Unwetterartiger Dauerregen führte am Mittwoch in Teilen Deutschlands zu Überschwemmungen und einer äußerst angespannten Hochwasserlage. Besonders schlimm traf es Goslar und den Harz. In unserer Blog-Nachlese haben wir die Ereignisse des Tages zusammengefasst.

Wetter heute in Deutschland aktuell

Extremer Dauerregen hielt Deutschland den ganzen Mittwoch über in Atem. Von Niedersachsen über Teile Thüringens und Hessens bis nach Nordbayern wurden in den vergangenen beiden Tagen mehr als 100 Liter pro Quadratmeter gemessen.

Wir haben die Stunden des Starkregens per Live-Blog begleitet. Hier finden Sie die Ereignisse des Tages im Überblick:

22:22 Uhr: Talsperre im Harz läuft über

Nach den starken Regenfällen läuft eine Talsperre in der Nähe von Wernigerode im Harz über. Geringe Mengen schwappen seit Mittwochabend über die Staumauer, wie ein Sprecher des Talsperrenbetriebs in Sachsen-Anhalt sagte.

Er sprach von 1,5 Kubikmeter Wasser pro Sekunde. Das sei so viel wie acht gefüllte Badewannen. Das Wasser fließe nun unterhalb der Staumauer in einen Bach. Weil es nicht mehr regne, sei der Wasserstand des Zilierbachs gesunken.

"Die Feuerwehr bewertet die Lage als unproblematisch", erklärte der Sprecher. Der Fluss fließt auch durch Wernigerode.

21:01 Uhr: Dramatische Lage entspannt sich langsam

Der heftige Dauerregen lässt in Teilen Deutschlands langsam nach. In Sachsen-Anhalt deutete sich am Mittwochabend eine leichte Entspannung ab, wie die Behörden mitteilten. Auch in Niedersachsen schien das Schlimmste überstanden.

"Eine solch dramatische Hochwasserlage hat die Stadt Goslar seit 70, 80 Jahren nicht erlebt", sagte Goslars Oberbürgermeister Oliver Junk am Mittwochabend. "Gott sei Dank hat der Regen endlich aufgehört und gehen die Pegel seit einiger Zeit wieder zurück."

Auch der Oberbürgermeister von Wernigerode, Peter Gaffert, sah eine Verbesserung der Lage. "Wir gehen derzeit von einer spürbaren Entspannung aus", sagte Gaffert.

19:07 Uhr: Hält die Talsperre von Wernigerode?

Wegen der starken Regenfälle ist die Zillierbachtalsperre oberhalb von Wernigerode im Harz randvoll - ob sie überläuft, ist aber unklar.

Der Zulauf nehme nicht mehr zu, und so sei unklar, ob und wenn ja wann die Talsperre überlaufe, sagte Andreas Rudolf, Leiter Planung und Bau des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt am frühen Mittwochabend in Blankenburg. "Man kann es nicht abschätzen."

18:13 Uhr: Kleine Siedlung wird evakuiert

Aufgrund des Hochwassers wird die kleine Siedlung Oberschulenberg im Landkreis Goslar vorsorglich evakuiert. Die Einwohner würden derzeit von Einsatzkräften in Sicherheit gebracht, teilte der Landkreis Goslar am Mittwoch mit.

Der Damm eines alten Teiches drohe dort zu brechen. Die Siedlung liegt in einem Waldgebiet und besteht aus wenigen Häusern. Die Landstraße 517 wurde von der Polizei gesperrt.

An anderen Stellen gebe es aber leichte Entspannung. In der Stadt Goslar sollten am Abend einige Straßen wieder freigegeben werden.

17:20 Uhr: Dammbruch droht - Evakuierung

Nachdem bereits in Damm bei Veltensmühle gebrochen war, droht nun im benachbarten Derenburg ebenfalls der Damm zu brechen.

Die Evakuierung der rund 70 Anwohner wird entsprechend eingeleitet, berichtet der MDR.

In Wernigerode werde zudem eine mögliche Evakuierung von Silstedts Unterdorf sowie Mühlental geprüft.

Für betroffene Bewohner wurde ein Service-Telefon eingerichtet: 03943 65 41 05

16:30 Uhr: Rühden völlig überschwemmt

Wie aktuelle Luftbilder zeigen, ist Rühden im Landkreis Goslar völlig von den Wassermassen überflutet.

