(af/ak) - Sie wollen einfach nicht verstummen, die Zweifel an der offiziellen Theorie, dass Wolfgang Priklopil der einzige Verbrecher im Entführungsdrama Natascha Kampusch war. Seit langem schwelende Spekulationen um einen Mittäter heizt nun jemand an, der Einsicht in sämtliche Akten und Dokumente hat, die es zu dem Fall gibt: der Vorsitzende des parlamentarischen Geheimausschusses, Werner Amon.

"Aus meiner Sicht ist eine Einzeltätertheorie nur schwer aufrechtzuerhalten", sagte Amon (ÖVP) zu "Spiegel Online". "Zum ersten Mal liegen uns sämtliche Kampusch-Akten sowie alle Bild- und Tondokumente vor, darunter auch Material, das dem früheren Ermittlungsausschuss des Innenministeriums nicht zur Verfügung stand."

Womöglich kein Selbstmord Priklopils

Zu diesen Dokumenten gehört etwa ein Foto der Leiche des Täters, das Zweifel an Priklopils Selbstmord aufkommen lässt: Der Körper ist darauf nahezu unversehrt zu sehen - sehr ungewöhnlich für einen Selbstmörder, der sich vor einen Zug geworfen haben soll. Dies legt den Verdacht nahe, dass jemand ihm bei seinem angeblichen Suizid geholfen oder ihn sogar getötet hat.

Auch soll der Bahnangestellte, der den Toten fand, nie befragt worden sein. Und: Es gab nie eine Obduktion. Stark bezweifelt wird auch die Echtheit des Abschiedsbriefes, den Priklopil hinterlassen haben soll und der nur ein Wort enthält: "Mama". Wurde dieser Brief gefälscht? Als möglicher zweiter Täter wird immer wieder Priklopils Freund Ernst H. gehandelt, für den die Unschuldsvermutung gilt und der sich derzeit nicht zu dem Fall äußern will.

Ermittelt bald das FBI?

Die seit Monaten tätige Kommission um Amon wird ihre Ergebnisse voraussichtlich Ende März präsentieren. Auf "Spiegel Online" betont der ÖVP-Abgeordnete, dass er kein Anhänger von Verschwörungstheorien sei, aber "es gibt ein dickes Dossier über unterlassene Ermittlungsschritte. Die volle Wahrheit muss nun ans Licht."

Nach Informationen von "krone.at" sollen dabei sogar Experten des FBI und des deutschen Kriminalamtes behilflich sein, indem sie die Spuren und Indizien neu bewerten. Das würde bedeuten: Der Fall wird komplett neu aufgerollt, und die Causa Kampusch kommt noch lange nicht zur Ruhe.