Drachen, Hexen und ein besonderes Beuteltier: Kuriose Osterbräuche weltweit

Zu Ostern, wenn bei uns der Frühling einkehrt und auf der Südhalbkugel die letzten warmen Tage verabschiedet werden, veranstalten die Menschen weltweit besondere Rituale. Heringe werden beerdigt, Hexen werden mit Süßigkeiten bestochen und ein besonderes Beuteltier bringt Schokoladeneier ... © 1&1 Mail & Media/teleschau

Osterstorch, Osterfuchs, Osterhahn - all diese tierischen Gehilfen sind tatsächlich schon mal da gewesen. In den meisten Gegenden hat sich aber das Langohr über die Jahrhunderte erfolgreich als österliches Maskottchen durchgesetzt: Der Osterhase bringt bunte Eier, Schokoladeneier und Geschenke. Doch es gibt da ein weit entferntes Land, das arbeitet an seiner Ablösung ...
In Australien hat das Hasentier ein schlechtes Image. Das Kaninchen, das dort mit den Europäern eingewandert ist, gilt als Plage, die Landwirtschaft und Umwelt zusetzt. Vor wenigen Jahrzehnten wurde der "Oster-Bilby" als neues Ostertier ins Spiel gebracht. Der einheimische Kaninchennasenbeutler sieht nicht nur dem Hasen ähnlich, im Gegensatz zu ihm verfügt er auch noch über einen Beutel.
So wie in Deutschland Osterhasen aus Schokolade und Plüsch verschenkt werden, sind es in Australien Schokoladen- und Kuschel-Bilbys. Da das niedliche Beuteltier mit den langen Ohren in seiner Heimat als bedroht gilt, kommt der Erlös aus diesen Verkäufen teilweise dem Tierschutz zugute.
Kreativ zeigen müssen sich die Australier vor Ostern auch als Eltern von Grundschulkindern: Es gilt, eine besonders kunstvolle Kopfbedeckung zum Thema zu kreieren, für die "Easter Hat Parade", bei der an der Schule die schönste prämiert wird. Ganze Bücher widmen sich der Kunst des Gestaltens von Osterhüten und in den sozialen Netzwerken tauschen Mütter und Väter Tipps dazu aus.
Der "Easter Bonnet" kommt eigentlich aus Europa. Möglicherweise geht der "Osterhut" auf die Tradition zurück, dass die Menschen sich vielerorts zu Ostern neu einkleiden. Heute gibt es die verrücktesten Kreationen wohl alljährlich bei der größten "Easter Parade and Bonnet Festival" auf der Fifth Avenue in New York City zu bewundern. Wenn nicht gerade eine Pandemie die Welt beherrscht ...
Während in südeuropäischen Ländern feierliche Prozessionen in kirchlicher Tradition abgeschritten werden, geht es bei den Oster-Paraden in vielen US-amerikanischen Städten fröhlich und bunt zu. Die größte findet am Ostersonntag in New York City statt, wie bereits im vergangenen Jahr allerdings Corona-bedingt auch 2021 nur virtuell bei Instagram.
Ebenfalls ins Internet verlegt werden musste wegen der Corona-Pandemie die diesjährige "Easter Egg Roll": Im Garten des Weißen Hauses, dem Amtssitz des US-Präsidenten, rollen Kinder mit langen Löffeln hartgekochte Eier durch das offizielle Gras um die Wette (hier 2019). Mittlerweile wird diese über 140 Jahre alte Tradition durch ein buntes Programm ergänzt.
Das farbige hölzerne Osterei, das die Kinder üblicherweise als Andenken an die "Easter Egg Roll" vom US-Präsidenten und seiner First Lady erhalten, kann in diesem Jahr käuflich online erworben werden: Es zeigt einen Osterhasen mit Maske.
Nicht nur der US-Präsident, auch die britische Monarchin pflegt ein eigenes Osterritual. Im Andenken an die Fußwaschung zu Gründonnerstag verteilt die Queen an diesem Tag "Maundy Money" (hier 2019 in Windsor). Entsprechend ihrem Alter in Lebensjahren gäbe sie 2021 in Form speziell geprägter Münzen 94 Pence an 94 Rentnerinnen und 94 Rentner, die sich besonders in ihrer Gemeinde engagiert haben.
