Im britischen Telford sollen seit den achtziger Jahren fast 1.000 Mädchen missbraucht und zur Prostitution gezwungen worden sein. Die kriminellen Banden agierten ähnlich wie bei den Fällen in Rotherham.

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Kriminelle Banden sollen in der britischen Stadt Telford über vierzig Jahre hinweg fast 1.000 minderjährige Mädchen gefoltert, missbraucht und zur Prostitution gezwungen haben. Das vermeldete die britische Zeitung "The Sunday Mirror" nach fast 18-monatiger Recherche. Durch die Aktivitäten der Kriminellen sollen auch eine Mutter und vier Mädchen zu Tode gekommen sein.

Für ihre Recherchen sprachen die Reporter des "Sunday Mirror" mit zwölf Mädchen, die Opfer der Banden gewesen seien. Diese berichteten von Vergewaltigungen, Folter, Drogen, Prostitution und dem Zwang zur Abtreibung. Demnach seien die Mädchen teilweise erst elf Jahre alt gewesen seien, als sie Folter ausgesetzt und unter Drogen gesetzt wurden.

Ein Opfer erzählte, sie sei wenige Stunden nach ihrer zweiten Abtreibung erneut vergewaltigt worden.

Polizei will neuen Informationen nachgehen

Im Interview mit der BBC sagte ein Sprecher der Polizei von West Mercia, dass die Anschuldigungen "sehr ernst" genommen werden und die "Bekämpfung von sexueller Ausbeutung von Kindern Priorität habe". Die Causa Telford habe jedoch aufgrund der neuen Informationen zusätzlich an Bedeutung gewonnen.

"Wir verpflichten uns, unsere Ressourcen und Technologien dazu einzusetzen, um jeden zu verfolgen, der sich des Kindesmissbrauchs strafbar gemacht hat - ob das nun heute, vor einer Woche oder vor Jahren passiert ist", erklärte der Sprecher weiter.

Keine Ermittlungen aus Angst vor Rassismus

Den Recherchen des "Sunday Mirror" zufolge hätte die Polizei bereits in den neunziger Jahren von den Akitivitäten der Banden und dem Missbrauch der Mädchen erfahren, jedoch jahrelang nichts unternommen. Ebenfalls hätten örtliche Sozialarbeiter vor den kriminellen Aktivitäten gewarnt. Wie in den Fällen von Rochedale und Rotherham soll es allerdings jahrelang keine Ermittlungen gegen die Täter gegeben haben, aus Angst vor Rassismus-Vorwürfen. Die Bandenmitglieder sollen wie die Täter aus Rotherham - damals waren pakistanische Kriminelle verantwortlich - aus dem asiatischen Raum stammen.

Erst nach 2007 sei es zu ersten Ermittlungen gekommen, im Zuge derer neun von insgesamt fast 200 Tatverdächtigen verurteilt wurden. Laut den Recherchen des "Sunday Mirror" wurden die betroffenen Kinder auch nicht als Opfer, sondern als Prostituierte in den Akten der Polizei gelistet. (arg)

Gewalt gegen Kinder ist ein globales Phänomen und wird häufig gerade durch die Personen ausgeübt, die für ihren Schutz verantwortlich sind.