Nach der Ermordung eines Neunjährigen in Herne bei Bochum sucht die Polizei intensiv nach dem mutmaßlichen Täter. "Wir fahnden so lange, wie es nötig ist", sagte eine Sprecherin.

Der flüchtige Tatverdächtige Marcel H. soll den kleinen Nachbarsjungen umgebracht und Bilder davon ins Darknet gestellt haben. Das Kind war am Montagabend erstochen im Keller des 19-Jährigen in einer Arbeitersiedlung gefunden worden.

Das von der Polizei Bochum zur Verfügung gestellte Fahndungsfoto zeigt einen dringend tatverdächtigen 19-jährigen Mann aus Herne.

Marcel H. wird wie folgt beschrieben:

  • ca. 175 cm groß
  • sehr schlanke Statur
  • Brillenträger
  • kurze blonde Haare
  • vermutlich ist er mit einer Tarnhose und -weste bekleidet.

Aufgrund von Informationen aus dem sogenannten "Darknet" könne nicht ausgeschlossen werden, dass Marcel H. gewaltbereit reagiert, heißt es im Fahndungsaufruf der Polizei Bochum.

Aus diesem Grunde bittet die Polizei im Falle seines Antreffens um äußerste Vorsicht und umgehende Benachrichtigung über den Polizeinotruf 110.

Die zuständige Mordkommission hat unter der Rufnummer 0234 / 909-4244 ein Telefon für Hinweise zur Tat oder zum Aufenthaltsort von Marcel H. eingerichtet.

Hinweise auf mögliches weiteres Opfer

Die Ermittler gehen zudem Hinweisen auf ein mögliches weiteres Opfer des Tatverdächtigen Marcel H. nach.

Am Dienstag hatte sich nach Polizeiangaben jemand um 15:47 Uhr in einem Internet-Chat als der flüchtige Mörder des Neunjährigen ausgegeben und dort beschrieben, wie er ein "120 kg Biest bekämpft" habe. "Sie leistete mehr Widerstand als das Kind", heißt es in dem von den Ermittlern veröffentlichten Chattext.

Auch von Folter ist in dem Auszug die Rede, angeblich, um an Daten für Bank, Computer und Telefon zu kommen.

Die Polizei rief dazu auf, sich zu melden, falls im Umfeld eine Frau vermisst werde. "Wenn man dem Täter glaubt, müsste sich der Tatort dieses zweiten Verbrechens im Umkreis von 80 Kilometern um Herne befinden."

Die Ermittler schließen nicht aus, dass es sich bei der Tatbeschreibung um eine Falschmeldung handelt. "Aber die Gefahrenlage macht es nötig, das ernst zu nehmen."

Zudem seien weitere Bilder aufgetaucht, die womöglich dem gesuchten Marcel H. zuzuordnen sind.

Der Teenager war der Polizei vor der Tat in Herne nicht strafrechtlich aufgefallen. Der Flüchtige sei vermutlich mit Tarnweste und -hose bekleidet.

Nordrhein-Westfalens Innenminister Ralf Jäger (SPD) sagte, die in das Darknet eingestellten Aufnahmen machten "auch die Ermittler fassungslos".

Im abgeschotteten Darknet können sich Internetnutzer fast komplett anonym bewegen, daher wird es oft zu kriminellen Zwecken missbraucht.

Zeuge bringt Polizei auf die Spur, Entsetzen in Herne

Die Polizei war am Montag von einem Darknet-Nutzer alarmiert worden. Der Zeuge hatte gesehen, wie sich der ihm bekannte Marcel H. mit der Ermordung des Schülers brüstet, und er erkannte auch die Örtlichkeiten.

Im Keller von H. fanden Polizisten die Leiche des Neunjährigen, der mit seiner Familie direkt nebenan gewohnt hatte.

Nach ersten Erkenntnissen der Ermittler war er mit Messerstichen getötet worden. Das Ergebnis der Obduktion wird am Mittwoch erwartet.

Marcel H. ist den Angaben zufolge klar erkennbar auf dem Material im Darknet sowie auf Bildern, die inzwischen auch in normal zugänglichen Internetbereichen zu sehen seien.

Er sei mit blutigen Händen neben der Leiche zu erkennen. Was ihn zu der Tat getrieben haben könnte, wollte ein Polizeisprecher aus ermittlungstaktischen Gründen nicht sagen. H. habe auch Gedanken an einen Suizid angedeutet.

In der Ruhrgebietsstadt Herne herrscht große Betroffenheit. Mit Stofftieren, Kerzen, Blumen und Bildern bekunden Menschen ihre Anteilnahme am Tod des Jungen.

Im Vorgarten der Häuser einer Arbeitersiedlung brannten am Mittwochmorgen noch mehr Kerzen als schon am Vorabend. (dpa/miwo)