(vm/ae/mac) - Wenn sich die Zeitungen mit allerlei Skurrilitäten zu füllen beginnen - vornehmlich mit entlaufenen wilden Tieren und unsinnigen Politikerforderungen - dann ist es mal wieder so weit: Die mediale "Sauregurkenzeit" ist angebrochen - das Sommerloch ist da!

Alljährlich im Sommer - und immer öfter auch zu anderen Jahreszeiten - sucht es die Medienwelt heim und bringt Journalisten im ganzen Land in Zugzwang: Denn worüber soll man bloß schreiben, wenn an der Nachrichtenfront dank politischer und allgemeiner Sommerpause so gar nichts Berichtenswertes passiert? Die unausweichliche Konsequenz: Die kuriosesten Begebenheiten und die abstrusesten Ideen von Hinterbänkler-Politikern sind mit einem Mal eine Schlagzeile wert und werden zu langen Artikeln aufgebauscht.

Aktuell begibt man sich so auf die medial ausgeschlachtete Suche nach einem Krokodil, das angeblich in einem bayrischen Badesee bei Schwandorf gesehen worden ist. Aber auch in der Vergangenheit gab es ganz große Geschichten während des "Sommerlochs". Beispielsweise versetzte mal ein extrem gefährlicher "Killer-Kaiman" namens Sammy die Anwohner eines Baggersees bei Dormagen in Angst und Schrecken. Ein unheimlich wichtiger Politiker der CSU hatte einst eine geniale Idee, die der Deutschen liebste Ferieninsel betraf. Und auch die neu entdeckten Verwandtschaftsbeziehungen eines ehemaligen deutschen Regierungschefs sorgten schon für allerlei Furore.

Was alle Sommerlochgeschichten gemeinsam haben, ist, dass sie über einen hohen Unterhaltungswert gepaart mit inhaltlicher Irrelevanz verfügen. Auf den nächsten Seiten haben wir Ihnen deshalb einige der skurrilsten und unterhaltsamsten Sommerlochgeschichten der letzten zwanzig Jahre zusammengestellt. Für diejenigen, die gerne einmal hautnah ein echtes Sommerloch erleben möchten, empfiehlt sich übrigens ein sommerlicher Ausflug nach Rheinland-Pfalz - in das nicht weit von Mainz entfernte 450-Seelen-Dorf Sommerloch.

Yvonne und Schwani verzücken die Medien

Im Sommer 2011 sorgte eine Kuh namens Yvonne für ein Rauschen im Blätterwald. Kurz bevor ein Bauer sie zu einem Schlachter bringen wollte, entkam das Fleckenvieh und blieb drei Monate in den oberbayrischen Wäldern flüchtig. Tierschützer machten sich stark für sie, ein kurzer Sichtkontakt zu einem Polizeiauto und schließlich dann ein Schuss aus dem Betäubungsgewehr waren die Zutaten ihrer Geschichte. Das Happy-End: Jetzt lebt sie auf dem Tiergnadenhof Gut Aiderbichl. Kurzfristig war sie dieses Jahr als EM-Orakel tätig. Doch hier sorgte sie für weniger Aufsehen. Schon mit ihrem Premieren-Tipp, Deutschland verliert gegen Portugal, lag sie daneben. So wurde es dann doch nix mit der zweiten Karriere.

Schwani, ein Höckerschwan aus dem Münsterland, sorgte im gleichen Jahr wie Yvonne für Schlagzeilen. Das Federvieh verliebte sich in einen Traktor und folgte ihm, sobald der Motor lief. Doch diese Liebe, die leider nur einseitig gepflegt wurde, währte dann doch nicht so lange. Als eine attraktive Gans daher kam, war der Traktor vergessen und Schwani fand doch noch sein Glück.

