München (jfi) Der Hergang des Flugzeugabsturzes von Polens Präsident Lech Kaczynski ist laut einem Bericht der "Bild"-Zeitung weitgehend geklärt.

Aus Sicht der russisch-polnischen Untersuchungskommission geht der Absturz eindeutig auf einen Pilotenfehler zurück. Demnach habe sich das Unglück während des zweiten Landeanflugs ereignet. Wie das Blatt unter Berufung auf Kreise polnischer Ermittler berichtet, soll der Pilot vor dem tödlichen Landeversuch ein letztes Mal vom Tower gedrängt worden sein, durchzustarten und einen anderen Flughafen anzusteuern.

Der Pilot soll unmittelbar vor seinem zweiten und letztem Anflug jedoch erklärt haben: "Ich versuche es noch ein letztes Mal. Genügend Treibstoff haben wir, um notfalls nach Minsk oder Moskau auszuweichen." Dann geschah das Unglück.

Die Maschine soll nach Angaben von Ermittlern von Seitenwind erfasst und dadurch aus der Anflugschneise gedrückt worden sein. Der linke Flügel prallte dann offenbar mit einem Antennenmast zusammen. Die Maschine drehte sich um den Mast und kam um fast 90 Grad verdreht auf dem Boden auf. Dabei brachen nach den vorläufigen Ermittlungsergebnissen Vorder- und Hinterteil der Maschine ab. Im vorderen Teil saßen Lech Kaczynski und die Piloten - das würde das frühe Auffinden ihrer Leichen erklären. Der mittlere Teil der Tupolew ging vollständig in Kerosinflammen auf. Darin kamen die meisten Passagiere und vermutlich auch Präsidentengattin Maria Kaczynska ums Leben.

Die Zahl der Opfer hat sich unterdessen weiter erhöht: Nach neuen Angaben des russischen Zivilschutzministerium kamen bei dem Absturz insgesamt 97 Menschen ums Leben. Bisher waren die Behörden von 96 Toten ausgegangen. Bislang konnten erst 64 Tote eindeutig identifiziert werden.