Am 31. Mai endet für die Meteorologen der Frühling und am Samstag beginnt schon der Sommer. Nach einem lausigen Frühjahr hoffen alle auf höhere Temperaturen und ein wenig Sonnenschein. Diplom-Meteorologe Dominik Jung von wetter.net gibt im Interview einen Ausblick auf die nächsten Tage und Wochen und macht aufgrund einer Langfristprognose auch einen Vorschlag für die Urlaubsplanung.

Herr Jung, was war das denn? Erst ist der Frühling in der Kälte stecken geblieben und dann ging er baden!

Der Frühling hat es dieses Jahr wirklich nicht gut mit uns gemeint. Es war das trübste Frühjahr seit 30 Jahren und stellenweise der nasseste Mai seit Beginn der Aufzeichnungen vor über 100 Jahren. Der Winter verlängerte seinen Atem bis in den März hinein. Lokal bekamen wir in Deutschland den kältesten März seit 130 Jahren. Deutschlandweit war der März um 3 Grad kälter als im langjährigen Mittel. Der April brachte dann aber rund 0,8 Grad mehr Wärme als im Durchschnitt der Jahre 1961 bis 1990. Beide Monate waren vor allem von Trockenheit geprägt. Im März fiel 40 Prozent und im April 30 Prozent weniger Regen als im langjährigen Vergleich. Doch der Mai hat dieses Defizit mehr als wieder gut gemacht. Bisher brachte der Mai rund 40 Prozent mehr Regen als normal und dabei ist der Monat noch nicht vorbei. Am letzten Maitag erwarten wir noch einmal massive Regenfälle.

Und wie sieht es am Wochenende aus? Es soll zum Frühjahrsabschluss wohl noch mal ordentlich schütten ...

Das kann man laut sagen! Ab heute Abend ziehen aus Osten dicke Regenwolken auf. Sie werden weite Teile des Landes mit ordentlich Niederschlag versorgen. Am schlimmsten wird es wohl im südlichen Baden-Württemberg und Bayern werden. Aber auch in einem Streifen vom Saarland über Rheinland-Pfalz, Hessen und Thüringen bis nach Sachsen kann es nochmal ordentlich schütten. Verbreitet sind dann 30 bis 60 Liter Regen möglich. In Südostdeutschland sogar 100 bis 150 Liter Regen pro Quadratmeter, direkt am Alpenrand sogar Rekordmengen bis zu 200 Liter.

Mit dem Monatswechsel kehrt dann aber langsam Ruhe in der Wetterküche ein und der Sommer macht sich bemerkbar. Es wird nächste Woche allmählich wärmer und die Werte klettern auf 20 bis teilweise 28 Grad. Durchweg sonnig und trocken wird es aber wohl nicht sein. Es kann immer wieder einzelne Schauer und Gewitter geben. Es wird aber allemal besser als die letzten Tage und Wochen.

Im Februar hatten Sie berichtet, dass Langfristmodelle einen besonders sonnigen April und einen tollen Wonnemonat ankündigen. Was ist denn schief gegangen?

In allen unseren Langfristtrends ist immer wieder die Anmerkung zu finden, dass es sich ganz klar um eine klimatologische Projektion und eben gerade nicht um eine typische Wettervorhersage. Eine klassische Wettervorhersage für den kommenden Tag von wetter.net hat eine Trefferwahrscheinlichkeit von rund 95 Prozent. Eine Vorhersage für die kommenden drei Tage hat eine Trefferquote von rund 85 Prozent. Das sind also recht hohe Trefferzahlen.

Bei einem Langfristtrend ist das anders. Der wird zu einem Teil aus langjährigen Erfahrungswerten berechnet, also aus dem Klima der letzten Jahrzehnten. Daher auch der Name klimatologische Projektion. Hier sind die Unsicherheiten deutlich höher. Man kann nur Aussagen treffen, ob ein Monat beispielsweise wärmer oder kälter als üblich werden könnte. Diesmal lag der Trend für den Mai in der Tat ziemlich daneben.

Machen Langfristrends im Bereich Wetter denn überhaupt Sinn?

Leider ist es meist so, dass man ein Feedback nur dann bekommt, wenn man daneben liegt. Beim letzten Winter-, Herbst- und Sommertrend war Schweigen im Walde. Diese Trends lagen tendenziell ja auch recht gut. Jahreszeitentrends machen durchaus Sinn. Es sind wie gesagt klimatologische Projektionen. Fast alle staatlichen Wetterdienste dieser Welt geben Jahreszeitentrends heraus, auch der Deutsche Wetterdienst. Man publiziert es dort nur nicht so gerne, es sei eben zu ungenau. Dann muss man sich aber doch fragen, wieso man sie überhaupt erstellt. Wir sind da offener eingestellt. Ich sage immer ganz klar dabei, dass es sich nur um eine Tendenz, um eine klimatologische Projektion handelt und dann ist das für mich in Ordnung.

Diese Frage beschäftigt uns wohl alle: Was sagt ihr Langfristtrend für den Sommer 2013?

Der aktuelle Langfristtrend vom amerikanischen Wetterdienst sieht für Deutschland einen normal temperierten Durchschnittssommer, also weder einen extrem warmen, noch einen ungewöhnlich zu kalten Sommer. Was den Regen angeht, soll der Norden trockener als normal durch den Sommer kommen, während der Süden mit mehr Niederschlag als im langjährigen Durchschnitt rechnen muss. Auch für weite Teile Südeuropas, also Portugal, Spanien, Südfrankreich und Italien sind die Aussichten nicht wirklich rosig. Dort soll der Sommer nicht nur feuchter als üblich, sondern auch kühler als im langjährigen Mittel ausfallen. Urlauber, die vor dem deutschen Sommer in den Süden fliehen wollen, könnten also enttäuscht werden ...