Petra und das Tretboot

Im Jahr 2006 sorgte ein weiterer Schwan für große Gefühle in den Sommermonaten: Petra, ein Trauerschwan auf dem Aasee im westfälischen Münster. Das Objekt der Begierde war ein weißes Tretboot in Schwanenform, dem sie nicht von der Seite wich. Neben zahlreichen Zeitungen berichteten sogar japanische und US-amerikanische Fernsehsender über diese Liaison. Als es kälter wurde, musste das Paar im November in den Zoo umgesiedelt werden. Am 9. November begleiteten 23 Medienvertreter das Weltereignis, im März 2007, bei der Rückführung auf den See, waren es fast genauso viele. Es folgte ein weiterer romantischer Sommer auf dem See. Im Dezember 2007 tauchte plötzlich Höckerschwan Paul im Winterquartier auf dem Zooteich auf und es kam zu einer Ménage à trois; doch im März 2008 verließ Paul im Winterquartier die traute Dreisamkeit. Im folgenden Jahr blieb Petra verschwunden und ward nicht mehr gesehen.

Monster aus der Tiefe

Eine äußerst beliebte und immer wiederkehrende Sommerlochmär ist die vom gefährlichen Monster aus der Tiefe - ganz nach dem Vorbild des legendären Ungeheuers von Loch Ness. Haarsträubende Geschichten von reptilienartigen Bestien, die sich in den dunklen Tiefen unserer Seen und Flüsse verstecken und mit Vorliebe Jagd auf niedliche Entlein und kläffende Dackel machen, sind dabei besonders populär. Paradebeispiele hierfür sind der entlaufene Brillenkaiman Sammy, der Welpen fressende "Killerwels Kuno", das so genannte "Rheinkrokodil" und das aktuell gesuchte Krokodil in einem Badesee bei Schwandorf.

Der Kaiman Sammy war seinem Herrchen im Juli 1994 von der Hundeleine entwischt und im Dormagener Baggersee untergetaucht. Die Suche nach dem 80 Zentimeter großen "Killer-Kaiman" gestaltete sich trotz eines großen Polizeiaufgebots schwierig und sorgte tagelang für Schlagzeilen. Als das verängstigte Tierchen nach fünf Tagen endlich dingfest gemacht werden konnte, atmete die ganze Nation sichtlich erleichtert auf. Die Jagd auf ein im Sommer 2001 angeblich im Rhein gesichtetes Krokodil verlief ähnlich spektakulär aber weitaus weniger erfolgreich - das Reptil wurde nie gefangen und ward nie mehr gesehen. Und auch "Killerwels Kuno", der wenige Wochen später im Weiher von Mönchengladbach Welpen fressend sein Unwesen getrieben haben soll, entging seinen Häschern - erst zwei Jahre später wurde der 1,50 Meter lange und 35 Kilo schwere Wels tot im Weiher aufgefunden. Die Geschichte des in diesem Sommer gesuchten Krokodils in einem bayerischen Badesee ist noch im vollen Gange und hält uns weiterhin auf Trab.

Die Mallorca-Idee

Mit einer der abstrusesten Ideen aller Zeiten sorgte der CSU-Politiker Dionys Jobst im Jahr 1993 für das Sommerlochthema schlechthin: Im Gespräch mit einem Reporter der "Bild"-Zeitung äußerte der damalige Bundestagsabgeordnete den Vorschlag, Deutschland solle Mallorca - der Deutschen liebste Ferieninsel - zum Preis von 50 Milliarden Mark kaufen und zum 17. Bundesland erklären. Als neuen Namen für die Hauptstadt der eingemeindeten Mittelmeerinsel schlug Jobst Palmenhausen vor.

Die "Bild"-Zeitung griff Jobsts Idee begeistert auf und wandelte sie prompt zur Schlagzeile des Sommers um: "Verrücktester Vorschlag aus Bonn – Mallorca soll deutsch werden. Erbpacht auf 99 Jahre. Palma heißt dann Palmenhausen." Eine Welle der Empörung rollte daraufhin durch Europa - vor allem Spanien war wenig begeistert vom Ansinnen Jobsts. Dieser beteuert heute übrigens, dass er damals lediglich einen Scherz gemacht habe. Dass ihn dieser Scherz kurzzeitig berühmt und langfristig zum unumstrittenen "König des Sommerlochs" machte, steht außer Frage. Heute lebt er als Pensionär in seiner Geburtsstadt Teublitz.

