(miwa/cze/dpa) Wer ist die mächtigste Frau der Welt? Dieser Frage ging das "Forbes"-Magazin nach.

Die Liste der 100 einflussreichsten Frauen erscheint 2008 erst zum fünften Mal - bis vor einigen Jahren gab es lediglich eine Rangfolge der wichtigsten Männer weltweit. Das Ranking enthält 23 Politikerinnen, 54 Managerinnen sowie Vertreterinnen aus der Medienbranche und von gemeinnützigen Organisationen. Fast die Hälfte der genannten Frauen stammen aus den USA.

Platz 2: Sheila Bair

Die demokratische US-Senatorin Hillary Clinton rutschte nach ihrer Niederlage im Vorwahlkampf um die US-Präsidentschaftskandidatur gegen Barack Obama von Rang 25 auf Rang 28 ab. Die neu gewählte argentinische Staatschefin Cristina Fernández de Kirchner landete auf Rang 13. Aber wer hat es in die Top Ten geschafft?

Lesen Sie auf den folgenden Seiten, wer die mächtigsten Frauen der Welt sind und wie "Forbes" die jeweilige Platzierung begründet. Den Anfang macht...

...Anne Mulcahy (Xerox), USA

Anne Mulcahy kann es sich auf die Fahnen schreiben, den US-amerikanischen Kopiererhersteller Xerox vor der Pleite gerettet zu haben. Im Juni dieses Jahres wurde sie von anderen Firmenbossen zur CEO des Jahres gewählt und spielt damit in einer Liga mit Bill Gates (Microsoft) und Jack Welch (General Electric). Um das Unternehmen auch in Zukunft konkurrenzfähig zu halten, legt sie unter anderem großen Wert auf die Entwicklung von umweltfreundlichen Technologien.

Platz 9: Anne Lauvergeon (Areva), Frankreich

Anne Lauvergeon ist Vorsitzende des Nuklearkonzerns Areva und musste in diesem Jahr schon bei zwei Zwischenfällen in französischen Kernkraftwerken ihre Führungsqualitäten unter Beweis stellen. Sie befindet sich in einer schwierigen Lage: Einerseits sieht sie sich mit wachsenden Zweifeln an der Sicherheit der Atomkraft konfrontiert. Andererseits führen steigende Strom- und Gaspreise aber auch dazu, dass dieser Form der Energiegewinnung große Bedeutung zukommt.

Platz 8: Ho Ching (Temasek Holdings), Singapur

Ho Ching ist nicht nur die Frau des Premierministers von Singapur, sondern auch die Geschäftsführerin der Temasek Holdings - der Holdinggesellschaft der Regierung Singapurs. Beim Kauf des thailändischen Telekommunikationsunternehmens Shin Corp durch Temasek kam es wegen Korruptionsvorwürfen zu Protesten in dem Land, als Konsequenz wurde sogar der dortige Premierminister gestürzt. Dennoch kann sich Ho Ching rühmen, aus einer lokal orientierten Firma einen der größten Investoren Asiens gemacht zu haben.

Platz 7: Condoleezza Rice (US-Außenministerin), USA

Die Regierung Bush liegt in ihren letzten Zügen, und die Außenministerin Condoleezza Rice will ihr Erbe sichern. An gleich drei Krisenherden versucht sie derzeit ihren Einfluss geltend zu machen: im Nahen Osten, in Nordkorea und im Iran. Zudem muss sie aber noch an anderen Fronten kämpfen: Der pakistanische Präsident Musharraf, enger Verbündeter im Antiterrorkampf, musste zurücktreten, das Verhältnis zu Russland verschlechtert sich, und ihr Ministerium steht wegen der "Blackwater"-Affäre unter Druck. Immerhin kann sie verbesserte Beziehungen zu Japan, China und Indien vorweisen.

Platz 6: Irene B. Rosenfeld (Kraft Foods), USA

Rosenfeld übernahm das Ruder beim Lebensmittelkonzern Kraft im Jahr 2006, und nach zwei harten Jahren zu Beginn trägt ihr Dreijahresplan erste Früchte. Im vergangenen Jahr hatte Kraft mit mehr als 21 Prozent das größte Wachstum seit 2001 vorzuweisen. Diese Entwicklung soll mit höheren Preisen, kleineren Portionen und überraschenden neuen Produktspielereien fortgesetzt werden. Großen Erfolg hatte das Unternehmen im vergangenen Jahr in China: Die neuen Oreo-Kekse mit weniger Zucker und einer länglichen, dünnen Form sorgten für mehr als eine Milliarde Dollar Einnahmen.

