Über den französischen Überseegebieten in der Karibik wütet der Wirbelsturm besonders heftig. Die Regierung in Paris rechnet mit schweren Schäden. "Irma" verliert noch lange nicht an Kraft, da brauen sich schon zwei weitere Tropenstürme zusammen.

Der extrem gefährliche Hurrikan "Irma" hat in der Karibik mindestens zehn Menschen in den Tod gerissen. Der Wirbelsturm der stärksten Kategorie fünf habe auf den französischen Karibikinseln Saint-Barthélemy und Saint-Martin darüber hinaus schwere Schäden angerichtet, sagte Präfekt Eric Maire am Mittwoch.

Hurrikan "Irma" nimmt vor der Karibik an Fahrt auf. Mehrere Inseln und Florida sind in Alarmbereitschaft: Das ist sein voraussichtlicher Weg.

Das gesamte Ausmaß sei noch unklar. Staatspräsident Emmanuel Macron warnte, die Schadensbilanz werde "hart und grausam" sein. Als immer wahrscheinlicher gilt, dass "Irma" auf den US-Staat Florida treffen könnte.

Derweil brauten sich in der Region gleich zwei neue Wirbelstürme zusammen.

95 Prozent von Saint-Martin sind zerstört

"Die Schäden auf den beiden Inseln sind beträchtlich", sagte Macron. Es gehe zunächst darum, Verletzte zu versorgen und Menschen Unterkunft und Verpflegung zu geben. Macron mahnte "nationale Solidarität" an und kündigte finanzielle Mittel sowie einen Wiederaufbau-Plan an.

Nach Schätzungen der Vereinten Nationen könnten in den kommenden Tagen bis zu 37 Millionen Menschen von den Auswirkungen betroffen sein.

"Es ist eine große Katastrophe. 95 Prozent der Insel sind zerstört", sagte der Präsident des Territorialrats von Saint-Martin, Daniel Gibbs, in Radiodsender RCI. "Ich stehe unter Schock."

Auch Barbuda schwer getroffen - Baby stirbt

In sozialen Netzwerken kursieren gefälschte Clips des Hurricans "Irma".


Auch auf der Karibikinsel Barbuda richtete "Irma" schwere Schäden an. Hier starb nach Angaben von Regierungschef Gaston Browne mindestens ein Mensch.

Dabei soll es sich um ein Baby handeln, sagte Browne dem örtlichen Fernsehsender ABS. Die Mutter habe versucht, aus einem beschädigten Gebäude zu fliehen. Es sei nicht bekannt, ob es weitere Todesopfer gebe, fügte der Premierminister des Staats Antigua und Barbuda hinzu.

Damit steigt die Zahl der Toten durch den Wirbelsturm auf neun. In den französischen Überseegebieten Saint-Barthélemy und Saint-Martin starben nach Angaben des französischen Innenministers Gérard Collomb mindestens acht Menschen.

23 Menschen wurden verletzt, sagte er am Donnerstag dem Radionachrichtensender Franceinfo.

Der Ressortchef machte deutlich, dass die Zahl der Opfer höher liegen könnte. Bisher hatten die Behörden von mindestens sechs Toten und zwei Schwerverletzten gesprochen. In Collombs Ministerium wurde ein Krisenzentrum eingerichtet.

Häuser abgedeckt, Gebäude völlig zerstört

"Mindestens 95 Prozent der Gebäude wurden beschädigt. Teilweise wurden Dächer abgedeckt, teilweise wurden die Gebäude total zerstört", sagte der Regierungschef von Barbuda Browne zu ABS.

"Es ist herzzerreißend. Die ganze Insel steht unter Wasser. Im Moment ist Barbuda kaum bewohnbar", sagte Browne.

Etwa 60 Prozent der Bevölkerung seien obdachlos. Auf Barbuda leben Browne zufolge etwa 1.800 Menschen. Der Premier sagte, es werde überlegt, die Bevölkerung zeitweise nach Antigua zu bringen, vor allem da mit Hurrikan "José" ein weiterer Wirbelsturm drohe.

Die Insel war von dem Hurrikan der höchsten Kategorie fünf direkt getroffen worden.

Die benachbarte Schwesterinsel Antigua war recht glimpflich davongekommen. Dort wurden nur leichte Schäden registriert. "Die Infrastruktur hat standgehalten und wir können wieder zur Normalität zurückkehren", sagte Wirtschaftsminister Asot Michael.

Einer der schwersten je registrierten Stürme

"Irma" ist ein Hurrikan der höchsten Stufe fünf und einer der schwersten jemals in der Region registrierten Tropenstürme. Es sei mit hohen Wellen, Starkregen und heftigem Wind zu rechnen, teilte das Nationale Hurrikanzentrum der USA mit.


Der Sturm bewegte sich mit 26 Kilometern pro Stunde Richtung West-Nordwest. Am Mittwochabend (Ortszeit) zog er nördlich am US-Außengebiet Puerto Rico vorbei. Später sollte er die Dominikanischen Republik passieren und dann die Bahamas ansteuern.

In Puerto Rico suchten 2.800 Menschen Schutz in Notunterkünften, wie Gouverneur Ricardo Rosselló. Es fiel starker Regen und und Bäume knickten um. Fast eine Million Menschen waren ohne Strom und 30.000 ohne Wasser.

Florida bereitet sich auf "Irma" vor

Die Regierung der Bahamas ordnete die Evakuierung mehrerer Inseln im Süden der Inselkette an. Als immer wahrscheinlicher gilt zudem, dass "Irma" auf den US-Staat Florida treffen könnte.

Der Sturm könne der schlimmste werden, dem Florida je ausgesetzt gewesen sei, sagte Gouverneur Rick Scott am Mittwoch dem Sender ABC. "Ich möchte, dass jeder versteht, um was es hier geht", sagte Scott.

Alle Einwohner sollte sich für drei Tage mit Wasser und Nahrungsmitteln eindecken. "Nehmt was ihr braucht, aber nehmt nicht mehr", sagte Scott mit Hinweis auf mögliche Versorgungsengpässe.

Zwei weitere Hurrikans bauen sich auf

Mit "Irma" ist die Gefahr aber nicht vorbei: Dahinter zog Hurrikan "José" auf die Kleinen Antillen zu.

Hurrikan "Katia" im Golf von Mexiko erreichte am Mittwoch Windgeschwindigkeiten von bis zu 120 Kilometern pro Stunde, wie das US-Hurrikanzentrum in Miami mitteilte. Die mexikanische Regierung gab eine Warnung heraus.

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Hurrikan "Irma" zieht Spur der Verwüstung

An den Küstenorten der Karibik hat Hurrikan "Irma" mit einer Windgeschwindigkeit von fast 300 Kilometern pro Stunde die ersten Schäden angerichtet: Bäume fallen um, Häuser zerfallen und Autos schwimmen in den hohen Fluten auf den Straßen.

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