Schwere Unwetter sind am Mittwoch über Teile Deutschlands gezogen. Besonders schwer hatte es in NRW den Raum Aachen, Wuppertal, aber auch Duisburg getroffen. Heftige Gewitter traten auch in anderen Bundesländern auf. In der zweiten Nachthälfte wird mit einer Beruhigung gerechnet.

  • Schwere Gewitter und Unwetter in NRW
  • Bahn stellt Verkehr in Raum Wuppertal ein
  • Gedenkfeier in Solingen abgebrochen
  • Dach von Tankstelle und Universität eingestürzt

Aktuelle Unwetter-Warnung des DWD - Stand 00:00 Uhr

Wetter-Warnungen des DWD Stand 00:00 Uhr: Warn-Stufe 1 (gelb), Warn-Stufe 2 (orange), Warn-Stufe 3 (rot), Warn-Stufe 4 (lila). Gestrichelt: Vorab-Warnung. Temperatur-Symbol: Hitzewarnung. Grün: keine (Vorab-)Warnung.

Von unwetterartigen Gewittern betroffen waren vor allem Nordrhein-Westfalen, aber auch Niedersachsen, Hessen, Thüringen, Baden-Württemberg und Bayern.

Das Unwetter über Erlangen sorgte für erhebliche Schäden. Die Feuerwehr rückte zu über 30 Einsätzen aus.

Unterführungen wurden überschwemmt und Bäume entwurzelt. Kein Vergleich jedoch zu den Gewittern über NRW. Vor allem die Region Wuppertal und Aachen waren betroffen.

Polizei-Sprecherin: "Unfassbare Situation"

In der Wuppertaler Innenstadt knickte nach heftigen Regenfällen auch das Dach einer Tankstelle weg und beschädigte mehrere Autos.

Unter dem Dach hätten insgesamt 14 Fahrzeuge geparkt, erklärte die Polizei. "Es ist eine unfassbare Situation gewesen", sagte eine Sprecherin.

Ein Fahrer habe sein Auto noch rechtzeitig verlassen können, bevor das Dach auf seinen Wagen gestürzt sei. Er wurde leicht verletzt.

Auch das Dach eines Universitätsgebäudes war bei dem Unwetter in Wuppertal eingestürzt. Verletzte gab es nach ersten Erkenntnissen keine, wie die Uni auf ihrer Webseite mitteilte.

Demnach stürzten an einem Uni-Gebäude etwa 30 bis 50 Quadratmeter des Daches ein. Zudem stünden der Keller sowie Teile des Erdgeschosses mindestens zweier Gebäude unter Wasser.

"Nach ersten Einschätzungen ist das Ausmaß des Schadens erheblich", erklärte Rektor Prof. Dr. Lambert T. Koch. Die Feuerwehr sei im Einsatz.

Wuppertal steht unter Wasser

"In Wuppertal steht die komplette Stadt unter Wasser", sagte ein Sprecher des DWD. Er schätzte, dass dort in kurzer Zeit mehr als 40 Liter Regen pro Quadratmeter gefallen waren.

Es fuhren mehrere Autos gegen hochgedrückte Gullydeckel. In einem Fall löste dadurch ein Airbag aus und verletzte den Fahrer im Gesicht, wie eine Polizeisprecherin sagte.

Wassermassen drangen auch in ein Wuppertaler Einkaufszentrum ein. In das Tiefgeschoss sei am Nachmittag Wasser gelaufen, sagte ein Polizeisprecher.

Nachdem Gleise überspült wurden, stellte die Deutsche Bahn dort den Zugverkehr ein. Auch die Schwebebahn fuhr nicht mehr.

Maßnahmen für Ersatzverkehr seien in die Wege geleitet worden. Die Bahn riet Fahrgästen, sich mit der Bahn-App über die Lage zu informieren.

450 Notrufe allein in Aachen

In Aachen registrierte die Feuerwehr am späten Nachmittag 450 Notrufe. Man habe Hilfe aus den Nachbarkommunen angefordert, sagte ein Sprecher.

In einem Stadtteil fiel zeitweise der Strom aus, nachdem ein Wassereinbruch einen Kurzschluss in einem Trafohäuschen verursacht hatte. In Duisburg lief Wasser in den Keller des Polizeipräsidiums, wie die Beamten via Twitter mitteilten.

DWD-Experte: Gefühlter Weltuntergang

Bitte nehmen Sie die amtlichen Vorwarnung und natürlich speziell die teils recht kurzfristigen Unwetter-Warnungen ernst und informieren Sie sich dazu heute in regelmäßigen Abschnitten - so wie hier bei uns an dieser Stelle.

Denn wo es dann tatsächlich genau kracht, kann auch der Deutsche Wetterdienst nicht immer völlig exakt vorhersagen. "Es wird nicht jeden treffen", sagte ein DWD-Meteorologe am Dienstag der Deutschen Presse-Agentur. Bei dem einen oder anderen könne aber gefühlt "die Welt untergehen".

Die Wettermodelle können das Gewitter-Risiko räumlich nicht genauer auflösen. So warnt der DWD nur recht allgemein vor "örtlich schweren Gewittern" - teils mit Unwetter-Potenzial - auf einem breiten Streifen quer durch Deutschland.

Lokal extreme Regenmengen möglich

Die Gewitter- und Unwetter-Gefahr besteht bis in die Nacht auf Mittwoch. Es muss in den betroffenen Regionen mit Blitzschlag, Starkregen und Hagel gerechnet werden.

"Die größte Gefahr geht dabei aufgrund der langsamen Verlagerung der Gewitter von heftigem Starkregen bis 40 Liter pro Quadratmeter in kurzer Zeit sowie Hagel um drei Zentimeter aus", sagt Sebastian Schappert von der Wettervorhersagezentrale.

"Vereinzelt und lokal eng begrenzt treten bei stehenden Gewitterzellen auch Mengen von über 60 Litern pro Quadratmetern in wenigen Stunden auf." Je nach Gelände kann das zu Überschwemmungen führen.

Zum Vergleich: Normalerweise liegt das Regen-Soll für den gesamten Monat Mai in Deutschland bei 72 Litern pro Quadratmeter.

Auch Sturmböen bis 80 Stundenkilometer seien nicht ausgeschlossen.

Überflutungen drohen nun auch im Allgäu. Im Landkreis Ostallgäu sorgt eine lokale Gewitterzelle mit starkem Regenfall für akute Gefahr.

Gendenkfeier in Solingen abgebrochen

Der Gedenkakt zum 25. Jahrestag des Brandanschlags in Solingen ist am Dienstag wegen eines Unwetters abgebrochen worden.

Ein Wolkenbruch war während der Veranstaltung über den Platz der Feier niedergegangen. Hunderte Teilnehmer hatten zunächst Schutz unter den Bäumen gesucht. Sie waren danach aber von den Veranstaltern in deutscher und türkischer Sprache zum Verlassen des Ortes aufgefordert worden. (mwo/mc/dpa)

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Unwetter-Bilanz: So heftig hat es Deutschland erwischt

Gewaltige Regenfälle haben am Dienstag in Teilen Deutschlands vollgelaufene Keller und überflutete Straßen verursacht. Besonders heftig wüteten die Unwetter in Nordrhein-Westfalen.
Teaserbild: © Marcel Kusch/dpa