Der Fall bewegt das ganze Land: Am Mittwoch wurde die Leiche der 14-jährigen Susanna gefunden; bereits seit dem 22. Mai war das Mädchen vermisst worden. Der Tat dringend verdächtig ist der Iraker Ali B., der sich auf der Flucht befindet und sich vermutlich in den Irak abgesetzt hat. Besonders brisant ist die Tatsache, der der zuletzt in einem Flüchtlingsheim lebende 20-Jährige kein Unbekannter für die Polizei war.

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Der gewaltsame Tod des 14-jährigen Mädchens Susanna bewegt derzeit das ganze Land. Die vor zwei Wochen vermisst gemeldete Schülerin ist vergewaltigt, ermordet und anschließend verscharrt worden, wie die Polizei in Wiesbaden am Donnerstag auf einer Pressekonferenz mitteilte.

Zunächst wurde von zwei mutmaßlichen Tätern ausgegangen, ein festgenommener 35-jähriger Türke wurde jedoch am Donnerstagabend wieder freigelassen.

14-Jährige wurde ermordet - ein Tatverdächtiger wieder freigelassen.

Der andere Verdächtige, der 20-jährige Iraker Ali B, soll sich Anfang Juni mit seiner Familie von Düsseldorf über Istanbul nach Erbil im Nordirak abgesetzt haben. Doch nicht nur in der Frage, wie sich der Tatverdächtige trotz Unklarheiten über seine Identität in seine Heimat absetzen konnte, wird nun von zahlreichen Politikern Klärung gefordert.

Verdächtiger Ali B. war polizeibekannt

Auch die Tatsache, dass der 20-Jährige bereits mehrfach polizeilich aufgefallen ist und sogar mit der Vergewaltigung eines Kindes in Verbindung gebracht wurde - und sich trotzdem frei bewegen konnte, sorgt für Unverständnis.

Den Ermittlern zufolge kam Ali B. im Herbst 2015 nach Deutschland, ein Asylantrag war Ende 2016 abgelehnt worden. Da ein Rechtsanwalt dagegen eine Klage eingereicht habe, laufe das Verfahren noch - für die Dauer bekam er von der Stadt Wiesbaden eine Aufenthaltsgenehmigung.

Schon im April 2016 wurde B. aktenkundig: In Wiesbaden gerieten zwei Gruppen in eine gewalttätige Auseinandersetzung, eine Beteiligung des Verdächtigen konnte jedoch nicht nachgewiesen werden.

Das gilt auch für eine Schlägerei im Februar 2018. Laut dem Wiesbadener Polizeipräsident Stefan Müller machte in dem Fall der Geschädigte keine Angaben und schwieg.

Wie Müller am Donnerstag weiter sagte, habe Ali B. dann im März eine Stadtpolizistin in Wiesbaden angerempelt und um sich gespuckt. Er sei daraufhin in Gewahrsam genommen worden.

Im April habe er mit einem Mittäter einen Mann mit einem Messer bedroht und dessen Wertsachen geraubt. Es habe insgesamt in keinem Fall einen Haftgrund gegeben, sagte Müller.

Verbindung zu einer Vergewaltigung wird geprüft

Geprüft werde noch eine Verbindung zur mutmaßlichen Vergewaltigung einer 11-Jährigen im März, die nach Angaben der Polizei erst im Mai angezeigt wurde.

Das Opfer habe angegeben, von einem Mann namens Ali aus der Flüchtlingsunterkunft in Erbenheim, in dem auch der Verdächtige im Fall Susanna wohnte, vergewaltigt worden zu sein. Unter diesem Vornamen seien dort aber mehrere Männer gemeldet.

Einen Einfluss auf das laufende Verfahren zur Ablehnung des Asylantrages hätten all diese Taten aber wohl nicht gehabt. Das wäre laut Aufenthaltsgesetz nur dann der Fall, wenn die Person "aus schwerwiegenden Gründen als eine Gefahr für die Sicherheit der Bundesrepublik Deutschland anzusehen ist oder eine Gefahr für die Allgemeinheit bedeutet, weil er wegen eines Verbrechens oder besonders schweren Vergehens rechtskräftig zu einer Freiheitsstrafe von mindestens drei Jahren verurteilt worden ist".

Polizeipräsident Müller machte deutlich, dass ein Verbrechen wie das an Susanna auch nach vielen Jahren der Polizeiarbeit schwer fassbar sei. Er erinnert jedoch daran, dass nicht nur die mutmaßlichen Täter Flüchtlinge seien: "Auch wenn ein irakischer Staatsangehöriger dringend tatverdächtig ist, muss gesagt werden, dass ein 13-jähriger Geflüchteter durch seine Aussage entscheidend dazu beigetragen hat, dieses Verbrechen aufzuklären." (dh/afp/dpa)