"One Windel, one vote"

Mindestens ebenso unsinnig wie Jobsts Idee der Eingemeindung Mallorcas - dafür aber bitterernst gemeint - war die Forderung, die die SPD-Politikerin Lore Maria Peschel-Gutzeit im Sommer 1997 stellte. Die damalige Berliner Justizsenatorin setzte sich mithilfe eines Aufsatzes in einer juristischen Fachzeitschrift sowie via Sommerloch-Berichterstattung für die Einführung eines Wahlrechts für Kinder ein - getreu dem in den USA formulierten verfassungsrechtlichen Prinzip "One man, one vote".

Peschel-Gutzeit argumentierte folgendermaßen: Da das Wahlrecht zu den verbürgten Grundrechten des Menschen gehöre, müsse es auch von Geburt an gelten. Solange die Kinder nicht in der Lage seien, selbst zu wählen, sollten sie von den Eltern vertreten werden - diese sollten folglich pro Kind einen weiteren Stimmzettel ausfüllen dürfen. Die "tageszeitung" veralberte Peschel-Gutzeits Idee bald als "One Windel, one vote", und auch von politischer Seite kam wenig Unterstützung. Dass sie nicht nur für abstruse Geschichten gut ist, bewies ihre Beharrlichkeit in der Frage der Gleichberechtigung von Mann und Frau. In der sogenannten Lex Peschel wurde festgeschrieben, dass auch Beamtinnen ein Recht auf Teilzeitarbeit aus familiären Gründen haben. Im Jahr 2001 kehrte Peschel-Gutzeit der Politik den Rücken und arbeitet derzeit als Anwältin für Familienrecht in Berlin.

Der "Moaschendroahtzauun"

Ein im Herbst 1999 vor laufender Kamera ausgetragener Streit unter Nachbarn diente Stefan Raab im Jahr 2000 als Inspirationsquelle für einen Nummer-Eins-Hit und sorgte daraufhin wochenlang für jede Menge Schlagzeilen: In der damaligen Sat.1-Gerichtsshow "Ein Fall für Barbara Salesch" hatte die Vogtländerin Regina Zindler ihrem Nachbarn Gerd Trommer in breitestem Sächsisch vorgeworfen, dass sein Knallerbsenstrauch ihren "Moaschendroahtzauun" zerstöre. Raab griff das zentrale Wort begeistert auf und baute es flugs im Original-Ton in einen englischsprachigen Countrysong ein.

Geboren war der Sommerhit des Jahres 2000 - das Lied verkaufte sich rund eine Million Mal und führte zeitweise sowohl in Deutschland als auch in Österreich die Charts an. Der Song gewann 1 Mal Gold und 2 Mal Platin. Doch damit nicht genug: Auch Regina Zindler verhalf das Lied mit einem Schlag einerseits zu Reichtum und andererseits zu zweifelhaftem Ruhm. Denn von Raab erhielt Zindler zwar einen Anteil von 10 Pfennig pro verkaufte Single. Zu ihrem Leidwesen wurde ihr Haus im sächsischen Auerbach jedoch auch bald von Fans belagert, die selbst vor der Souvenirjagd nach Teilen des legendären Maschendrahtzauns nicht Halt machten. Zindler verkaufte schließlich entnervt ihr Haus samt Zaun und zog in einen Berliner Plattenbau um.

Schröder und die Ost-Cousinen

Eine private deutsch-deutsche Wiedervereinigung erwärmte im Sommer 2001 medienwirksam die Herzen der deutschen Bevölkerung: Der damalige Bundeskanzler Gerhard Schröder erfuhr überraschend von der Existenz zweier Cousinen im thüringischen Eisenach. Seine Schwester Gunhild Kamp-Schröder war bei Nachforschungen zum Grab des im Zweiten Weltkrieg gefallenen Vaters Fritz auf dessen Bruder Kurt und seine Töchter Heidelinde Munkewitz und Inge Siegel gestoßen. Da war die Freude im Kanzleramt natürlich groß.

