München (kle) - Acht Jahre lang war Entführungsopfer Natascha Kampusch eingesperrt. Um die Erfahrungen zu verarbeiten, schrieb sie ein Buch über ihr Martyrium. Viele Menschen hatten Mitleid mit der heute 23-jährigen Frau. Doch was sie nun über ihre Eltern auspackt, dürfte ihr wenige Freunde machen.

Ihre Eltern seien nicht bereit gewesen, Verantwortung für sie zu übernehmen, sagte Kampusch der italienischen Zeitung "Corriere della Sera". Nicht die Eltern hätten für sie gesorgt, sondern sie habe vielmehr den Eindruck gehabt, sie müsse Verantwortung für ihren Vater und ihre Mutter übernehmen. Doch schlimmer noch: An ihrem Vater lässt sie kein gutes Haar. "Mein Vater ist so unreif. Er ist in einem Entwicklungsstadium steckengeblieben, das nicht meinem entspricht", soll sie der Zeitung gesagt haben.

Dass sie nach ihrem dramatischen Leben ihre Eltern erst neu kennenlernen musste, leuchtet ein. Dennoch überraschen Sätze wie dieser: "Heute muss ich aber an mich denken. Deshalb versuche ich jetzt, eine Grenze zu anderen Menschen zu ziehen." Dass sie damit gerade den Personen einen Schlag ins Gesicht verpasst, die sie wohl am meisten lieben, scheint Kampusch nicht klar zu sein.