Der Soldat, der vor der iranischen Botschaft in Wien angegriffen wurde, hatte großes Glück: Ohne seine Stichschutzweste würde er wohl nicht mehr leben.

Bei der Messerattacke auf einen Wachsoldaten vor der iranischen Botschaft in Wien hat nach Polizeiangaben eine Stichschutzweste dem Angegriffenen das Leben gerettet.

"Auf der Weste sind mehrere Einstiche zu sehen. Ohne diesen Schutz wäre er tot gewesen, hundertprozentig", sagte ein Polizeisprecher am Montag.

Der 23 Jahre alte Bundesheersoldat hatte nach dem vergeblichen Einsatz von Pfefferspray den Angreifer in der Nacht zum Montag mit mindestens vier Schüssen getötet.

Täter war 26 Jahre alter Österreicher

Beim Täter handelte es sich den Angaben zufolge um einen 26-jährigen Mann mit österreichischer Staatsbürgerschaft und Wohnsitz in Wien. Er verstarb an Ort und Stelle.

Rätselraten herrscht weiter über die Beweggründe für die Attacke. "Die Hintergründe der Tat sowie das Tatmotiv sind zum jetzigen Zeitpunkt noch völlig unklar und Gegenstand intensiver Ermittlungen durch das Landesamt für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung", so der Sprecher weiter.

Weder ein terroristischer Hintergrund noch sonstige Motive oder psychische Probleme könnten ausgeschlossen werden.

Bei dem angegriffenen Soldaten handele es sich um einen 1994 geborenen, in Wien wohnhaften Tiroler, sagte der Sprecher des österreichischen Verteidigungsministeriums, Michael Bauer.

Soldat erlitt schweren Schock

Der junge Soldat habe bei dem Angriff eine Schnittwunde am linken Oberarm davongetragen und sei mit einem schweren Schock ins Krankenhaus gebracht worden.

Laut Bauer handelte der Berufssoldat vorschriftsmäßig, indem er zunächst das Pfefferspray eingesetzt habe. Erst als das nichts gebracht habe, habe er zur Dienstwaffe gegriffen.

"Er hat aus jetziger Sicht alles richtig gemacht", sagte Bauer der Nachrichtenagentur APA.

Die Attacke ereignete sich, wenige Stunden bevor die österreichische Staats- und Regierungsspitze am Montag an den 80. Jahrestag des "Anschlusses" an Nazi-Deutschland erinnert. Beim Staatsakt in der Wiener Hofburg werden Bundespräsident Alexander Van der Bellen und Bundeskanzler Sebastian Kurz (ÖVP) sprechen.

Die Residenz des iranischen Botschafters​ befindet sich in der Villa Blaimschein. Das historische Gebäude in Wien war im Zweiten Weltkrieg von den Nationalsozialisten von den jüdischen Eigentümern beschlagnahmt worden. Es war einst Schauplatz von Verhandlungen für eine provisorische österreichische Staatsregierung.

Bei der Bewachung diplomatischer Einrichtungen in Österreich durch das Bundesheer ist Bauer zufolge jeweils ein Soldat vor dem Objekt postiert, ein zweiter normalerweise im Gebäude.

Im Fall der iranischen Residenz war der zweite Posten in der nächstgelegenen Polizeiinspektion untergebracht. Durchgeführt werde der Schutz solcher Gebäude ausschließlich von Berufssoldaten. Die Männer erhalten dafür eine spezielle Ausbildung und Einweisung durch die Polizei.

Zweiter Angriff innerhalb weniger Tage

Erst am vergangenen Mittwoch war bei einer Messerattacke auf offener Straße in Wien eine dreiköpfige österreichische Familie lebensgefährlich verletzt worden.

Der 23-Jährige mutmaßliche Täter nannte als Grund für seinen Angriff seine "schlechte, aggressive Stimmung". Der Mann sitzt mittlerweile in Untersuchungshaft. (dpa/ank)