Schwere Ausschreitungen in den USA: Niedergeschossener Jacob Blake soll gelähmt sein

Die Schüsse weißer Polizisten haben den Schwarzen Jacob Blake schwer verletzt. Wie es zu dem Vorfall in Kenosha, Wisconsin, kommen konnte, ist noch nicht endgültig geklärt. Zahlreiche Menschen der "Black Lives Matter"-Bewegung demonstrierten erneut. In der Nacht kam es zu heftigen Ausschreitungen.

Nach den Schüssen auf Jacob Blake ist es in Kenosha, Wisconsin, zu Protesten gekommen. Warum die Polizisten auf den Schwarzen geschossen hatten, ist noch nicht klar. Blake liegt laut seinem Anwalt auf der Intensivstation. Sein Vater sagte der "Chicago Sun Times", sein Sohn sei ab der Hüfte gelähmt. Die Ärzte wüssten aber noch nicht, ob die Verletzung permanent sei.
Die erneute Polizeigewalt – drei Monate nach dem Tod von George Floyd – löste heftige Proteste aus. Für viele US-Amerikaner ist sie ein weiterer Beweis für die Ungerechtigkeit im Land.
Die Beamten, die am Vorfall mit Blake beteiligt waren, wurden nach Angaben des zuständigen Justizministeriums beurlaubt.
Die Polizei setzte Tränengas gegen die Demonstranten in Kenosha ein.
In der Nacht von Montag auf Dienstag wurde eine Ausgangssperre verhängt. Aus dem Weißen Haus hieß es, Justizminister William Barr habe den Fall im Blick.
Während der Proteste wurden zahlreiche Autos, Gebäude und Gegenstände in Brand gesetzt. Selbst die Flagge war vor den Demonstranten nicht sicher.
Wisconsins Gouverneur Tony Evers erlaubte den Einsatz der Nationalgarde, um lokale Einsatzkräfte zu unterstützen.
Auf dem Plakat dieses Demonstranten steht: "Stop Police Violence Black Lives Matter" (zu Deutsch: "Stoppt Polizeigewalt, schwarze Leben zählen"). Ende Mai hatte der Tod des unbewaffneten Afroamerikaners George Floyd bei einem Polizeieinsatz in Minneapolis landesweite Proteste gegen Rassismus und Polizeigewalt ausgelöst.
Die Demonstranten hinterließen ein Bild der Zerstörung. Nicht nur einzelne Autos, sondern ganze Parkplätze wurden abgefackelt. Die Ermittlungen zum Fall von Jacob Blake laufen noch.
Auch in der Nacht zum Mittwoch kam es in Kenosha erneut zu chaotischen Szenen. Bei den Protesten am Dienstagabend starben zwei Demonstranten. Wie es zu den Todesfällen kommen konnte, ist bislang noch nicht geklärt.
Die Debatte um Polizeigewalt und rassistische Vorfälle spielt auch im US-Wahlkampf eine wichtige Rolle. Biden erklärte zum Vorfall in Kenosha: "Das Land wacht wieder einmal mit Trauer und Empörung darüber auf, dass ein weiterer schwarzer Amerikaner Opfer übermäßiger Gewalt geworden ist." (awa/dpa)