Mit dem Auto ist in der niedersächsischen Stadt kein Durchkommen mehr.

15:55 Uhr: Feuerwehrleute bei Hochwasser-Einsatz verletzt

Drei Feuerwehrmänner sind im Hochwasser-Einsatz bei einem Verkehrsunfall in Niedersachsen verletzt worden, zwei von ihnen schwer.

Das Einsatzfahrzeug der Feuerwehr war nach Polizeiangaben am Mittwoch mit Blaulicht und Martinshorn zu einem Einsatz in Wolstorf bei Helmstedt unterwegs.

Aus bislang ungeklärter Ursache geriet das Fahrzeug plötzlich auf den unbefestigten Seitenstreifen, der wegen der Regenfälle stark aufgeweicht war.

Der 55-jährige Fahrer verlor dabei auf der Landesstraße 641 die Kontrolle über das Fahrzeug, fuhr etwa 70 Meter über den Seitenstreifen und prallte schließlich gegen einen Baum.

Durch den Aufprall wurden der Fahrzeugführer, der 23 Jahre alte Beifahrer schwer und ein weiterer 24-jähriger Feuerwehrmann in dem Fahrzeug leicht verletzt. Alle wurden ins Krankenhaus gebracht.

15:20 Uhr: Kein Betreten der Deiche in Halberstadt

Die Feuerwehr von Halberstadt warnt die Bevölkerung vor Betreten der Deiche.

Wie die Stadt auf Twitter mitteilt, sei die gegenwärtige Hochwasser-Situation allerdings unter Kontrolle.

14:55 Uhr: Talsperre Wernigerode droht Überlauf

Im vom Hochwasser gebeutelten Wernigerode könnte am Nachmittag die Talsperre Zillierbach überlaufen.

"Wir rechnen damit, dass es am späten Nachmittag oder am Abend passiert", sagte Maren Dietze, Leiterin Betrieb des Talsperrenbetriebs Sachsen-Anhalt.

Die Talsperre habe in den vergangenen Tagen schon eine ganze Menge Wasser zurückgehalten und werde nun wie eine volle Badewanne überlaufen. Andere Möglichkeiten gebe es nicht.

Wernigerodes Oberbürgermeister Peter Gaffert mahnte aber, es gebe keinen Grund zur Panik. Man rechne nicht mit einer Flutwelle.

Laut Talsperrenbetrieb fasst die Zillierbachtalsperre 2,83 Millionen Kubikmeter Wasser.

14:30 Uhr: Polizei lobt Hilfe gegen Hochwasser

Die Polizei Sachsen-Anhalt hat sich auf Twitter lobend über die Unterstützung aus der Bevölkerung geäußert.

Im Harz, speziell in Wernigerode und Halberstadt, sei die Lage weiter sehr angespannt, heißt es.

Dennoch gebe es "eine große Hilfsbereitschaft der Anwohner untereinander - danke", schrieb die Polizei.

14:00 Uhr: Dauerregen soll zurückgehen

Hoffnung für die vielen von Überschwemmungen geplagten Bundesbürger: Der Dauerregen geht allmählich zu Ende.

Tief "Alfred", das Deutschland in den vergangenen Tagen getränkt hat, zieht nach Osten ab.

Zwar hört der Regen damit nicht auf, aber die Intensität lässt nach, wie der Deutsche Wetterdienst (DWD) am Mittwoch mitteilte.

Das heißt nicht, dass es trocken bleibt. Am Donnerstag fällt im Osten zeitweise Regen, vom Nordosten Brandenburgs bis nach Ostsachsen und Südostbayern kann es auch noch länger und kräftiger regnen.

Mit Blick aufs Wochenende zeichnet sich eine allmähliche Beruhigung mit wieder steigenden Temperaturen ab.

13:25 Uhr: Hochwasser hält Kreis Goslar in Atem

Auch in anderen Orten im Kreis Goslar sorgt das Hochwasser für Chaos. In der Kleinstadt Bad Harzburg wurde der Bahnhof gesperrt.

13:05 Uhr: Wasserfluten strömen durch Innenstadt von Goslar

Im Landkreis Goslar verschärft sich die Lage weiter. Durch die ganze inzwischen gesperrte Innenstadt strömen braune Wasserfluten.

"Hier ist Land unter", sagte eine Verwaltungsmitarbeiterin in Bad Harzburg. Dort stand das Wasser in vielen Straßen mindestens 20 Zentimeter hoch.

