Bundesweit sind der Polizei mindestens 370 Zwischenfälle mit Grusel-Clowns gemeldet worden. Das hat eine dpa-Umfrage bei Polizeibehörden und Landeskriminalämtern im Bundesgebiet ergeben.

Die Vorfälle, die seit der vergangenen Woche gehäuft auftreten, reichen von bloßen Sichtungen von vermeintlichen Horror-Clowns über Erschrecken bis hin zu versuchten und tatsächlichen Angriffen mit Messern oder anderen Waffen.

Die mit Abstand meisten Fälle hat der Umfrage zufolge das LKA Nordrhein-Westfalen registriert: Der Behörde im bevölkerungsreichsten Bundesland waren bis zum Mittwochvormittag 190 Vorfälle mit Horror-Clowns bekannt. Dabei wurden acht Menschen leicht verletzt. In Niedersachsen wurden 56 Fälle gezählt, in Mecklenburg-Vorpommern 47.

In Baden-Württemberg sind der Polizei den Angaben zufolge bislang hingegen erst sieben, in Berlin zwei Fälle bekannt. In der Hauptstadt war am Montag ein 16-Jähriger mit Clownsmaske von einem 14-Jährigen niedergestochen worden, nachdem er ihn erschreckt hatte. Der vermeintliche Clown musste notoperiert werden. In Hamburg trat das makabre Phänomen nach Polizeiangaben noch gar nicht auf.

Nicht alle Bundesländer erfassen die Vorfälle zentral. Einige Bundesländer wie Hessen oder Bayern berichten von "mehreren Sichtungen" oder Einzelfällen. Die Umfrage erhebt daher keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Falschmeldungen zu Horror-Clowns

Die Behörden konstatieren zudem vermehrt Falschmeldungen in sozialen Netzwerken und anderen Internet-Plattformen. Etwa in Bayern machen den Ermittlern diese Gerüchte und Falschmeldungen zu schaffen.

Strafrechtlich relevante Fälle gebe es den Behörden zufolge dort bislang aber kaum. Auch die Polizei in Thüringen weist auf Falschmeldungen im Internet hin. Aus Sachsen-Anhalt hieß es, viele der vermeintlichen Clown-Sichtungen hätten sich im Nachhinein als ausgedacht entpuppt.

Mehrere Landesinnenminister verurteilten das Verhalten der Maskierten und kündigten ein hartes Vorgehen gegen sie an. "Auch wenn man dem Einzelnen unterstellen mag, dass er es für einen Scherz hält, Leute zu erschrecken. Die Folgen für die Opfer sind oftmals alles andere als spaßig", sagte etwa der rheinland-pfälzische Innenminister Roger Lewentz (SPD).

Er bezeichnete die Maskierten als "Spinner" und deren Verhalten als "abstoßendes Phänomen". Mecklenburg-Vorpommerns Innenminister Lorenz Caffier (CDU) äußerte sich besorgt: "Es ist nur eine Frage der Zeit, bis diese Aktionen zu einer Riesen-Katastrophe führen und Personen ernsthaft verletzt werden."© dpa