Journalisten des "Falter" haben ihre Recherchen in Burschenschaften fortgesetzt und nach eigenen Angaben ein antisemitisches Liederbuch in einer Burschenschaft entdeckt, deren Vorsitzender für den FPÖ-Minister Norbert Hofer arbeitet. Hofer nahm ihn nach dem Bericht in Schutz.

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Ein weiteres antisemitisches Liederbuch soll laut "Falter" in einer von einem FPÖ-Funktionär geleiteten Burschenschaft aufgetaucht sein.

In mehreren Liedtexten des Buchs aus der schlagenden Wiener Burschenschaft Bruna Sudetia gebe es judenfeindliche Zeilen, berichtet der "Falter". Vorsitzender sei Herwig Götschober, ein Pressereferent im Team von Verkehrsminister Norbert Hofer (FPÖ).

Aus dem Ministerium hieß es dazu, Götschober kenne das Liederbuch nicht. Sein Exemplar weise weder im Inhalt noch in der Grafik Ähnlichkeiten zu dem vom Magazin angeführten Buch auf.

Götschober ist im Kabinett von Hofer für die Social-Media-Agenden zuständig und kommunalpolitisch für die FPÖ in Wien aktiv.

Burschenschaft prüft rechtliche Schritte

Auch Vertreter der Burschenschaft meldeten sich zu Wort und wies die Vorwürfe "mit aller Vehemenz" zurück. Die aufgetauchten antisemitischen Lieder "werden von der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia kategorisch abgelehnt", hieß es in der Stellungnahme.

In den Räumen der Verbindung habe man kein Buch finden können, "das jenem ähnelt, das der 'Falter' mit der akademischen Burschenschaft Bruna Sudetia in Verbindung bringen möchte". Lediglich Ausgaben der tatsächlichen Liedersammlung der Burschenschaft sowie des "Allgemeinen Deutschen Kommersbuchs" seien vorhanden.

Man prüfe rechtliche Schritte "gegen die diffamierende Berichterstattung" sowie gegen Unbekannt wegen Verleumdung und auch Weitergabe des Liederbuchs.

Zitate aus dem Buch

Laut "Falter" liegt das Buch der Redaktion vor, in dem keine einzige Zeile geschwärzt sei. Darin finden sich angeblich unter anderem Textzeilen:

  • "Da trat in ihre Mitte der Jude Ben Gurion: ,Gebt Gas, ihr alten Germanen, wir schaffen die siebte Million'". Die Zeilen beziehen sich auf den Massenmord an den Juden.
  • "Zwei Juden schwammen einst im Nil, den einen fraß das Krokodil, den anderen hat es nur angeglotzt, da hätt' es den ersten fast ausgekotzt".
  • "... noch ist Deutschland dreigeteilt", "Es lebe hoch Deutsch-Österreich, mit ihm das ganze Deutsche Reich"

Norbert Hofer nimmt Mitarbeiter in Schutz

Hofer will nach Veröffentlichung des Berichts nun wissen, woher das Buch stammt. Er sagt, im Buch seines Mitarbeiters, das dieser ihm gezeigt habe, kämen besagte Texte nicht vor, sagte er im Ö1-Morgenjournal.

Der Austria Presse Agentur liegt ein Scan der "Liedertexte" der Bruna Sudetia vor, die sich tatsächlich von der Version unterscheidet, auf die der "Falter" sich bezieht.

Udo Landbauer trat zurück

Im Januar hatte der FPÖ-Spitzenpolitiker Udo Landbauer für Schlagzeilen gesorgt, da in seiner Burschenschaft ein antisemitischer Liedtext kursierte. Landbauer hat alle Vorwürfe zurückgewiesen, aber sein Landtagsmandat nicht angenommen.

Die FPÖ hat inzwischen eine Historikerkommission auf den Weg gebracht, die die Geschichte der Partei kritisch auf eine etwaige Nähe zum nationalsozialistischen Gedankengut untersuchen soll.

Die Kommission werde sich wohl auch mit den FPÖ-nahen Burschenschaften befassen, hieß es. (dpa/af)  © dpa

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