US-Präsident Donald Trump glaubt nicht an den vom Menschen verursachten Klimawandel. Nun haben zwei schwere Hurrikans binnen zwei Wochen die USA getroffen, die nächsten Stürme haben sich bereits über dem Atlantik formiert. Ob Trump jedoch von seinem Anti-Klima-Kurs abweichen wird, ist zweifelhaft.

Rekordwindgeschwindigkeiten, Niederschlagsrekorde und ein Hurrikan mit ungeheuren Ausmaßen: Die extremen Wetterphänomene, die in den vergangenen Wochen im Golf von Mexiko und der Karibik gewütet haben, lassen die schlimmsten Befürchtungen von Klimaforschern wahr werden.

Die Schäden durch die Tropenstürme Harvey und Irma gehen in die Milliarden, in der Karibik und vor allem in den US-Bundesstaaten Texas und Florida wurden ganze Landstriche schwer verwüstet.

Auf Donald Trump wirft die Katastrophe kein gutes Licht, denn anders als die große Mehrheit der Wissenschaftler leugnet der 71-Jährige den von Menschen gemachten Klimawandel. Er hat ihn in einer Twitter-Nachricht einmal als "Erfindung der Chinesen" bezeichnet, um die US-Wirtschaft zu schwächen.

"Wir stecken mitten im Klimawandel"

Inwiefern sind die aktuellen Tropenstürme tatsächlich ein Zeichen für den Klimawandel? Drohen – gerade in den USA – weitere Naturkatastrophen, wenn die Bemühungen eingestellt werden, den Klimawandel zu stoppen? Und wie viel Gegenwind erfährt Trump in den USA für seine Klimapolitik?

Für die gefährliche Berichterstattung zu "Irma" gibt es nicht nur Lob.


Ob die schweren Hurrikans aktuell tatsächlich mit dem Klimawandel zusammen hängen, lässt sich nicht zweifelsfrei belegen.

"Die Klimaforschung hat allerdings statistisch nachgewiesen, dass Extremwetterereignisse durch den Klimawandel zunehmen – in der Häufigkeit und Intensität", sagt Arne Dunker, Vorsitzender der Deutsche Klimastiftung im Gespräch mit unserer Redaktion.

"Insofern gibt es schon viele Indizien dafür, dass der Klimawandel kein Zukunftsthema ist, sondern dass wir mittendrin stecken."

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Der Umweltjournalist Joachim Wille glaubt beim Blick auf die extreme Hurrikan-Saison 2017 ebenfalls nicht an einen Zufall. Die beobachteten höheren Windgeschwindigkeiten und größeren Niederschlagsmengen seien auf die Erwärmung der Meere zurückzuführen. "Dadurch verdunstet mehr Wasser, die Stürme können mehr Wasserdampf aufnehmen, was zu mehr Regen führt."

"Irma" gilt als der stärkste Hurrikan, der je im Atlantik gemessen wurde und zählt zu den stärksten tropischen Stürmen überhaupt.

"Harvey" brachte nur wenig Wochen zuvor Rekordniederschlagsmengen mit sich – und setzte unter anderem die US-Millionenstadt Houston unter Wasser.

Seit vielen Jahrzehnten waren die USA nicht mehr von zwei Stürmen der Kategorie 4 und höher innerhalb eines Jahres getroffen worden. Und es könnte noch schlimmer kommen: Über dem Atlantik haben sich bereits weitere Tropenstürme formiert.

Bausünden an den Küsten Floridas

Werden sich solche Extremwetterphänomene künftig häufen, gerade in den USA? "Das ist schwer vorauszusagen", meint Arne Dunker. "Der Klimawandel ist ja ein globales Problem. Aufgrund ihrer Größe und Lage werden die USA sicher stärker betroffen sein als ein kleineres Land wie Deutschland."

Michael Meier, Direktor der Friedrich-Ebert-Stiftung USA und Kanada, weist auf die zahlreichen Bausünden an den Küsten Floridas und Umweltvergehen in den Everglades-Sümpfen in der Mitte des südöstlichsten US-Bundesstaates hin.

Er fordert im Gespräch mit unserer Redaktion, dass "endlich mal Bauvorschriften und vor allem Einschränkungen beschlossen werden sollten, die der Natur mehr Freiraum geben".

Nicht umsonst sei dort einmal "alles Sumpf und ein einzigartiges Ökosystem" gewesen. Durch die Bebauung der Küsten in einem Hurrikan-Gebiet setzten sich die Menschen unnötigen Gefahren aus.

Auch Donald Trump besitzt dort ein herrschaftliches Domizil direkt am Meer sowie einige Hotels.

Trump in Sachen Klimawandel "unbelehrbar"

Wird der US-Präsident jetzt umdenken? "Ich denke, dass Trump in Sachen Klimawandel unbelehrbar ist. Bestenfalls bewegt ihn die Tatsache, dass eins seiner Hotels in Florida in Mitleidenschaft gezogen wurde", meint Arne Dunker.

Hurrikan Irma tobt über den USA - darauf müssen Urlauber achten.


Joachim Wille sagt, es sei schwer abzuschätzen, "ob Trump sich in seiner Einstellung zum Klimawandel bewegt". Er glaubt, dass sich der US-Präsident jetzt erstmal darum kümmern wird, die Katastrophen in den Griff zu kriegen und sich als erfolgreicher Krisenpräsident zu präsentieren.

Seine Leugnung des von Menschen verursachten Klimawandels – in den USA übrigens eine einflussreiche ideologische Strömung – torpediert allerdings sein staatsmännisches Gebaren.

Fast alle US-Medien, mit Ausnahme der rechten Vertreter wie Fox News, sprechen ganz selbstverständlich vom Klimawandel.

"Die USA haben in diesem Sommer beim Blick auf die Zukunft der Erderwärmung einen Sitz in der ersten Reihe ergattert", heißt es auf "CNN". "Und traurigerweise war das nur ein milder Vorgeschmack."

Sogar einige Republikaner wie Senator John McCain sehen mittlerweile die Notwendigkeit, etwas Grundsätzliches gegen diese Entwicklung zu unternehmen.

Führende Parteifunktionäre wie Paul Ryan und Mitch McConnell sind hingegen weiter auf Trumps Linie, seine treuen Anhänger sowieso.

Nicht nur deswegen glaubt Michael Meier von der Friedrich-Ebert-Stiftung nicht an ein Umdenken beim Präsidenten. "Mit Blick auf sein Alter, seine Unterstützerbasis und seine Finanziers sollten wir nichts erwarten", sagte der US-Kenner.

Allein, mit weiteren Monsterstürmen muss wohl in jedem Fall gerechnet werden – womöglich noch in der Hurrikan-Saison 2017.

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Hurrikan "Irma" zieht Spur der Verwüstung

An den Küstenorten der Karibik hat Hurrikan "Irma" mit einer Windgeschwindigkeit von fast 300 Kilometern pro Stunde die ersten Schäden angerichtet: Bäume fallen um, Häuser zerfallen und Autos schwimmen in den hohen Fluten auf den Straßen.