Immer wieder kursieren die wildesten Verschwörungstheorien im Fall der Natascha Kampusch. Auch der Selbstmord von Wolfgang Priklopil wird angezweifelt. Doch nun ist es ein offizielles Gutachten, das die bisherige Todesursache des Entführers erstmals in Frage gestellt.

"Aufgrund der Verletzungen von Priklopil, der Position der Leiche und der Funktionsweise des Zuges ist es unmöglich, dass Priklopil Selbstmord begangen hat", sagt Karl Kröll der "Österreich"-Zeitung. Kröll ist der Bruder eines unter seltsamen Umständen verstorbenen Hauptermittlers. Seine Aussage stützt sich auf ein neues Sachverständigen-Gutachten, das diese Woche veröffentlicht werden soll.

Auch der BZÖ-Abgeordnete Ewald Stadler stößt nach Angaben der Zeitung in dieselbe Richtung. In einem Brief an Innenministerin Johanna Mikl-Leitner heißt es: "So, wie die Leiche liegt, stimmt nicht, was im Akt steht." In seinen Augen spiele vor allem der Zugbegleiter, der die Leiche fand, eine zentrale Rolle: "Der Zugbegleiter wurde im Ermittlungsverfahren nie vernommen, insbesondere auch nicht darüber, ob ihm heftiger Blutaustritt aus dem Leichenhals aufgefallen ist."

Das Mordgerücht ist nicht neu. Schon 2009 bezeichnete der damalige Chefermittler Franz Kröll, den Selbstmord Priklopils als "inszeniert". Als Indiz wertete der Leiter der SOKO Kampusch die Auffindesituation der Leiche.

Nach offizieller Darstellung hatte sich Wolfgang Priklopil am 23. August 2006 vor eine S-Bahn gelegt. Der Nachrichtentechniker hatte 1998 die damals zehnjährige Natascha Kampusch entführt und acht Jahre lang in seinem Haus bei Wien gefangen gehalten.

(kom)