Das erste Treffen im trauten Familienkreis fand im Mai 2001 in Gera statt. Wenige Wochen später folgte der Gegenbesuch der beiden Ost-Cousinen in Berlin. Die Thüringerinnen kamen nebst 50-köpfiger Reisegruppe aus Eisenach angereist, durchliefen das obligatorische Hauptstadt-Sightseeing und fanden sich anschließend zum familiären Kaffeeklatsch im Kanzleramt ein. Dass diese mediengerecht inszenierte Familienzusammenführung im Sommerloch den perfekten Stoff für allerlei unterhaltsame Schlagzeilen bot, ist klar. Und so mitten im Wahlkampf hatte sich der Rummel um des Kanzlers neue Ost-Verwandtschaft zweifellos auch positiv auf dessen Ansehen in den neuen Bundesländern ausgewirkt.

Balkonien statt Italien

Zwei Jahre nach der herzergreifend inszenierten ersten Begegnung Schröders mit seinen Ost-Cousinen war es abermals unser damaliger Regierungschef, der die Schlagzeilen des Sommerlochs beherrschte. Im Jahrhundertsommer des Jahres 2003 war es die Diskussion um Schröders geplanten Italienurlaub, welche die von Rekordtemperaturen ohnehin schon kochenden Gemüter noch zusätzlich erhitzte. Der Grund: Eine deutschenfeindliche Aussage des italienischen Tourismus-Staatssekretärs Stefano Stefani.

Stefani - ein Mitglied der rechtspopulistischen Partei Lega Nord - hatte die Deutschen in einem Beitrag für die Parteizeitung "La Padania" als "diese einförmigen, supernationalistischen Blonden", die alljährlich "lärmend über unsere Strände herfallen", bezeichnet. Eine derartige Beleidigung durfte natürlich auf keinen Fall hingenommen werden. Als eine Entschuldigung seitens Stefanis und der italienischen Regierung zunächst ausblieb, zog Schröder die Konsequenz: Er sagte seinen Urlaub in Italien ab und verbrachte ihn stattdessen im heimischen Hannover - sehr zur Enttäuschung seiner Cousinen, die ihn ersatzweise auch nach Eisenach eingeladen hatten. Dabei war Stefani 20 Jahre mit einer Deutschen verheiratet und entschuldigte sich später dann doch via "Bild"-Zeitung und reichte seinen Rücktritt ein.

Papst Benedikt XVI. Superstar

Als der aus Bayern stammende Kardinal Joseph Ratzinger im April 2005 zum neuen Oberhaupt der katholischen Kirche gewählt wurde, titelte die "Bild"-Zeitung voller Euphorie "Wir sind Papst!". Als sich der neu gekürte Superstar Benedikt XVI. dann am 24. Juni im dunklen Cabriolet und mit einer Sonnenbrille auf der Nase zu seinem ersten Staatsbesuch im römischen Quirinalpalast - dem Amtssitz des italienischen Präsidenten - kutschieren ließ, war das in der nachrichtenarmen Sommerzeit zweifellos ebenfalls eine Meldung wert.

Das Bild vom Sonnenbrille tragenden Papst ging daraufhin schnell um die Welt. Der Name des vor der gefährlichen UV-Strahlung schützenden Accessoires war auch bald bekannt: Es handelte sich angeblich um eine topmoderne Sonnenbrille der Marke Serengeti-Bushnell. Seither sorgte "Papa Ratzi", wie die "Bild"-Zeitung ihn taufte, mit der Wahl seiner Kleider immer wieder für Furore - sei es mit seinen knallroten Prada-Schuhen oder mit seinen variierenden Kopfbedeckungen. Der Beliebtheit des frisch gebackenen Kirchenoberhauptes tat dies allerdings keinen Abbruch: Begeistert jubelten die Massen ihrem neuen katholischen Idol bei seinem ersten Deutschlandbesuch im August 2005 zu.

