Eine 35-Jährige hat in Niederösterreich ihre drei Kinder, ihren Bruder und ihre Mutter erschossen. Einiges deutet darauf hin, dass die Tat vorbereitet war. Im kleinen Ort Schildberg herrschen Trauer und Entsetzen.

Entsetzen und Ratlosigkeit herrscht im niederösterreichischen 170-Seelen-Ort Schildberg. Hier, in der Nähe von Böheimkirchen, wurden in einem ehemaligen Wirtshaus am Donnerstag sechs Leichen gefunden. Alles deutet bisher darauf hin, dass eine 35-jährige drei ihrer Kinder (zwischen sieben und zehn Jahren), ihre Mutter (59) und ihren Bruder (40) erschoss und anschließend Suizid beging.

"Wir trauen um die Familie", sagte Böheimkirchens Bürgermeister Johann Hell in einer Pressekonferenz am Freitag. Kontakt zur Familie gab es kaum. "Sie haben sich nicht in das gesellschaftliche Leben eingebracht", so Hell.


Kinder offenbar im Schlaf erschossen

Medienberichten zufolge wurden die Kinder im Schlaf in ihren Betten erschossen. Tatwaffe solle eine Pistole "Walter 765" gewesen sein, die die Verdächtige legal besaß.

Die Tageszeitung "Kurier" berichtet unter Berufung auf Polizeikreise, dass die Tat vermutlich geplant war. Die Verdächtige sei am 21. November zum letzten Mal auf der Straße gesehen worden.

Zuvor sei sie in der Volksschule von Böheimkirchen erschienen, um ihre Kinder vom Unterricht abzumelden. Ihre Begründung: Sie habe alle Hände voll zu tun mit der Pflege ihrer krebskranken Mutter.

Tatsächlich war die Mutter der Verdächtigen erst kürzlich aus dem Krankenhaus nach Hause gekommen. Dennoch vermutet ein Ermittler: "Womöglich war das eine Ausrede, damit niemand Verdacht schöpft, wenn die Kinder plötzlich nicht mehr in der Schule auftauchen."

Lagen Leichen schon länger im Haus?

Wann genau die Tat begangen wurde, ist Gegenstand der Ermittlungen. Ein Nachbar hatte die Polizei alarmiert, nachdem er seit Tagen kein Lebenszeichen der Familie vernommen hatte.

Über die Familie weiß man bisher wenig. Vor rund einem Jahr war sie aus dem wenige Kilometer entfernten Kirchstetten zugezogen und lebte laut Nachbarn isoliert.

Die 35 Jahre alte Verdächtige befand sich offenbar in einem Rosenkrieg mit ihrem Mann, von dem sie sich laut "Kurier"-Informationen nach der Geburt des jüngsten Kindes getrennt hatte.

"Die Kinder waren sehr behütet", sagte Volkschul-Direktorin Silvia Riedler. Die Todesnachricht habe in der Schule große Trauer ausgelöst: "Viele Kinder haben geweint." Ein Kriseninterventionsteam kümmere sich nun um die Schüler. (af/dpa)