Eine Lokalzeitung erhebt schwere Anschuldigungen gegen die Tiroler Polizei: Diese hätte die Spuren im Mordfall Lucile K. nicht konsequent genug ausgewertet. Ermittler aus beiden Ländern wehren sich gegen die Kritik.

Im Fall von Lucile K. und der getöteten Joggerin aus Endingen, Carolin G., sind Vorwürfe aufgetaucht, die Tiroler Ermittler hätten Fehler gemacht. Veröffentlicht wurden sie von der "Badischen Zeitung".

Die Vorwürfe richten sich gegen das Landeskriminalamt Innsbruck. Der Zeitung zufolge hätte der Mord an Carolin G., die wohl vom selben Täter getötet wurde, verhindert werden können - hätten die Tiroler die Spuren aus 2014 "konsequenter ausgewertet".

Im Zentrum des Berichts steht die Frage, warum die Tiroler Kriminalisten drei Jahre lang nicht herausfanden, dass die Hubstange, mit der Lucile K. im Januar 2014 in Kufstein erschlagen wurde, von einem Lkw der Marke Iveco stammte. Erst die Freiburger Sonderkommission "Erle" hätte dies geklärt.

Handydaten verwiesen auf Täter

Am Wochenende des 12. Januar 2014 seien 13 Lastwagen dieser Marke in Kufstein unterwegs gewesen, schreibt die "Badische Zeitung". Das habe die Auswertung der Mautdaten ergeben, die die Staatsanwaltschaft Innsbruck den deutschen Ermittlern zur Verfügung gestellt hatte.

In Freiburg seien die Fahrer der 13 Lkw ausfindig gemacht worden. Noch ehe die Speichelprobe angeordnet wurde, die Catalin C. letztlich als Täter überführte, sei bereits aufgefallen, dass das Handy eines der Fahrer am 6. November 2016 im Funknetz von Endingen eingeloggt gewesen war - laut "Badischer Zeitung" der Durchbruch im Fall.

Ermittler wehren sich gegen Kritik

Sowohl die deutschen als auch die österreichischen Ermittler lassen die Anschuldigungen nicht gelten. "Die Vorwürfe sind aus der Luft gegriffen, unsere Arbeit war entscheidend für die Klärung beider Mordfälle", sagte Walter Pupp, Leiter des Landeskriminalamtes in Innsbruck, der "Tiroler Tageszeitung" (TT).

"Sowohl die Tiroler als auch die deutsche Polizei hätten jeder für sich nicht erfolgreich sein können. Die Festnahme war eine Folge der Zusammenarbeit", ist sich Pupp sicher.

Deutsche stellen sich hinter Österreicher

Richard Kerber, Leiter der Sonderkommission in Endingen, sagte, die Tiroler hätten "von dort wurde alles gemacht, was möglich war."

Der Freiburger Oberstaatsanwalt Michael Mächtel betonte die "hervorragende Zusammenarbeit mit den österreichischen Behörden". Immerhin habe die Tiroler Polizei die Tatwaffe 2014 aus dem Inn gefischt – "eine reife Leistung".

Die Hubstange sei ein "wichtiges Puzzlestück" zur Klärung der beiden Morde gewesen, sagte Dirk Klose von der Pressestelle der Freiburger Polizei der TT. Ohne die Kollegen aus Tirol hätte dieses gefehlt - auch wenn erst die Ermittlungen zur Herkunft der Hubststange zu den 13 Iveco-Lkw geführt hätten

Gibt es noch mehr Opfer?

Der vergangene Woche festgenommene Catalin C. bestreitet weiter, für die Gewalttaten verantwortlich zu sein. Die deutschen und rumänischen Behörden gehen nun der Frage nach, ob es noch mehr Opfer gibt.

Der Fall einer 27-jährigen Rumänin weist Parallelen mit den Morden an Lucile K. und Carolin G. auf. Die Frau war am 20. Mai 2004 verschwunden. Ihre Leiche wurde wenig später in einem Wald entdeckt. Sie war vergewaltigt und erwürgt worden. Catalin C. stammt aus der Gegend und hat zu der Zeit dort gelebt. (ank)