunden. Seit 2015 seien vier verschiedene synthetische Pelz-Varianten getestet worden. Doch keiner konnte den hohen Ansprüchen - neben Aussehen etwa auch die Wasserdurchlässigkeit - standhalten, wie der Militärsprecher erklärte.

Man werde die Materialien daher nicht weiter in Erwägung ziehen, denn es sei von entscheidender Bedeutung, dass die Kopfbedeckungen sowohl "praktisch als auch schick" seien. Die Wachen seien außerdem extrem stolz darauf, ihre Bärenfellmützen und damit ein "ikonisches Symbol Großbritanniens" tragen zu dürfen. (sbi/dpa)

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Königin Elisabeth II. hat beim Empfang mit dem kanadischen Premierminister Justin Trudeau ein verstecktes politisches Statement abgegeben. (Bildnachweis: picture alliance / empics | Joe Giddens) © ProSiebenSat.1