Cancún (jfi/afp) - Eine entführte Mexikanerin erlebte nahe der Touristenhochburg Cancún ein schier unglaubliches Martyrium: Zusammen mit drei Leichen warfen ihre Kidnapper ihr Opfer in einen Brunnen, weil sie sie für tot hielten. Nach zehn Tagen befreite sie sich selbst.

Irene Garcia May habe am Montag aus eigener Kraft aus dem Brunnen klettern können, teilte die Staatsanwaltschaft in Cancún mit. Sie war in einem erbarmungswürdigen Zustand: Augenzeugen berichteten, sie habe furchtbar gerochen, sei mit Ungeziefer übersät gewesen und aus einer ihrer Augenbrauen hätten Würmer herausgeragt.

Erst der fürchterliche Gestank und das auf ihr sitzende Getier brachten die Polizisten dann auf die Spur der Leichen in dem Brunnen. Wie die mexikanische Zeitung "Quequi" am Dienstag berichtete, bot sich den ermittelnden Beamten am Grund des Brunnen ein Bild des Schreckens: Die Leichen waren bereits verwest und einer der Körper war vor seiner "Beerdigung" in sechs Teile zerlegt worden.

Die Entführer hatten die Frau vermutlich in den Brunnen geworfen, weil zuvor ein Befreiungsversuch der Polizei gescheitert war. Die Tochter eines Dorfvorstehers in der mexikanischen Urlaubsregion war offenbar von Mitgliedern eines Drogenkartells entführt worden, um Lösegeld zu erpressen. Insgesamt hatte ihre Geiselhaft 40 Tage gedauert. Im Krieg der rivalisierenden Drogenkartelle sind in Mexiko seit Ende 2006 knapp 23.000 Menschen ums Leben gekommen.