Nach der Festnahme von Marcel H. in Herne haben Polizei und Staatsanwaltschaft auf einer Pressekonferenz in Dortmund Details und Informationen zur Tat, dem Verdächtigen sowie den beiden Opfern bekannt gegeben. Marcel H. zeige sich in den Vernehmungen "eiskalt". Die Tötungsdelikte habe er beide gestanden.

Bei Marcel H. handelt es sich nach Angaben der Polizei um einen "in vielerlei Hinsicht ungewöhnlichen, gefährlichen und brutalen Täter". Das sagte Dortmunds Polizeipräsident Gregor Lange bei der Pressekonferenz. Er sprach den Angehörigen der Opfer sein Beileid aus.

Lange sagte, er könne gar nicht sagen, wie erleichtert er sei, "diesen gefährlichen brutalen Täter festzunehmen". Es sei wichtig gewesen, dass ein hoher Fahndungsdruck auf den Flüchtigen aufgebaut wurde. Laut Polizeiführer Ralf Ziegler seien mehrere Hundert Beamte eingesetzt worden - aus der Bevölkerung habe es mehr als 1.700 Hinweise gegeben.

Bei der Pressekonferenz wurden weitere Hintergründe der Taten bekannt. Marcel H. war demnach computer- und spielsüchtig. Das sagte der Leiter der Mordkommission Bochum, Klaus-Peter Lipphaus. Zudem sei seine Bewerbung bei der Bundeswehr kurz zuvor abgelehnt worden. Daraufhin habe Marcel H. am 6. März seine alte Wohnung aufgesucht, um Suizid zu begehen.

Täter zeigt sich emotionslos

Als dies nicht klappte, habe er den Entschluss gefasst, mit dem Morden zu beginnen. Um 18:30 Uhr, eine halbe Stunde nach dem gescheiterten Suizid, habe er den neun Jahre alten Jaden getötet, davon Fotos gemacht und an Freunde geschickt. Daraufhin sei er in den Wald geflüchtet. Jaden soll er mit 52 Messerstichen getötet haben.

Lipphaus betonte, dass sich Marcel H. in den Vernehmungen "eiskalt" verhalte und emotionslos sei. "Er diktiert den Kollegen", sagte der Leiter der Mordkommission Bochum.

Marcel H. handelte aus Mordlust - beide Tötungsdelikte gestanden

Der zuständige Staatsanwalt Danyal Maibaum sagte, dass Marcel H. aus Mordlust und heimtückisch gehandelt habe. Bei dem zweiten Toten handelt es sich laut Maibaum um einen 22-Jährigen. Er sei mit 68 Messerstichen und durch Gewalteinwirkung am Hals getötet worden.

Lipphaus sagte, Marcel H. habe das zweite Opfer von einem Berufskolleg gekannt. Sie hätten über einen Internetchat Kontakt gehalten. Marcel H. habe mit dem zweiten Opfer noch gemeinsam gegessen und Computerspiele gespielt. Dann habe sich Marcel H. zunächst in der Wohnung des späteren Opfers schlafen gelegt. Der Beschuldigte habe das zweite Opfer in der Wohnung erst getötet, als dieses wegen der ersten Tat zur Polizei gehen wollte.

Marcel H. habe beide Tötungsdelikte gestanden. Weitere frühere Tötungsdelikte des 19-Jährigen schloss Lipphaus aus.

Schuldfähigkeit noch nicht geklärt

Die Schuldfähigkeit von Marcel H. ist noch unklar. Diese werde mit Sicherheit geprüft, sagte Maibaum. Der Verdächtige erinnere sich aber sehr detailliert an die Taten.

Marcel H. behaupte, nur in der Wohnung des Opfers Bilder angefertigt zu haben. Wer diese Bilder ins Internet gestellt habe, sei bisher noch nicht klar. Marcel H. selbst sei es laut eigener Aussage nicht gewesen, sagte Lipphaus. Die Ermittlungen dazu seien noch nicht abgeschlossen.

Die Bochumer Polizeipräsidentin Kerstin Wittmeier zeigte sich erleichtert: "In meinem persönlichen Lebensweg habe ich noch keinen Fall erlebt, der mich persönlich so betroffen gemacht hat." Es sei bei ihr und ihren Kollegen noch eine große Trauer da, "und es wird noch eine Zeit dauern, das zu verarbeiten".

Der 19 Jahre alte Marcel H. war am Donnerstagabend in Herne festgenommen worden. Er hat gestanden, am Montag einen neunjährigen Nachbarsjungen im Keller seines Familienhauses durch zahlreiche Messerstiche getötet zu haben.

Nach tagelanger Fahndung hatte sich Marcel H. in Herne einem griechischen Imbiss-Besitzer zu erkennen gegeben, der daraufhin die Polizei verständigt hatte. Marcel H. hatte die Beamten auf ein brennendes Haus hingewiesen, in dem die Ermittler eine weitere Leiche fanden. Dabei handelte es sich um den 22 Jahre alten Bekannten des Täters. (tfr/dpa)