Es ist ein schockierender Fall von offenbar rassistisch motivierter Selbstjustiz in den USA: Die Tötung des jungen Schwarzen Trayvon Martin durch George Zimmerman, Mitglied einer Bürgerwehr in Sanford/Florida, erschütterte die gesamten USA und sorgte für einen Proteststurm im Land. Martin wurde wohl nur aufgrund seiner schwarzen Haut und der Tatsache, dass er einen Kapuzenpulli trug, zum Opfer. Nun steht der Prozess gegen Zimmerman kurz vor dem Abschluss.

In ihrem Schlussplädoyer bekräftigte die Staatsanwaltschaft am Donnerstag den Vorwurf, dass Zimmerman den unbewaffneten Jugendlichen verfolgt und erschossen habe. Zimmerman beteuert dagegen, den 17-Jährigen aus Notwehr getötet zu haben. Der Fehler von Trayvon Martin in der Tatnacht war es alleine, sich zur falschen Zeit am falschen Ort aufgehalten zu haben.

Ein Schwarzer bei Dunkelheit in einer vor allem von wohlhabenden Weißen bewohnten Gegend war für Bürgerwehr-Mitglied Zimmerman offenbar verdächtig. Zu allem Überfluss zog Martin sich die Kapuze seines Kapuzenpullis über den Kopf, als er sich von George Zimmerman verfolgt fühlte und eine Abkürzung zwischen zwei Grundstücken nahm. Damit schien für das Mitglied der Bürgerwehr der Fall klar zu sein: Er hatte einen Einbrecher auf frischer Tat ertappt. Zimmerman alarmierte daraufhin zwar die Polizei, erschoss jedoch wenige Momente später den Teenager. "Ein Teenager ist ohne eigenes Verschulden tot", sagte Chefankläger Bernie de la Rionda in seinem Schlussplädoyer.

Die Polizei hatte Zimmerman nach dem Vorfall zunächst laufen gelassen. Dabei berief sie sich auf das "Stand Your Ground"-Gesetz ("Weiche nicht zurück"), das Bürgern in Florida ein besonders ausgeprägtes Recht auf Selbstverteidigung mit Schusswaffen einräumt. Martins Eltern warfen den Behörden vor, nicht angemessen ermittelt zu haben, weil ihr Sohn schwarz war.

Der Tod des Teenagers hatte in den USA eine hitzige Debatte über Rassismus ausgelöst, in die sich auch Obama einschaltete. Zehntausende Menschen waren vergangenes Jahr auf die Straße gegangen und hatten Gerechtigkeit für Trayvon Martin gefordert. Zimmerman stritt in einem TV-Interview im Sommer 2012 ab, Martin bewusst wegen seiner Hautfarbe ins Visier genommen zu haben. Der Angeklagte verwies dabei auch auf seine lateinamerikanischen Wurzeln. In dem Prozess lehnte es Zimmerman ab, in den Zeugenstand zu treten.

Doch die Rassismus-Falle wohnt auch dem Prozess selbst inne: Wie objektiv kann das Urteil eines Gerichts ausfallen, dessen Entscheidung immer vor dem offenbar rassistischen Hintergrund der Tat von der Öffentlichkeit gewertet werden wird? Hunderte Kandidaten waren unter die Lupe genommen worden, um eine unvoreingenommene Jury zusammenzustellen. Von den sechs Geschworenen sind nun fünf weißer Hautfarbe. Wie immer die sechs Frauen auch entscheiden mögen: Jedes Urteil wird von mindestens einer Seite als ungerecht eingestuft werden - möglicherweise auch von allen Seiten. (jfi)