Im Fall der tödlichen Misshandlungen in Höxter hat der mutmaßliche Täter Wilfried W. seine Ex-Frau über seinen Anwalt als "treibende Kraft" bezichtigt. Der Anwalt von Angelika B. hat dieser Version nun widersprochen. Beide Verteidiger erheben jedoch schwere Vorwürfe gegen die Polizei - weil die Morde verhindert hätten werden können.

Peter Wüller, Anwalt der im Fall Höxter als Mittäterin beschuldigten Angelika B., gibt gegenüber dem "Westfalen-Blatt" an, die Anschuldigungen von Wilfried W. seien für seine Mandantin unerträglich. Der mutmaßliche Täter hatte die Hauptschuld an den Foltermorden seiner Ex-Frau zugeschoben. Deren Brutalität habe ihn "manchmal erschreckt", wie er über seinen Anwalt Detlev Binder der "Bild"-Zeitung mitteilen ließ.

Diesen Aussagen setzte Wüller im "Westfalen-Blatt" entgegen: "Was meine Mandantin den eingesperrten Frauen angetan hat, hat sie von ihm gelernt und übernommen".

Er fügte hinzu: "Auch wenn es vielleicht schwer zu ertragen ist, spreche ich jetzt mal Klartext: Wilfried quälte sie mit einem glühenden Schürhaken, mit einer Lötlampe, mit Feuerzeugen und einer Herdplatte. Bei Autofahrten hatte er eine Thermoskanne mit heißem Tee dabei, den er ihr in den Schoß goss, wenn sie angeblich etwas falsch machte. Er drosselte sie mit Kabeln, Gürteln und Decken. Er zog ihr Tüten über den Kopf, bis sie ohnmächtig war, und trat sie in den Unterleib und gegen den Kopf."

Hätten die Morde verhindert werden können?

Seine Mandantin habe Wilfried W. vor etwa zehn Jahren sogar einmal verlassen und sei zu ihrer Mutter geflüchtet, so Wüller. W. habe sie jedoch überreden können, zu ihm zurückzukehren, nachdem er versprochen hatte, sich zu ändern.

Sowohl Wüller, als auch W.s Anwalt Detlev Binder stimmen jedoch darin überein, dass der Tod der beiden Frauen, die im sogenannten "Horror-Haus" von Höxter ums Leben gekommen waren, hätte verhindert werden können. Die Mordkommission hatte in dem Haus Schreiben gefunden, in denen weitere in dem Haus eingesperrte Frauen bestätigen sollten, freiwillig dort zu sein. Das Paar wollte sich mit diesen Schreiben offenbar einer strafrechtlichen Verfolgung entziehen.

Zu diesem Zweck sei das Paar nach Uslar zu einer Polizeiwache gefahren. Binder deutet an, dass es sich um eine Polizeipanne handelte: "Der Polizist lehnte die Bitte, das Unterschreiben des Briefes zu bezeugen, ab und schickte das Paar fort. Dabei hätten der Inhalt des Schreibens und ein Mindestmaß an polizeilichem Instinkt den Beamten dazu bringen müssen, sich die Frau, deren Unterschrift er bestätigen sollte, einmal anzusehen und sich unter vier Augen mit ihr zu unterhalten. Dann wäre das Paar wahrscheinlich schon 2012 aufgeflogen."

Die Polizeidirektion Göttingen geht dem Vorwurf nach. Es seien "alle erforderlichen Maßnahmen getroffen, um den Sachverhalt aufzuklären", sagte Polizeipräsident Uwe Lührig am Donnerstag der Deutschen Presse-Agentur. Er wollte sich zu dem Vorwurf aber nicht konkret äußern: Es handele sich um ein schwebendes Ermittlungsverfahren des Polizeipräsidiums Bielefeld und der Justizbehörden in Nordrhein-Westfalen. Aus Polizeikreisen hieß es, man halte den Vorwurf des Rechtsanwalts für wenig plausibel. (lug/dpa)