Platz 5: Cynthia Carroll (Anglo American), USA

Die US-Amerikanerin Cynthia Carroll fungiert seit 2006 als erste Frau und erste Nicht-Südafrikanerin als CEO des Bergbauriesen "Anglo American". Ihr größter Coup: Ein Deal für brasilianisches Eisenerz im Wert von 5,5 Milliarden Dollar. Zudem sitzt sie seit kurzem auch im Aufsichtsrat des Energiekonzerns BP.

Platz 4: Angela Braly (WellPoint), USA

Angela Braly übernahm im Juni 2007 die Leitung der US-amerikanischen Krankenversicherung WellPoint. Damit ist sie zwar eine der wenigen Frauen in dieser Branche, die es ganz nach oben geschafft haben. Doch sie verdiente im vergangenen Jahr immer noch 26 Millionen Dollar weniger als ihr männlicher Vorgänger. Bei allem Erfolg musste WellPoint im März allerdings die Geschäftsprognose revidieren, nachdem die Ausgaben höher lagen als gedacht. Zudem sieht sie sich mit dem Ärger von Angestellten konfrontiert, die aufgrund des sinkenden Aktienkurses rund 100 Millionen Dollar aus ihrem Pensionsfonds verloren.

Platz 3: Indra K. Nooyi (PepsiCo.), USA

Durch immer neue Produkte wie Vollkornmüsliriegel und kalorienreduzierte Lifestyle-Getränke für Sportler sowie durch Zukäufe versucht Indra K. Nooyi stetig, den 39-Milliarden-Dollar schweren Getränke- und Lebensmittelkonzern PepsiCo noch erfolgreicher zu machen. Derzeit setzt Nooyi auf Internationalisierung: Erst kürzlich wurden 1,4 Milliarden Dollar in 75 Prozent des russischen Saftgiganten Lebedyansky investiert.

Platz 2: Sheila C. Bair (Federal Deposit Insurance Corporation), USA

Auf dem Silberrang: Sheila Bair, die Chefin der Federal Deposit Insurance Corporation (FDIC), des Einlagensicherungsfonds der US-Banken. Derzeit hat sie alle Hände voll zu tun: Sie muss der Öffentlichkeit versichern, dass die Kreditinstitute des Landes trotz der Bankenkrise nicht vor dem Kollaps stehen. Doch die Insolvenz der kalifornischen Hypothekenbank IndyMac im Juli - der größte Bankrott eines Kreditinstituts in den letzten zwei Jahrzehnten - hat die Unsicherheit weiter verstärkt. Wenn sich die Krise weiter verschärft, muss Bair die Stärke zeigen, die sie auch schon an die Spitze der FDIC gebracht hat.

Platz 1: Angela Merkel (deutsche Bundeskanzlerin), Deutschland

Mit einem Bruttoinlandsprodukt von 3,3 Billionen Dollar ist Deutschland Europas größter Wirtschaftsstaat. Aufgrund der noch von Rot-Grün durchgesetzten Reformen sinkt die Arbeitslosigkeit - auch wenn der Konsumklimaindex gerade auf einem Fünfjahrestief ist. Merkel hat darüber hinaus ein späteres Rentenalter durchgesetzt, mehr Frauen in der Regierung und die staatlichen Zuschüsse für frischgebackene Eltern erhöht.

Auch vor kontroversen Entscheidungen schreckt sie nicht zurück: Sie empfing den Dalai Lama, verurteilte Simbabwes Robert Mugabe öffentlich und will angesichts des schwächelnden Dollars eine wichtigere Rolle für den Euro auf den weltweiten Finanzmärkten. Außerdem versucht sie, die Treibhaus-Emissionen in Deutschland vehement einzudämmen.

Die "Forbes"-Liste führt die CDU-Politikerin bereits zum dritten Mal in Folge an.

Können Sie die Platzierungen und Begründungen des "Forbes"-Magazins nachvollziehen? Wen halten Sie für die mächtigste Frau der Welt? Diskutieren Sie mit!