"Amanda zu treffen, war wie vom Blitz getroffen zu werden": Raffaele Sollecito hat in einem Interview mit der britischen Zeitung "The Sun" Details aus seiner früheren Beziehung mit Amanda Knox erzählt. Der Fall um die getötete Studentin Meredith Kercher wird von der italienischen Justiz gerade neu aufgerollt. Auch wenn Knox' Ex-Freund und Mitbeschuldigter seit dem Mord wie in einem "Horrorfilm" lebe, bereue er es nicht, Amanda kennen gelernt zu haben.

"Ich weiß, dass ich damit nichts zu tun hatte": Amanda Knox bestreitet nach wie vor, in den Mord an ihrer Mitbewohnerin verwickelt gewesen zu sein.

2009 wurde Raffaele Sollecito und die mitangeklagte Amanda Knox an dem Mord an der britischen Austausch-Studentin Meredith Kercher für schuldig befunden und zu 25 Jahren Haft verurteilt. Zwei Jahre später wurden die beiden frei gesprochen. Jetzt sollen sie wieder vor ein italienisches Gericht.

Inzwischen ist Sollecito 29 Jahre alt. Zurzeit ist er bei Verwandten zu Besuch in den USA. Erst vor einigen Tagen hat er seine Ex-Freundin Knox in New York getroffen. "Wir haben gemeinsam eine so große Sache erlebt, dass wir natürlich noch Freunde sind und uns gegenseitig unterstützen", erklärt der Italiener "The Sun".

Raffaele Sollecito: "Unsere Beziehung wurde sehr schnell sehr intensiv"

Das frühere Paar hatte sich erst fünf Tage vor dem gewaltsamen Tod von Meredith Kercher bei einem Konzert kennen gelernt. "Amanda zu treffen, war wie vom Blitz getroffen zu werden. Unsere Beziehung wurde sehr schnell sehr intensiv", beschreibt Sollecito ihre erste gemeinsame Zeit. "Ich hatte nicht viel Erfahrung mit Sex. Sie hatte mehr Erfahrung als ich. Wir haben miteinander geschlafen und unser Sexleben war nicht langweilig."

Der Prozess war auch deswegen bekannt geworden, weil die Anklage Sollecito und Knox als ein junges Pärchen mit extremen sexuellen Vorlieben darstellte. Sie sollen Kercher vor ihrem Tod vergewaltigt haben. "Wir haben über Fantasien gesprochen und uns gegenseitig gefragt, was uns gefällt und so weiter, aber das war total normal", wehrt sich Sollecito im Interview gegen diese Vorwürfe. In seinem Zimmer gefundene Videospiele und Manga-Comics mit Gewaltdarstellungen sollten Sollecitos Neigungen vor Gericht belegen. Er selbst glaubt, dass die italienischen Staatsanwälte an ihrer "verrückten" Sex-Theorie festhalten aus Rache an ihm und Knox und um ihre eigene Reputation zu retten: "Warum sollte ich jemanden grausam ermorden, den ich kaum kenne, mit jemanden, den ich erst fünf Tage zuvor getroffen habe? Es macht keinen Sinn."

Sein Leben sei wie ein "Horrorfilm"

Er kann nicht verstehen, warum der Fall neu aufgerollt wird. "Es fühlt sich an, als wäre ich in einem Horrorfilm, zu dem sie laufend Fortsetzungen machen", beschreibt er seinen Zustand. "Die Anklage hat eine Theorie ohne echte Beweise oder Tatsachen. Es ist sehr schmerzhaft. Es scheint so persönlich, als wären sie darauf versessen, mich wieder in diesen Albtraum hineinzuziehen."

Obwohl er das Opfer, damals Mitbewohnerin von Knox, nur wenige Male getroffen habe, wolle er dennoch eines Tages ihr Grab besuchen. "Ich werde Meredith niemals vergessen. Es war schrecklich, was passiert ist. Aber ich bin nicht verantwortlich für ihren Tod. Es macht mich traurig, wenn ihre Familie immer noch glaubt, dass noch mehr Menschen daran beteiligt sind. Rudy Guede ist wegen dem Mord an ihr im Gefängnis und seine DNA war überall am Tatort", sagt Sollecito.

Seitdem er aus der Haft entlassen wurde, hat Sollecito noch nicht zu einem normalen Leben zurückgefunden. Er lebt nicht länger als zwei Monate an einem Ort. Mit seinem Abschluss als Software-Ingenieur, den er im Gefängnis gemacht hat, wollte Sollecito in der Schweiz arbeiten, doch sein Visum wurde widerrufen. Es sei auch schwer, eine neue Freundin zu finden. "Da war ein Mädchen, das ich mochte, und sie mochte mich auch. Aber zu erklären, dass ich Raffaele Sollecito bin und dass ich in einen Mordfall verwickelt bin, ist immer schwierig. Ich verstehe das, es ist nicht einfach mit so jemanden eine Beziehung aufzubauen."

Trotz allem bereue er es nicht, Amanda Knox getroffen zu haben. "Es ist nicht ihre Schuld. Ich hätte das tun können, was die Polizei wollte und erzählen können, dass ich in dieser Nacht nicht mit ihr zusammen war. Aber ich hätte nicht mit dem Wissen leben können." Die kurze gemeinsame Zeit mit Knox hat er in guter Erinnerung: "Sie war großartig. Ich war sehr, sehr glücklich. Wegen dem, was passiert ist, hatten wir nie die Chance zu sehen, was aus unserer Beziehung geworden wäre. Wer weiß, vielleicht wären wir sogar noch zusammen."

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