In der Regel händigt die Queen jeweils ein rotes Säckchen mit regulären Münzen sowie ein weißes mit speziellen "Maundy"-Silbermünzen aus. Aufgrund der Corona-Pandemie wurde das "Maundy Money" im letzten Jahr nicht persönlich übergeben, sondern zusammen mit einem Brief der Queen per Post verschickt. In diesem Jahr wird es wohl ebenso ablaufen müssen.
Viele, sehr viele Eier werden zu Ostern im südfranzösischen Bessières benötigt. Denn am Ostermontag wird dort traditionell ein Riesenomelette gebraten: aus 15.000 Eiern. Das reicht für Einheimische und Gäste - und zwar für mehrere Mahlzeiten. Der Legende nach geht diese Tradition zurück auf Napoleon, der gemeinsam mit seinen Truppen dort auf diese Weise verköstigt worden sein soll.
Die Schokoladeneier bringt in Frankreich nicht der Osterhase. Sie werden von den Kirchenglocken, den "Cloches de pâques", übers Land verstreut. Ab Gründonnerstag verstummen sie, weil sie - so die Legende - nach Rom reisen, um vom Papst gesegnet zu werden. Am Ostersonntag kehren sie mit lautem Geläut und vielen süßen Mitbringseln zurück.
In Skandinavien nehmen die Kinder die Süßigkeiten-Organisation selbst in die Hand: In Finnland zum Beispiel verkleiden sie sich bereits an Palmsonntag als Osterhexen, ziehen von Haus zu Haus und bitten um Süßes - ähnlich wie andernorts zu Halloween. Dafür revanchieren sich die Hexen, indem sie mit bunt geschmückten Weidenruten und einem Spruch böse Geister von den Häusern vertreiben.
In Norwegen wird die Tradition des "Påskekrim", des "Osterkrimis", gepflegt. Vor den Osterfeiertagen hat der Buchhandel Hochsaison. Denn in diesen Ferien ziehen sich die Norweger auf Skihütten zurück und genießen neue Krimis als Buch, im TV oder sogar auf der Milchpackung. Dieser "Brauch" geht zurück auf die extrem erfolgreiche Werbekampagne eines Buchverlages zu Ostern in den 20er-Jahren.
Auch in Dänemark wird zu Ostern gelesen: im sogenannten "Gækkebrev". Kinder schreiben Verse auf und verzieren diese Briefe kunstvoll, allerdings nicht mit einer Unterschrift. Die Eltern müssen raten, von wem der geheime "Narrenbrief" stammt und mit Ostereiern aus Schokolade bezahlen, wenn sie daneben liegen.
Gebastelt wird vor Ostern auf den Bermudas an etwas ganz Besonderem: einem Drachen, den man dort zu Ostern steigen lässt. An Karfreitag findet in der Horseshoe Bay traditionell ein großes Drachenflug-Festival statt. Scheinbar profan, hat dieser Brauch wohl tatsächlich einen religiösen Ursprung: Der Drache steigt als Symbol für die Auferstehung der Seele.
In Irland wird zu Ostern ein feierliches Begräbnis veranstaltet, das "Herrings Funeral" und feiert so das Ende der Fastenzeit. In vielen Dörfern führt eine Prozession zu einer Wiese, wo kleine Gräber ausgehoben werden: um dort Heringe zu bestatten. Nach 40 Tagen des Fleischverzichts nimmt man gerne mal Abschied von dieser alternativen Speise.
Am Morgen des Karsamstags, um 11 Uhr, wird es laut in Korfus Altstadt. Auf der griechischen Insel werden traditionell große rote, auch mal mit Wasser gefüllte Tontöpfe von den Balkonen gestoßen. Der Brauch geht möglicherweise auf das Venedig im 16. Jahrhundert zurück, wo am Neujahrstag alte Sachen aus dem Fenster geworfen wurden. Oder er steht für neue Ernte in neuen Gefäßen.
In den Niederlanden hat sich die Tradition durchgesetzt, sich am Ostermontag neue Möbel zu kaufen. Man könnte es dahingehend interpretieren, dass Ostern generell für Erneuerung steht ... Vielleicht liegt es aber auch schlicht daran, dass die meisten Niederländer an diesem Tag frei haben und Zeit, Sofas Probe zu sitzen. Viele Möbelhäuser locken mit speziellen Osterangeboten.
In Antigua in Guatemala werden die Straßen mit prachtvollen bunten Teppichen für die Karfreitagsprozession geschmückt: Die Einheimischen gestalten sie stundenlang aus Blumen, Blütenblättern, Kiefernnadeln, Obst, Gemüse und gefärbtem Sägemehl. Nach der Prozession wird alles weggekehrt.