"Problembär" Bruno

Im Sommer des Jahres 2006 war es zur Abwechslung mal wieder ein tierischer Held, diesmal mit großen Tatzen und braunem Zottelfell, der in Deutschland wochenlang für Furore sorgte. In den bayerischen Alpen war nämlich ab Ende Mai im wahrsten Sinne des Wortes der Bär los: JJ1, ein aus einem italienischen Naturpark stammender Braunbär, war den weiten Weg ins deutsch-österreichische Grenzgebiet gewandert, um dort Schafe reißend und Bienenstöcke ausraubend sein Unwesen zu treiben.

Der Volksmund taufte den herumstreunenden Bären bald auf den Namen Bruno. Bayerns damaliger Ministerpräsident Edmund Stoiber erklärte das Tier auf seine gewohnt eloquente Weise zum "Problembären". Und der ehemalige bayerische Umweltminister Werner Schnappauf gab Bruno schließlich trotz vehementer Proteste von Tierschützern nach mehreren vergeblichen Fangversuchen zum Abschuss frei. Als Bruno dann am 26. Juni nach fünfwöchiger Jagd tatsächlich erschossen wurde, löste das im ganzen Land Empörung aus. Eine Klage gegen die Genehmigung der bayerischen Regierung zum Abschuss Brunos wurde im Mai 2007 allerdings abgewiesen. Sein präparierter Kadaver ist seit dem 27. März 2008 im Schloss Nymphenburg im Museum Mensch und Natur ausgestellt.

Siesta Alemana

Als die Thermometer im Juli 2006 die höchsten Temperaturen seit Beginn der Wetteraufzeichnungen vor rund 100 Jahren anzeigten, brachte das zwei deutsche Politiker auf eine bahnbrechende Idee: Im heißesten Sommerloch aller Zeiten schlugen der Ex-SPD-Generalsekretär Klaus Uwe Benneter und der Grünen-Politiker Hans Christian Ströbele vor, eine mittägliche Siesta für Arbeitnehmer - ganz nach spanischem Vorbild - einzuführen. Dass Spanien selbst die verlängerte Mittagspause gerade erst wegen Produktivitätsverlusten abgeschafft hatte, schien die beiden dabei weniger zu interessieren.

Mit dem Argument, dass man sich auch in Mitteleuropa langfristig auf ein mediterranes Klima einstellen müsse, forderte Benneter für heiße Sommer die Einführung einer vierstündigen Siesta von 12 bis 16 Uhr. Ströbele pflichtete seinem Kollegen bei, begnügte sich aber mit der Forderung nach einer etwa zweistündigen Mittagspause. Diese sollte, so Ströbele, künftig jedes Jahr mit Beginn der Sommerzeit in Kraft treten. Die Idee der beiden progressiven Politiker wurde zwar sehr zum Leidwesen der schwitzenden Arbeitnehmer nicht umgesetzt, sorgte aber im Sommerloch wenn schon nicht für Abkühlung, so doch immerhin für etwas Unterhaltung.

Die Ehe auf Zeit

Die damalige skandalumwitterte bayerische Landrätin Gabriele Pauli machte im Sommer 2007 einen Vorschlag, der sie zwar nicht auf den ersehnten Stuhl der CSU-Parteivorsitzenden, dafür aber auf den Thron der Königin des Sommerlochs katapultierte. Denn mit ihrer unsinnigen Forderung, die Ehe auf Zeit einzuführen, bewies Pauli, die selbst zwei Scheidungen hinter sich hat, zweifelsohne mehr Kreativität und Einfallsreichtum als so manch anderer Politiker im Sommerloch.

Ihre Argumentation war aber auch wirklich bestechend. Jede zweite Ehe werde ohnehin geschieden. Und viele Ehepaare blieben, so Pauli, nur aus Angst vor finanziellen Nachteilen zusammen. In ihrem Wahlprogramm für den CSU-Vorsitz sprach sich die Politikerin deshalb für eine gesetzliche Begrenzung der Ehe auf sieben Jahre aus. Nach Ablauf dieser Frist solle es unter der Voraussetzung, dass beide Ehepartner zustimmen, möglich sein, beim Standesamt eine Verlängerung der Ehe zu beantragen. Bliebe diese Zustimmung aus, hätte das Ehepaar zumindest das Geld für den Scheidungsanwalt gespart. Paulis Idee passte natürlich so gar nicht ins Konzept der erzkonservativen CSU-Anhänger, die empört ihren Austritt aus der Partei forderten. Doch im Rest Deutschlands sorgte ihr Vorschlag zweifellos für jede Menge Heiterkeit.

