Kein angenehmer Termin für den Facebook-Chef: Mark Zuckerberg muss zum Datenskandal vor dem US-Senat aussagen. Er zeigt sich reumütig - denn für den Konzern steht viel auf dem Spiel.

Im US-Kongress hat eine zweitägige Befragung von Facebook-Chef Mark Zuckerberg zum Skandal um gigantischen Datenmissbrauch begonnen. Zuckerberg hat erstmals signalisiert, dass das weltgrößte Online-Netzwerk eine Bezahl-Variante ohne Werbung bekommen könnte. "Es wird immer eine kostenlose Version von Facebook geben", sagte er und deutete mit dieser Wortwahl Alternativen an.

Er enthüllte zudem, dass Facebook-Mitarbeiter vom Sonderermittler Robert Mueller befragt wurden, der eine mögliche russische Einmischung in den US-Wahlkampf untersucht. Er selbst sei nicht darunter gewesen.

Zuckerberg bekannte sich in der Anhörung zu seiner persönlichen Verantwortung für die unerlaubte Verwendung von Nutzerdaten. Seine größte Priorität sei nach wie vor, die Menschen zu vernetzen - und das werde immer wichtiger sein als die Interessen der Werbekunden, "solange ich Facebook führe", sagte Zuckerberg. "Ich habe Facebook gestartet, ich leite es, und ich bin verantwortlich für das, was hier passiert", sagte er in einem etwa fünfminütigen Eingangsstatement.

Nicht genug gegen Datenmissbrauch getan

Facebook habe einen "großen Fehler" begangen, indem es seine Verantwortlichkeiten nicht breit genug definiert habe: "Es war mein Fehler, und es tut mir leid." Sein Unternehmen habe nicht genügend gegen den Datenmissbrauch der von ihm bereitgestellten Instrumente zur Online-Vernetzung getan. Dies gelte für die Verbreitung von Falschnachrichten und Hassrhetorik, ausländische Einmischungen in Wahlen und den Zugriff auf Nutzerdaten.

Der Facebook-Chef betonte jedoch, dass sein Unternehmen inzwischen hart daran arbeite, die Privatinformationen seiner weltweit zwei Milliarden Nutzer künftig besser zu schützen: "Es wird einige Zeit brauchen, um all die Veränderungen abzuarbeiten, die wir vornehmen müssen. Aber ich bin dem Ziel verpflichtet, es hinzubekommen", sagte Zuckerberg.

Seine vorbereitete Stellungnahme war bereits am Montag vom Kongress verbreitet worden.

Zuckerberg kündigte während der Anhörung an, alle Apps zu untersuchen, die Zugriff auf zahlreiche Facebook-Nutzerinformationen haben. Letztlich sei es auch möglich, Apps von der Plattform zu verbannen.

Auf die Nachfrage des Vorsitzenden des Justizausschusses, Chuck Grassley, welche Daten genau und in welcher Menge von Cambridge Analytica abgegriffen wurden, wich Zuckerberg aus und versprach Antworten nachzureichen.

Zuckerberg offen für Regulierungen

Eines der Themen der Senatsanhörung war es, ob die Technologie- und Internetbranche in den USA schärfer reguliert werden muss. "Der Status quo funktioniert nicht mehr", sagte Chuck Grassley. Der Kongress müsse nun entscheiden, ob und wie die Standards zum Schutz der Privatsphäre gestärkt werden müssten. Zuckerberg zeigte sich offen für neue Regulierungen - "wenn es die richtige Regulierung ist", sagte der Konzernchef.

Statt in seinem üblichen grauen T-Shirt erschien Zuckerberg im dunklen Geschäftsanzug und mit blauer Krawatte. Die Anspannung war ihm anzumerken, auf viele Fragen wirkte er jedoch vorbereitet.

Für Zuckerberg und seinen Konzern stand bei der Anhörung enorm viel auf dem Spiel: Der Datenmissbrauchsskandal berührt den Kern des Geschäftsmodells von Facebook, das auf massiven Datensammlungen über seine Nutzer beruht. Die Daten werden für die gezielte Schaltung von Anzeigen genutzt.

Firmenangaben zufolge könnten in dem Datenskandal persönliche Informationen von bis zu 87 Millionen Nutzern an die britische Politikberatungsfirma Cambridge Analytica zweckwidrig weitergegeben worden sein. Dies könnte dem Wahlkampf von Donald Trump vor zwei Jahren geholfen haben.

Facebooks schwerste Krise

Der Skandal hat Facebook in die schwerste Krise seiner 14-jährigen Geschichte gestürzt. Er wird beiderseits des Atlantik von Aufsichtsbehörden und Parlamenten untersucht.

Zuckerberg ist schon seit Tagen bemüht, die Situation zu entschärfen. In Blogeinträgen und einer Telefonkonferenz mit Journalisten räumte er Fehler ein und versprach schärferen Datenschutz für die Zukunft. Zudem reduzierte Facebook bereits den Zugriff von App-Entwicklern auf Nutzerinformationen deutlich, und Nutzer bekamen mehr Möglichkeiten zum Schutz ihrer Privatsphäre gemäß EU-Datenschutzgrundverordnung.  © SPIEGEL ONLINE

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