Die Berliner Polizei will mit einem Rap-Video das Image schärfen und Brücken bauen, muss sich nun aber massive Kritik gefallen lassen. Und das liegt nicht an der künstlerischen Darbietung der Beamten.

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"KBNA - Füreinander da", so lautet der Titel des Rap-Songs, in dem Kiez-Kids aus dem Berliner Stadtteil Gesundbrunnen und Polizisten lyrisch aufeinander zugehen und per "High 5" die Hände reichen.

KBNA ist die Abkürzung für "Kiezbezogener Netzwerkaufbau". Der Verein hat sich der Sozialarbeit mit Jugendlichen verschrieben und wurde für sein gemeinnütziges Engagement bereits ausgezeichnet.

Auch die enge Kooperation mit der Berliner Polizei, der Abbau von Vorurteilen und Bedenken zwischen Beamten und Jugendlichen gehört zum Konzept. In diesem Kontext sollte auch das neue Video zu verstehen sein.

Sinnvolle Botschaften gegen den Hass

Die Botschaften darin sind leicht zu verstehen und durchaus sinnvoll. So heißt es etwa in einer Textpassage: "Wir sind alle gleich, keiner ist fremd, kein Hass - hier wird nur Liebe weiterverschenkt. Egal, ob klein oder groß, jung oder alt - glaub' mit, wir sorgen dafür, dass Fremdenhass ausstirbt."

Ein sonnenbebrillter Cop antwortet: "Ich arbeite für die Polizei - aber trotzdem kann ich auch Dein Homie sein. Wir machen Fußballturniere mit den Jugendlichen - so können wir alle Probleme im Guten schlichten."

Berliner Polizei rappt mit Jugendlichen

Berliner Polizei rappt mit Jugendlichen © YouTube

Nun aber wird dieses Video selbst zum Problem. Und das liegt keineswegs an den Textbotschaften oder gestenreichen Rapper-Attitüde der Beamten.

Unter der Schlagzeile "Rap der Berliner Polizei: Ein Video zum Fremdschämen" berichtet die "Berliner Zeitung", dass der Produzent des Musik-Clips, Tahsin Özkan, eine fragwürdige künstlerische Vergangenheit habe.

Im März 2016 hatte Özkan für den umstrittenen Frankfurter Rapper SadiQ ein Video zu dem Song "Charlie Hebdo" produziert. Das Lied wurde aufgrund seiner Textinhalte später von der Bundesprüfstelle für jugendgefährdende Medien auf den Index gesetzt.

Song von SadiQ zum Anschlag auf Charlie Hebdo

In dem Song wird der islamistische Anschlag auf das französische Satire-Magazin verherrlicht, bei dem am 7. Januar 2015 elf Menschen getötet worden waren.

Unter anderem heißt es in dem Song: "Komm mit der AK - Al-Qaida Slang. Schieße für Gaza, Guantanamo, Mali, ich baller mit Arabern - Pariser renn. [...] Ziel auf den Zeichner der Karikatur, verbrenne die Blätter der Charlie Cartoons, durchlöcher die Bullen am Pariser Turm."

SadiQ werden laut "Berliner Zeitung" Verbindungen in die islamistische Szene sowie zum salafistischen Hass-Prediger Pierre Vogel nachgesagt.

In einem Artikel der "Süddeutschen Zeitung" über die islamistische Rap-Szene vom Juli 2016, erklärte Verfassungsschützer Behnam Said allerdings, dass Rapper wie SadiQ "von der islamistischen Szene nicht ganz ernst genommen" würden, schließlich sei diese Art der Pop-Kultur in radikal-islamischen Kreisen verrufen.

Wenn, so der Experte, dann hätte die Szene versucht, Rapper aus der Musik herauszulösen und ganz für ihre Sache zu rekrutieren, wie im Fall des ehemaligen Berliner Rappers Deso Dogg, der später in den Reihen der Terrormiliz "Islamischer Staat" kämpfte und im Januar dieses Jahres in Syrien getötet worden sein soll.

Kritiker fragen dennoch, warum die Berliner Polizei für ihr Video mit Tahsin Özkan einen Produzenten engagierte, der bereits für SadiQ gearbeitet hat. Der Verein "Kiezbezogener Netzwerkaufbau" gab seinerseits an, nicht gewusst zu haben, dass Özkan das Video zu "Charlie Hebdo" produziert hatte. Man distanziere sich ausdrücklich davon.

Laut der Zeitung gebe es aber auch großen Unmut unter Berliner Polizisten, der eigenen Führung wird Naivität vorgeworfen.

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Tahsin Özkan entschuldigt und distanziert sich

Die "Berliner Zeitung" konfrontierte Özkan daraufhin mit den Umständen. "Ich distanziere mich voll und ganz von Gewalt und Islamismus", erklärte Özkan, der mittlerweile als Sozialarbeiter und Medienpädagoge tätig ist.

Er habe SadiQ eigentlich nicht richtig gekannt, nur zwei Mal getroffen. Er habe damals sehr viel produziert, aber den Auftrag für "Charlie Hebdo" anzunehmen, "war ein großer Fehler", betont er nun auf Nachfrage der Zeitung. "Das alles tut mir von Herzen leid."

Eine Begründung, Distanzierung und Entschuldigung, die der Berliner Polizeisprecher Thilo Cablitz laut "Berliner Zeitung" akzeptiert.

Man stehe hinter dem Musik-Projekt und dem aktuellen Video. Ähnlich äußert sich auch der KBNA-Vereinsvorsitzende Yousef Ayoub. Es gehe um Toleranz und präventive Arbeit im Bereich der Jugendkriminalität, so Ayoub. Dafür sei das neue Video ein guter Träger dieser Botschaft, mit der man auf diese Weise die Jugendlichen im Kiez auch erreichen würde.

Für weitere Rückfragen durch unsere Redaktion war der entsprechende Kontakt bei der Berliner Polizei am Mittwochmorgen telefonisch leider nicht erreichbar.

Verwendete Quelle:

  • Berliner Zeitung: Rap der Berliner Polizei - Ein Video zum Fremdschämen
  • Süddeutsche Zeitung: Dschihad-Pop
  • lyrics.az
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