• Die Orkantiefs sind vorbei, doch ein Aufatmen in Sachen Wetter steht noch aus.
  • Die Lage bleibt deutschlandweit weiter angespannt und birgt, vor allem in Waldregionen, Gefahren.
  • Währenddessen leiden einige Bundesländer nun unter Hochwasser, darunter Schleswig-Holstein und Niedersachsen.

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Auch nach den Orkantiefs der vergangenen Tagen sieht der Deutsche Wetterdienst (DWD) noch keine Anzeichen für eine echte Wetterberuhigung. Selbst wenn die Windstärken der Orkanböen nicht mehr erreicht werden, ist es nicht unbedingt ein laues Lüftchen, das mit dem nächsten Tief zu spüren ist.

Vorerst allerdings steht zumindest der Mittwoch unter dem Einfluss des Hochs "Jannis". Die Meteorologen erwarten einen vorfrühlingshaften Tag mit Höchstwerten, die im Südwesten an der 15-Grad-Marke kratzen. Im Südwesten und Westen könnte die Sonne bis zu neun Stunden scheinen, in den übrigen Gebieten sind drei bis sechs Stunden Sonne drin.

Sonne genießen, aber bitte nicht in den Wäldern

Wer die Möglichkeit hat, bei Sonnenschein Zeit im Freien zu verbringen, sollte bedenken, dass noch nicht alle Sturmschäden beseitigt sind und angebrochene Äste aus den Baumkronen stürzen können. Die Waldbesitzer rufen daher dazu auf, Deutschlands Wälder in den kommenden Wochen zu meiden. "Ich kann nur dringend appellieren: "Leute, bleibt den Wäldern fern." Es herrscht gerade Lebensgefahr", sagte der Vorsitzende des Deutschen Forstwirtschaftsrates, Georg Schirmbeck, der "Neuen Osnabrücker Zeitung". Es werde einige Zeit in Anspruch nehmen, die Sturmschäden zu beseitigen. Besonders betroffen seien Niedersachsen, Schleswig-Holstein und Mecklenburg-Vorpommern.

Lange hält die Sonne für Spaziergänge ohnehin nicht an: Schon im Laufe des Donnerstags macht sich von Nordwesten her das nächste Tief mit Wolken und teils schauerartigem Regen bemerkbar. Die Höchstwerte schwanken zwischen sieben Grad an der See und 14 Grad am Alpenrand. Für Freitag erwarten die Meteorologen Aprilwetter mit kräftigem Wind, zahlreichen Regen-, Schnee- und Graupelschauern sowie dem ein oder anderen Gewitter. Dabei wird es nicht wärmer als drei bis acht Grad.

Weiterhin Sturmfluten im Norden Deutschlands

In Hamburg und Bremen gab es am Dienstag wieder eine Sturmflut. Am Morgen erreichte der Wasserstand nach Angaben des Bundesamts für Seeschifffahrt und Hydrographie (BSH) in Hamburg 1,68 Meter über dem mittleren Hochwasser (MHW). Damit lag er aber noch weit unter den Werten vom Wochenende. In Bremen wurde bereits gegen 5.00 Uhr ein Wasserstand von 1,71 Metern über dem mittleren Hochwasser erreicht.

Nach Angaben der Feuerwehr gab es zunächst aber weder in Hamburg noch in Bremen sturmflutbedingte Einsätze. In Teilen Niedersachsens und anderen Regionen schwellen nach den heftigen Winterstürmen und dem vielen Regen Gräben und Flüsse deutlich an. In Ostfriesland musste die Feuerwehr zu einer überspülten Ferienhaussiedlung ausrücken.

Hochwasser in Schleswig-Holstein

Nach einem völlig verregneten Februar und den Unwettern sind in Schleswig-Holstein nun zahlreiche Flüsse und Bäche über die Ufer getreten. An mehreren Gewässerpegeln seien die bisherigen Höchstwasserstände überschritten worden, teilte das Umweltministerium am Dienstag mit. So überflutete die Stör in Kellinghusen (Kreis Steinburg) am selben Tag mehrere Straßen und blieb nur wenige Zentimeter unter dem höchsten je gemessenen Wasserstand des Weihnachtshochwassers aus dem Jahr 2014.

Fast alle Regionen Schleswig-Holsteins sind laut Ministerium vom Hochwasser betroffen. An mehr als zwei Drittel der Pegel lägen die Wasserstände über dem mittleren Hochwasser. "Die Situation ist ernst und die Lage vor Ort zum Teil sehr angespannt", teilte Umweltminister Jan Philipp Albrecht (Grüne) mit. Im Februar fiel nach Angaben seines Ressorts in einigen Teilen des Landes bis zum Dreieinhalbfachen des durchschnittlichen Monatsniederschlags. Besonders betroffen seien Treene, Stör, Lecker Au, Bille, Krückau, obere Eider, Trave sowie Beste.

An den Gewässern Lecker Au, Trave, obere Eider, Dosenbek, Malenter Au und Schirnau wurden die bisherigen Höchstwasserstände überschritten. Der andauernde starke Westwind trug zur Hochwasserlage bei. Wegen erhöhter Niedrigwasserstände war die Entwässerung in Elbe und Nordsee mehrere Tage lang erschwert. Das Umweltministerium erwartete für Mittwoch eine leichte Entspannung der Situation, da nur noch mit wenig Niederschlag gerechnet werden müsse und sich die Lage an Nordsee und Elbe normalisiere. Bereits am Dienstag gingen die Wasserstände an eigen Pegeln wieder zurück.

Niedersachsen steht ebenfalls unter Wasser

Auch in Teilen Niedersachsens Wasserstände haben die anhaltenden Regenfälle die Flüsse und Gräben weiter anschwellen lassen. Bei Hannover trat die Leine über die Ufer und überschwemmte Fußgängerwege und Wiesen. Am Pegel in Herrenhausen wurde der Messwert zur Meldestufe 3 von 4 überschritten, wie aus Daten der Hochwasservorhersagezentrale des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) am Dienstag hervorging. Während die Wasserstände an den Zuflüssen zur Leine bereits wieder sinken, wird der Hochwasserscheitel flussabwärts am Pegel Schwarmstedt den Angaben zufolge erst am Mittwoch erwartet.

Die Landeshauptstadt Hannover traf Schutzmaßnahmen: Etwa wurden Schieber geschlossen, um das Kanalnetz vor einem Rückstau aus der Leine zu schützen. Uferwege wurde zum Teil gesperrt. Bei dem aktuellen Hochwasser handele sich nicht um ein außergewöhnliches Ereignis, teilte ein Stadtsprecher mit. Solche Wasserstände kämen statistisch gesehen öfter als einmal pro Jahr vor. Die Stadt verwies auf eine Prognose des NLWKN, wonach bereits in der Nacht zum Mittwoch mit leicht fallenden Wasserständen zu rechnen sei.  © dpa