Die Bergung eines gestrandeten Frachters vor der Nordsee-Insel Langeoog gestaltet sich weiter schwierig. Experten vom Havariekommando und eines Bergungsunternehmens berieten am Dienstag stundenlang darüber, wie und wann das Schiff von der Sandbank befreit werden könnte.

Auch anderswo hatte des Sturmtief "Herwart" dramatische Folgen: Mindestens vier Menschen starben allein in Deutschland. Umstürzende Bäume richteten hohen Sachschaden an, doch am Dienstag lief der Bahnverkehr fast überall wieder. Auf der ostfriesischen Insel Wangerooge riss die Sturmflut ein großes Stück des Badestrandes weg - über Nacht entstand dort eine mehrere Meter hohe Steilküste.

Vor der wenige Kilometer entfernten Insel Langeoog versuchte ein Mechaniker am Dienstag, die Ruderanlage des 225 Meter langen Havaristen "Glory Amsterdam" zu reparieren. Diese sei blockiert, was die Bergung erschwere, sagte ein Sprecher. Ansonsten weise das Schiff keine erkennbaren Schäden auf.

Umweltkatastrophe befürchtet

Der Schüttgutfrachter hatte sich im Sturm in der Deutschen Bucht, wo er auf Reede lag, losgerissen und war auf eine Sandbank vor der Insel getrieben.

Eine für Montagabend geplante Bergung mussten die Experten verschieben, weil die Wassertiefe selbst bei Hochwasser dafür nicht ausreichte. Daher arbeiteten sie an einer Alternative.

Umweltschützer und Fischer befürchten eine Umweltkatastrophe im Wattenmeer. Die "Glory Amsterdam" hat mehrere Hundert Tonnen Treibstoff und Marinediesel im Tank. Ein Ölüberwachungsflugzeug des Havariekommandos habe bisher noch keine auslaufenden Schadstoffe entdeckt. Die Besatzung ist weiter an Bord des Frachters. Den 22 Seeleuten ging es nach Angaben des Havariekommandos gut.

Zwei Tage nach "Herwart" waren fast alle Bahnstrecken im Norden wieder befahrbar. Lediglich die Strecke zwischen Hamburg-Harburg und Cuxhaven war am Dienstag noch gesperrt, wie ein Sprecher der Deutschen Bahn am Morgen sagte. Die wichtige Verbindung zwischen Hamburg und Berlin war am Montagnachmittag freigegeben worden.

Mehrere Menschen ließen ihr Leben in dem Sturm

Der Oktober 2017 dürfte vielen Menschen wegen der Herbststürme "Xavier" und "Herwart" in Erinnerung bleiben.

Nach der vorläufigen Bilanz des Deutschen Wetterdienstes (DWD) war der Monat mit einer Durchschnittstemperatur von 11,1 Grad Celsius aber auch einer der zehn wärmsten Oktobermonate seit dem Beginn flächendeckender Temperaturaufzeichnungen im Jahr 1881.

Mehrere Menschen fanden in dem Sturm den Tod: Am Sonntag ertrank ein Camper aus Nordrhein-Westfalen in der Sturmflut an der Nordsee. Ein 61-jähriger Jäger aus dem Emsland wurde am Montag in Prangendorf in Mecklenburg-Vorpommern laut Polizei unter einem umgestürzten Hochsitz tot aufgefunden. Ebenfalls in Mecklenburg-Vorpommern kamen zwei Menschen ums Leben, die trotz Sturmwarnung mit einem kleinen Motorboot auf den aufgewühlten Peenestrom hinausgefahren und gekentert waren. Die Suche nach einem dritten Bootsinsassen blieb zunächst erfolglos.

In Tschechien kamen drei Menschen im Sturm ums Leben. Sie wurden von umstürzenden Bäumen erschlagen. In Polen tötete der Sturm mindestens zwei Menschen und verletzte 16 weitere. Die Feuerwehr rückte dort zu rund 8000 Einsätzen aus, wie Rettungskräfte am Montag mitteilten.

Der große Herbststurm "Herwart" hat viele europäische Länder mit voller Wucht getroffen. Wie windig es war, zeigt das Video einer versuchten Landung am Salzburger Flughafen.


© dpa