Auf dem Gelände eines Gefängnisses, das bis vor Kurzem vom IS kontrolliert wurde, haben Milizen die Leichen von 500 ermordeten Menschen entdeckt. Bei den Opfern soll es sich um Jesiden handeln.

Wenige Tage nach der Rückeroberung des Badusch-Gefängnisses von der Terrormiliz "Islamischer Staat" (IS) haben Milizen auf dem Gelände ein Massengrab entdeckt. Nach Angaben der Haschd al-Schaabi sind dort die Leichen von rund 500 Menschen begraben. Die Menschen seien ermordet worden.

Hinrichtungen durch den IS

In der Vergangenheit hatte es mehrere Berichte über Hinrichtungen in dem Gefängnis bei Mossul gegeben. Nach Angaben der Menschrechtsorganisation Human Rights Watch töteten IS-Kämpfer 600 Gefangene.

Die Terrormiliz habe 600 Männer hingerichtet, heißt es auch in einem Uno-Bericht von 2015. Darin schilderten Überlebende der Massenhinrichtung, dass die Häftlinge zu einer Schlucht gefahren und dort erschossen wurden.

Bei den Opfern soll es sich um Jesiden handeln. Hunderte Frauen der religiösen Minderheit sollen nach Angaben der irakischen Abgeordneten Vian Dachil gefangen gehalten und als Sexsklavinnen missbraucht worden sein.

Regierungstruppen stehen kurz vor der Eroberung Mossuls

Irakische Regierungstruppen und die verbündeten Milizen stehen kurz vor der Rückeroberung von Mossul. Den Ostteil der zweitgrößten irakischen Stadt hatten die irakischen Sicherheitskräfte bereits Ende Januar eingenommen. Am 19. Februar starteten sie eine Offensive zur Rückeroberung des dichter besiedelten Westteils von Mossul. (Lesen Sie hier mehr über den Niedergang des IS.)

Der IS hatte die Stadt im Juni 2014 eingenommen. Mossul ist für die Terrormiliz von besonderer Bedeutung: Hier hatte selbst ernannte Kalif und Anführer Abu Bakr al-Baghdadi im Juli 2014 seinen ersten und einzigen öffentlichen Auftritt. Mit dem Vorrücken der Regierungstruppen steht der IS im Irak kurz vor dem Niedergang.

Beim Kampf gegen den IS sind Soldaten und Milizen in den vergangenen Monaten immer wieder auf Massengräber gestoßen. Im Januar entdeckten sie in einem Komplex des Präsidentenpalastes in der Stadt Tikrit 89 Leichen - bei den Toten soll es sich um Soldaten handeln, die Mitte 2014 von der Terrormiliz gefangen genommen worden waren.© SPIEGEL ONLINE

Während der sogenannte Islamische Staat weiter in der Defensive ist, wollen sich die USA im Syrien-Krieg mehr engagieren und offenbar stärker mit Russland abstimmen. Profitieren könnte von der neue Gemengelage vor allem das Regime des syrischen Präsidenten Baschar al-Assad. Ein Experte sagt, Assads Perspektive sei "weitaus besser als vor zwei Jahren".