Rock am Ring geht weiter: Die Hinweise auf eine Terrorgefahr beim Musikfestival haben sich nicht erhärtet. Die Konzerte sollen planmäßig starten.

Darauf haben die Musikfans bei Rock am Ring gewartet: Das Festival geht weiter, wie der Veranstalter Samstagvormittag via Facebook mitteilte.

"Nach intensiven Durchsuchungen des gesamten Festivalgeländes haben sich die Verdachtsmomente für eine akute Gefährdungslage nicht erhärtet", heißt es in dem Posting. Die Polizei habe daraufhin grünes Licht für eine Wiederaufnahme gegeben.

"Eine genaue Uhrzeit für die Öffnung werden wir so schnell wie möglich kommunizieren. Wichtig ist, es geht weiter!", schreiben die Veranstalter - und bedankten sich bei den Besuchern für ihr "unglaublich diszipliniertes Verhalten und die vorbildliche Kooperation".

Verdächtige gaben falsche Namen an

Freitagvormittag sei im Polizeiministerium Koblenz bekannt geworden, dass mindestens eine Person nichtdeutscher Herkunft, die als Gefährder unter Beobachtung stehe, sich Zutritt zum Gelände verschafft habe. Das teilte Wolfgang Fromm, Polizeipräsident von Koblenz, auf einer gemeinsamen Pressekonferenz von Polizei, Innenministerium und Veranstalter mit.

Demnach hatten sich die Personen unter falschem Namen Tickets besorgt. Es habe Hinweise gegeben, dass eine Bedrohung erst beim Topact am Abend bestehe. "So lange haben wir Zeit genutzt, um die Lage einzuschätzen", sagte Fromm. Erst im Lauf der Nacht habe sich herausgestellt, dass keine unmittelbare Gefahr bestanden habe.

Laut dem Leiter des Polizeieinsatzes standen drei Personen aus Hessen im Fokus der Ermittlungen. Mindestens eine Person sei verdächtig, sich mit islamistischem Terrorismus befasst zu haben.

Verdächtige wieder auf freiem Fuß

Die Verdächtigen waren vorläufig festgenommen worden, wurden Samstagfrüh aber wieder entlassen. Sie werden der hessischen Salafistenszene zugerechnet. Ihre Wohnungen wurden durchsucht.

Nach ersten Erkenntnissen hatte mindestens eine der Personen über eine der eingesetzten Firmen Zugang zu sicherheitsrelevanten Bereichen.

Die Polizei hatte bei ihren Durchsuchungen auf dem Festivalgelände in der Eifel keine verdächtigen Gegenstände gefunden. Es seien unter anderem die Bühnenbereiche und andere Eventflächen abgesucht worden, sagte ein Polizeisprecher.

Lewentz: Bundesinnenminister ist informiert

Der Innenminister von Rheinland-Pfalz, Roger Lewentz (SPD), hat nach eigenen Angaben Bundesinnenminister Thomas de Maizière (CDU) informiert.

Eine dringende Gefahr für die Besucher habe man nicht ausschließen können, sagte Lewentz. "Das war kein vertretbares Risiko."

Schon im Vorfeld des Festivals habe man die Zahl der Einsatzkräfte auf 1.200 erhöht. Der Fall zeige, "dass Notfallpläne für solche Situationen greifen", zeigte sich Lewentz überzeugt.

Veranstalter: "Gemeinsames Zeichen der Menschen"

Veranstalter Marek Lieberberg betonte: "Damit setzen wir ein Zeichen für unsere Gesellschaft, unsere Kultur.
Die Besucher haben Toleranz bewiesen."

Lieberberg bedankte sich bei Polizei und Besuchern: "Es war ein gemeinsames Zeichen der Menschen, die demonstriert haben, dass 86.000 Menschen in einer Viertelstunde ohne Zwischenfälle das Gelände geräumt haben."

Friedliche Nacht in den Zelten

Nach dem Terroralarm Freitagabend und der Unterbrechung des Programms hatten Tausende Musikfans eine friedliche Nacht in ihrem Zelten verbracht.

"Aus polizeilicher Sicht verlief die Nacht ohne besondere Vorkommnisse", teilte ein Sprecher der Polizei in Koblenz am Samstagmorgen mit. Nach der Unterbrechung führte die Polizei die Durchsuchungen des Geländes fort.

Hinweise auf terroristische Gefährdung

Das legendäre Musikfestival war am Freitagabend unterbrochen worden, weil die Polizei Hinweise auf eine mögliche terroristische Gefährdung hatte.

Zehntausende Besucher verließen daraufhin innerhalb kurzer Zeit geordnet und ruhig das Festivalgelände.

Das dreitägige Festival hatte am Freitagnachmittag begonnen. Schon vor der Unterbrechung hatten Sicherheitsbedenken das Festival begleitet. Die Polizeipräsenz am Nürburgring war - auch vor dem Hintergrund des Terroranschlags auf ein Konzert in Manchester vor anderthalb Wochen - auf mehr als 1.200 Beamte aufgestockt worden. (ank/dpa)