Erstmals seit Tagen scheint die Sonne in Zermatt und zeigt: Es sind Lawinen mit gewaltigen Schneemassen abgegangen. Die Räumung ist eine Herausforderung. Gesperrte Straßen hin oder her, die meisten Feriengäste in Zermatt zum Beispiel wollen vor allem eines: raus auf die Pisten.

Die Lawinengefahr in den Alpen ist am ersten Tag mit Sonnenschein nach den starken Schneefällen leicht gesunken. Am Mittwoch beruhigte sich die Lage, wie Lawinen-Expertin Christine Pielmeier sagte. Abgeschnittene Bergdörfer hofften auf die baldige Öffnung aller Straßen und Bahnlinien.

Der Tourismusverband Zermatt frohlockte am Morgen bei Facebook: "The Matterhorn ist back!" - Das Matterhorn ist wieder da. Er postete dazu ein aktuelles Foto des weltberühmten Schweizer Berges, der bei Schneetreiben und Nebel tagelang nicht zu sehen gewesen war.


In dem eingeschneiten Wintersportort im Wallis hielten Restaurants und Hotels die festsitzenden Gäste mit geschmolzenem Käse vom Pappteller und Schnaps aus Gläsern vom Brett bei Laune.

Erste Pisten sind wieder offen

Viele der 13.000 Besucher zeigten sich in den Straßen gut gelaunt, wie Fernsehsender zeigten. Wer nicht zu einem Termin oder zurück an den Arbeitsplatz musste, wartete vor allem darauf, endlich wieder Skifahren zu können.

"Es geht mit dem Wintersport wieder los, einige Pisten sind schon gesichert und wieder offen", sagte die Marketingleiterin von Zermatt Tourismus, Janine Imesch. Am Nachmittag waren in der Region etwa 32 Kilometer Piste wieder befahrbar, wie Sandra Stockinger von den Zermatt-Bergbahnen berichtete.

Der Lawinendienst war schon am frühen Morgen per Hubschrauber unterwegs und gab grünes Licht für die ersten Skigebiete. Die Pisten wurden sofort mit Raupen präpariert.

Bahn soll ab 17:15 Uhr wieder fahren, Luftbrücke bis 17:00

Auf der Bahnstrecke Zermatt-Täsch dauerte die Schneeräumung länger als geplant. "Die Schneemassen stammen von einer Lawine aus den Vortagen und waren beim vorherigen Erkundungsflug mit dem Helikopter nicht zu erkennen", teilte die Matterhorn-Gotthard-Bahn mit.

Zwischen Zermatt und Täsch gibt es zwar eine kleine Straße, aber der Ort Zermatt ist eigentlich autofrei. Feriengäste reisen per Bahn an.

Um 17:15 Uhr wollen die Verantwortlichen einen neuen Versuch starten, den Bahnverkehr wieder aufzunehmen.

Einige Hubschrauber der Air Zermatt waren noch auf Erkundungsflügen unterwegs, um Hänge zu beurteilen oder Lawinensprengungen vorzunehmen. Andere flogen die, die es eilig hatten, ins fünf Kilometer entfernte Täsch.

"Es gibt wieder eine Luftbrücke", sagte Imesch am Mittag, nachdem die geplante Öffnung der Bahnstrecke nach Täsch sich zunächst verzögerte. "Es besteht Andrang, man bittet um Geduld." Von Täsch aus brachten Busse die Abreisewilligen ins Tal.

Die Luftbrücke werde um 17:00 Uhr wegen der Lichtverhältnisse eingestellt, teilte der Tourismusverband am Nachmittag mit.

Lawinen werden abgesprengt

Lawinen könnten sowohl über feste Sprengeinrichtungen als auch durch das Abwerfen von Sprengladungen in die Hänge ausgelöst werden, erläutert Lawinenexpertin Pielmeier.

"In manchen Lawinenzügen stehen Sprengmasten, bei denen ferngesteuert eine Klappe geöffnet werden kann, aus der eine Sprengladung in den Hang abgesenkt oder ausgeworfen wird", sagt sie.

"An anderen gefährdeten und unzugänglichen Hängen kann ein Gasgemisch gezündet werden." Dabei trete Gas über ein Zündrohr aus. Die Druckwelle löst die Lawine aus. "Am besten ist es, oberhalb der Schneeoberfläche eine Detonation zu erzeugen."

Auch andere Regionen abgeschnitten

Außer Zermatt waren auch andere Schweizer Ferienregionen abgeschnitten, darunter das Saas-Tal mit Saas-Fee mit etwa 2.000 Feriengästen. Dort nutzten die Behörden das gute Wetter auch zu Lawinensprengungen, wie Claudine Perrothon vom Tourismusbüro sagte.

Die Sperrung der Zufahrtsstraße sei kein Novum. "Das kann immer mal passieren", sagte sie. Die Lawinengefahr war nicht gebannt, nur entspannter als an Vortagen, hieß es.

Auch in Italien blieb die Lage teils angespannt. In Breuil-Cervinia im Aostatal, das mit dem Skigebiet Zermatt verbunden ist, saßen am Mittwochmorgen noch 5.000 Einwohner und Touristen fest. Die Zufahrtsstraße sollte im Laufe des Tages wieder geöffnet werden.

Versorgungsprobleme gab es in Zermatt und anderswo nicht. "Hotels und Restaurants sind gut ausgestattet, bei Essen und Trinken gibt es keinerlei Engpässe", sagte Imesch von Zermatt Tourismus.

"Wir sind als Winterdestination immer darauf eingestellt, dass die Bahn mal wetterbedingt nicht fährt. Wir halten es lange auch ohne Nachschub aus." (dpa/ank)

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