In Deutschland hat sich jeder vierte Katholik von der Kirche entfremdet und denkt darüber nach, auszutreten. Zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie. Vor allem junge Katholiken sind unzufrieden.

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Vier von zehn Katholiken in Deutschland denken darüber nach, aus der Kirche auszutreten. Mehr oder weniger ausgeprägt spielen 41 Prozent der Kirchenmitglieder mit diesem Gedanken, wie eine für das Erzbistum München und Freising erstellte und am Dienstag vorgestellte Studie ergab.

Fest entschlossen zu einem Kirchenaustritt sind laut der Studie allerdings nur sieben Prozent der Katholiken. 13 Prozent der Befragten machen sich zwar Austrittsgedanken, sind aber noch unentschlossen. Weitere 21 Prozent der Kirchenmitglieder denken manchmal an einen Austritt, werden aber vermutlich in der Kirche bleiben.

Die Studie wurde von der Beraterfirma MDG erstellt, einer Unternehmensberatung der katholischen Kirche. Das Sinus-Institut befragte im Auftrag der MDG im Jahr 2017 bundesweit knapp 1.400 Menschen und zusätzlich rund tausend Kirchenmitglieder im Erzbistum München und Freising.

Kirche als "Spaßbremse"

Jüngere Katholiken wollen der Studie zufolge häufiger als ältere Gläubige die Kirche verlassen. So sind unter den 18- bis 29-Jährigen zehn Prozent fest zu einem Austritt entschlossen, bei den über 66-Jährigen dagegen nur vier Prozent.

"Für die Kritiker - überwiegend Katholiken mittleren Alters - ist die Kirche unter anderem eine Spaßbremse und versucht, den Menschen Schuld einzureden", sagte Jana Goetzke, Markt- und Grundlagenforscherin bei MDG, bei der Vorstellung der Studie in München.

Gründe für eine Kirchenmitgliedschaft sind neben dem Glauben auch die Familientradition, der Wunsch nach Taufe und kirchlicher Heirat oder das soziale Engagement der Kirche. So geben 72 Prozent der Befragten als Grund für ihre Kirchenmitgliedschaft an, dass das in ihrer Familie immer so war. Zwei Drittel (65 Prozent) begründen diese damit, dass sie ihre Kinder taufen lassen wollen. Ebenfalls zwei Drittel (68 Prozent) führen das soziale Engagement der Kirche an. (fab/AFP/dpa)

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