Kleine Hecken und grelle Schlabbershirts

"Je kleiner die Hecke, desto größer das Haus" - Diese Aussage von Schauspieler Sky du Mont (65) erregte Anfang Juli 2011 die Gemüter. Er machte damit noch schlimmer, was seiner Frau Mirja (36) gegenüber der "Bild" herausgerutscht war. Nämlich, dass sie auf die Intimrasur ihres Gatten unbedingt Wert lege. Eine Information der Marke überflüssig, die zu anderen Zeiten vermutlich nur die echten Fans der Klatschspalten erreicht hätte, wäre da nicht das Sommerloch. Plötzlich diskutierte die ganze Öffentlichkeit über die haarigen Vorlieben der Promis und darüber, ob das überhaupt in der Öffentlichkeit diskutiert werden sollte.

Auch die Mode-Berichterstattung hatte in diesem Sommer eine gewisse Narrenfreiheit. Schwer im Sommerloch-Trend waren: Bauchfreie Schlabbershirts im Neonlook. Voll retro und angesagt. Auf den Straßen und in den Läden waren sie allerdings kaum zu sehen.

Ein prügelnder Pinkel-Prinz und knutschende B-Promis

Ins Sommerloch des Jahr 2000 pinkelte sich Prinz Ernst August von Hannover. Fröhlich urinierend fand die Presse den bereits als "Prügel-Prinzen" bekannten Gatten von Prinzessin Caroline am türkischen Pavillon der Weltausstellung in seiner Heimatstadt vor. Zuvor war er bereits dank eines Regenschirmangriffs auf einen Kameramann (1998) und eines gezielten Trittes gegen eine Redakteurin (1999) in die Schlagzeilen gekommen. Seither stänkert, pöbelt und prügelt der Pinkelprinz sich verlässlich in meist überhöhter Geschwindigkeit in jedes Sommerloch.

Für peinliche Promibilder in der warmen Jahreszeit sorgen auch immer wieder Menschen, die völlig talentfrei in die Öffentlichkeit geraten sind und auf nachlassendes Interesse selbiger ebenso talentfrei reagieren. So wie das damalige Dschungelpärchen-oder-nicht-Dschungelpärchen Indira und Jay Khan, die mittlerweile ängst wieder getrennt sind, ohne jemals wirklich zusammen gewesen zu sein. Oder Ex-Topmodel-Kandidatin Gina-Lisa Lohfink, die sich ihren Platz im Sommerloch sicherte, indem ihre Lippen zufällig auf denen der ebenfalls zufällig halbnackten und momentan recht erfolglosen Bailando-Bardin Loona landeten. Doch als Promo für die darauffolgende Single von Loona ist so eine Sommergeschichte nicht zu verachten.

Von Nudeln, Hüten und Kirchen

Auch der Wiener Unternehmer Niko Alm sorgte für einen "Sommerloch-Füller". Dem bekennenden Atheisten missfiel eine Bestimmung zur Erstellung des Führerscheins, nach welcher Kopfbedeckungen auf dem Passfoto "grundsätzlich nicht erlaubt sind, ausgenommen aus religiösen Gründen".

PR-Profi Alm provozierte die österreichischen Behörden, indem er sich mit Nudelsieb auf dem Kopf ablichten ließ und dem Foto die Begründung beifügte, er sei Anhänger der "Kirche des fliegenden Spaghetti-Monsters", die als Religionssatire tatsächlich bereits 2005 in den USA gegründet wurde. Er wurde zum Amtsarzt geladen, für "nicht verrückt" erklärt und bekam nach drei Jahren Wartezeit seinen Führerschein. Mit Nudelsieb-Foto. Über 3.800 Personen gefällt das auf Facebook, über 4.100 folgen Niko Alm bereits auf Twitter. Vermutlich doch zu viele Fans für ein reines Sommerloch-Thema.