Nichts ging mehr am Bahnhof, wo die Gleise unter Wasser standen. Auch die Bundesstraße 4 war teilweise unpassierbar, wie eine Polizeisprecherin mitteilte.

350 Feuerwehrleute waren im Dauereinsatz. Die Polizei orderte Verstärkung an.

12:40 Uhr: Landkreis Goslar ruft Katastrophen-Alarm aus

Wegen Dauerregens und Überflutungen hat der Landkreis Goslar am Mittwoch Katastrophenalarm ausgerufen. Laut Polizei ist die komplette Innenstadt gesperrt.

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Der Katastrophenschutzstab des Kreises hat die Einsatzleitung im Hochwassergebiet übernommen, teilte der Landkreis am Mittag mit.

Was bedeutet "Katastrophenalarm"?
Der Katastrophenalarm, den der Landkreis Goslar wegen massiver Überschwemmungen offiziell ausgerufen hat, löst einen zuvor genau festgelegten Krisen-Mechanismus aus. Der eingesetzte Katastrophenschutzstab übernimmt die Gesamtverantwortung und übergeordnete Koordination aller Einsätze für das Krisengebiet und fordert weitere Einsatzkräfte oder Materialien an. Bis auf wenige Ausnahmen trägt das Land dabei die Kosten für das, was einsatzbedingt von diesem Gremium offiziell angefordert wird. Seine Mitglieder wurden schon im Vorfeld bestimmt und für ihre Aufgabe geschult.

12:30 Uhr - Bäume nach Dauerregen entwurzelt

Starke Regenschauer haben auch in Hessen die Feuerwehren in Atem gehalten. Seit Dienstagabend habe es mehr als 34 Einsätze deswegen gegeben, sagte ein Sprecher.

Mit Sandsäcken errichteten Feuerwehren Barrieren gegen das Wasser. Hochwasseralarm habe man für Anwohner aber nicht geben müssen, sagte der Feuerwehrsprecher.

Laut den Einsatzkräften war aufgrund des Regens der Boden so aufgeweicht, dass am Morgen mehrere Bäume umfielen.

Sie blockierten Straßen und beschädigten die Oberleitung einer Straßenbahn. Verletzt worden sei niemand, hieß es am Mittag.

12:15 Uhr - Alarm in Bad Harzburg: "Land unter!"

In der 23.000-Einwohner-Stadt im Landkreis Goslar in Niedersachsen spitzt sich die Lage dramatisch zu. Der Bahnhof wurde bereits gesperrt.

"Hier ist Land unter", berichtet eine Mitarbeiterin der Stadtverwaltung. Über 300 Feuerwehrleute sind im Einsatz.

Die Polizei forderte aber mittlerweile sogar Verstärkung an.

11:50 Uhr - Frau in Wernigerode vermisst

Während des Dauerregens ist im Harz ist eine 69-Jährige in der Nähe eines Flusslaufes verschwunden.

Die Frau wohne direkt an der Holtemme in Wernigerode (Sachsen-Anhalt), sagte ein Polizeisprecher am Mittwochmorgen.

Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass die Frau am Dienstag in den stark angestiegenen Fluss gefallen ist.

Die 69-Jährige wurde bis zum Mittwochvormittag noch nicht gefunden.

Die Region um den Harz war von dem Dauerregen besonders getroffen worden.

Zahlreiche Straßen wurden überflutet, Keller liefen voll. Rettungskräfte waren im Dauereinsatz.

11:00 Uhr - Hildesheim droht Evakuierung

"Bisher halten unsere Dämme. Wir sind hier aber nach wie vor auf alles vorbereitet. Auch auf eine Evakuierung", sagte ein Sprecher der Feuerwehr in Hildesheim.

Sollte ein bedrohtes Wohngebiet geräumt werden, wären laut Stadt 1.100 Menschen betroffen. "Wir verbauen Sandsäcke und prüfen, ob sie dem Druck stand halten", sagte der Sprecher.

An einigen Stellen sickere Wasser durch die aufgeschichteten Säcke - jedoch ausschließlich an Grünflächen entlang der Innerste, einem Nebenfluss der Leine.

"Die Innerste hat in der Nacht am Pegel Heinde einen Rekord erreicht", sagte ein Sprecher der Stadt am Mittwoch. (mwo/fte)