Der WDR hat sich wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung mit sofortiger Wirkung von seinem Programmchef Gebhard Henke getrennt. Das teilte der Sender am Donnerstagnachmittag mit. Die Vorwürfe seien "schwerwiegend und glaubhaft".

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Seit Wochen stehen Vorwürfe der sexuellen Belästigung und Machtmissbrauch gegen den WDR-Programmchef Gebhard Henke im Raum, Ende April stellte ihn der Sender von seiner Tätigkeit frei.

Jetzt hat der WDR Henke entlassen. "Im Ergebnis hielt der WDR die von den Frauen geschilderten Vorfälle für schwerwiegend und glaubhaft", heißt es in einer Mitteilung, die am Donnerstagnachmittag veröffentlicht wurde.

Henke weist Vorwürfe zurück

In den vergangenen Wochen hätten "mehr als zehn Frauen" dem Sender über "sexuelle Belästigung und unangemessenes Verhalten, teils in Zusammenhang mit Machtmissbrauch" berichtet.

Der WDR habe die Vorwürfe inzwischen überprüft und sei zur Überzeugung gekommen, dass "kein Vertrauensverhältnis mehr" bestünde.

Henke weist die Vorwürfe zurück. Sein Anwalt Peter Raue ließ bereits im Zuge der Freistellung mitteilen, dass sein Mandant freigestellt wurde, ohne ihm "einen einzigen konkreten Sachverhalt zu nennen".

Sein Anwalt hat einstweilige Verfügung beantragt. Am kommenden Dienstag wird darüber vor dem Kölner Arbeitsgericht verhandelt.

Eine Reaktion seitens Henkes auf die neuen Entwicklungen gibt es derzeit noch nicht.

Schwere Vorwürfe von Charlotte Roche

Anfang Mai berichtete bereits der "Spiegel", dass sechs Frauen - darunter Charlotte Roche - Henke vorwerfen, von ihm sexuell belästigt worden zu sein.

"Er gab mir die rechte Hand und legte mir die linke gleichzeitig fest mitten auf den Po", sagte die Autorin und Schauspielerin über eine Situation im Jahr 2013. Sie habe ihm ausweichen wollen, aber ohne Erfolg: "Das war schlimm und dauerte gefühlt ewig."

Noch heute werfe sich Roche vor, damals geschwiegen zu haben.

WDR kündigte auch Korrespondenten

Im vergangenen Monat hatte der WDR bereits einem Mitarbeiter wegen Vorwürfen der sexuellen Belästigung fristlos gekündigt.

Nach Informationen des Magazins "Stern" und des Recherchebüros "Correctiv" handelte es sich dabei um einen Fernsehkorrespondenten, dem zahlreiche Belästigungsfälle vorgeworfen werden. (am/dpa)

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