Orkantief "Sebastian" hat zahlreiche Bäume entwurzelt. Auch am Donnerstagmorgen bekommen Pendler im Norden die Folgen des Sturms noch zu spüren. Im Südwesten rechnet der Deutsche Wetterdienst mit den nächsten Unwettern.

Nach dem ersten großen Herbststurm des Jahres müssen Pendler im Berufsverkehr in Norddeutschland auch am Donnerstagmorgen noch mit den Folgen kämpfen.

Nach Angaben der Deutschen Bahn sind im Norden weiterhin vier Strecken gesperrt, auf einigen weiteren waren nur einzelne Gleise befahrbar.

Zugverkehr im Norden weiterhin eingeschränkt

Wie die Bahngesellschaft Metronom am Donnerstagmorgen mitteilte, ist die Strecke von Hamburg nach Bremen zwar wieder freigegeben, es müsse aber mit Verspätungen gerechnet werden.

Der Betrieb zwischen Hamburg und Cuxhaven bleibe weiterhin gesperrt, ein Busnotverkehr sei eingerichtet.

Die S-Bahn zwischen Hamburg und Stade könne eingleisig fahren, Metronomzüge allerdings noch nicht.

Auf den Strecken Buchholz-Rotenburg-Bremen, Hamburg-Lüneburg-Uelzen sowie zwischen Uelzen und Göttingen sei ein Regelverkehr möglich, aber auch dort müsse mit Verspätungen gerechnet werden.

Bildergalerie starten

Orkan "Sebastian" und Sturmflut wüten in Deutschland - Bilder verdeutlichen Ausmaß

Schwere Sturmböen entwurzeln Bäume und werfen Baugerüste um, mindestens zwei Menschen werden davon erschlagen. Ein früher Herbststurm hat Deutschland erreicht.

Derweil warnte der Deutsche Wetterdienst (DWD) für Donnerstag vor Unwettern im Südwesten Deutschlands. In den Morgenstunden könnte es im südlichen Hessen, Teilen Baden-Württembergs, in Rheinland-Pfalz und dem Saarland zu Dauerregen mit Hochwasser, Überschwemmungen und Erdrutschen kommen.

Zwei Tote wegen Orkantief "Sebastian"

Orkantief "Sebastian" war am Mittwoch mit Windgeschwindigkeiten von bis zu 150 Stundenkilometern über Deutschland gezogen. Etliche Bäume wurden entwurzelt, Baugerüste umgeworfen.

Im Hochsauerlandkreis fiel eine 20 Meter hohe Fichte auf einen 53-jähriger Mann, der dabei tödlich verletzt wurde. In Hamburg wurde ein Mann von einem umgestürzten Baugerüst getroffen und starb.

Am späten Mittwochabend setzte eine Sturmflut den Fischmarkt im Stadtteil St. Pauli unter Wasser.

Die Bahn sowie der private Anbieter Metronom rechneten auch am Donnerstag mit Verspätungen bei vielen Verbindungen. Die Strecken Hamburg-Flensburg (RE7), Kiel-Husum (RE74), Kiel-Rendsburg (RB75) und Lübeck-Puttgarden (RB85) blieben zunächst gesperrt.

Engpässe gab es am Morgen zudem auf den Strecken Bremen-Oldenburg und Bremen-Norddeich, teilte ein Sprecher der Bahn mit. Da etwa in der Nähe von Delmenhorst nicht alle Gleise befahrbar seien, komme es dort auch zu Verspätungen für den Fernverkehr.


Zugverkehr fällt aus

Auch Verbindungen von und nach Rostock waren von den Sturmfolgen betroffen. Der Betreiber Metronom teilte am Mittwochabend mit, dass zwischen Hamburg und Stade sowie zwischen Stade und Cuxhaven kein Zugverkehr möglich sei. Auf den weiteren Strecken sei mit Verspätungen zu rechnen.

"Sebastian" zog in der Hansestadt zudem Einschränkungen im U- und S-Bahnverkehr nach sich. In Berlin rief die Feuer am Mittwochnachmittag wegen der vielen wetterbedingten Einsätze für knapp zwei Stunden den Ausnahmezustand aus.

Zu etlichen Feuerwehreinsätzen kam es auch in Ostfriesland und in Bremen. An der Nordsee fielen viele Fährverbindungen aus. Zuvor hatte "Sebastian" bereits die Niederlande erreicht. Am Amsterdamer Flughafen Schiphol wurden zeitweise Start- und Landebahnen geschlossen.

Mehrere Passagiere sitzen fest

Die Bahn setzte nach eigenen Angaben Hunderte Mitarbeiter ein, um die Sturmschäden zu beseitigen. So mussten Bäume von den Gleisen geräumt und beschädigte Oberleitungen repariert werden.

Für gestrandete Passagiere stellte die Bahn Hotelzüge in den Bahnhöfen von Bremen, Dortmund, Hamburg und Hannover bereit. Dort konnten Reisende übernachten.

Das Technische Hilfswerk habe Decken organisiert, sagte ein Bahnsprecher. Außerdem seien die Reisenden mit Suppen und Getränken versorgt worden.

In einem Aspekt überragt Orkantief "Sebastian" sogar Hurrikan "Irma", der in den vergangenen Tagen in der Karibik und Florida wütete.


© dpa