Mossul: Entscheidungsschlacht gegen "Islamischer Staat" in der Altstadt

Die Schlacht um die nordirakische IS-Hochburg Mossul geht in die entscheidende Phase. US-Kommandeure sprechen davon, der Altstadt von Mossul stünde der brutalste Häuserkampf seit Ende des 2. Weltkrieges bevor.

Die Schlacht um die nordirakische IS-Hochburg Mossul geht in die entscheidende Phase. Das irakische Militär startete am Sonntag nach eigenen Angaben eine Offensive auf die dicht bebaute Altstadt.
US-Kommandeure sprechen davon, der Altstadt von Mossul stünde der brutalste Häuserkampf seit Ende des 2. Weltkrieges bevor.
Spezial-Einheiten bereiten sich auf den Kampf vor. Die Einnahme des Zentrums von Mossul wäre gleichbedeutend mit der kompletten Eroberung der letzten bedeutenden Stadt in den Händen der Terrormiliz im Irak.
Die Streitkräfte teilten am Nachmittag mit, sie seien bereits etwa 100 Meter tief in das Dschihadistengebiet vorgerückt.
Der letzte Stadtteil unter IS-Kontrolle hat einen Durchmesser von etwa einem bis 1,5 Kilometer.
Das Leid der Zivilbevölkerung ist unermesslich. Lebten 2010 noch knapp drei Millionen Menschen in Mossul, sind es inzwischen nach Schätzungen nur noch eine Million, davon 400.000 in den IS-Vierteln.
"Die Truppen der Armee, Anti-Terror-Einheiten und die staatliche Polizei begannen mit der Erstürmung der Altstadt Mossuls", hatte es in einer knappen Stellungnahme am Sonntagmorgen geheißen.
Die Befreiung der größten irakischen Stadt unter IS-Kontrolle begann im Oktober 2016. Tausende Menschen starben bisher, Hunderttausende Zivilisten flüchteten.
Neben Nahrung und Medikamenten ist in diesem Flüchtlingscamp in Jed'ah auch Strom für Mobiltelefone verfügbar. Oft ist das Handy der einzige Weg, den Kontakt zu den Familien aufrechtzuerhalten.
Gerade in dem dicht bebauten Stadtkern Mossuls waren die Verluste bei den Kämpfen zuletzt sehr hoch.
Die Häuserkämpfe in den engen Vierteln verlangen einen hohen Blutzoll, seit im Oktober 2016 die Rückeroberung Mossuls durch die Koalitionstruppen begann. Luftangriffe sollen den IS zermürben.
Dass die irakische Armee überhaupt in der Lage war, den IS auf breiter Front zurückzudrängen, ist vor allem der massiven Unterstützung durch die USA zu verdanken.
Die Front in der Al-Shifa-Nachbarschaft, die im Westen Mossuls liegt, ist eine von drei neu eröffneten Fronten. Die irakischen Soldaten wollen den Druck auf den IS, der sich in der Altstadt von Mossul verschanzt hat, weiter verstärken.
Die Antiterroreinheit CTS patrouilliert nahe der Altstadt Mossuls. Für den IS wichtig ist die dort gelegene Al-Nuri-Moschee. Dort hat IS-Anführer Abu Bakr al Baghdadi Juli 2014 das "Kalifat" des IS proklamiert.
Bislang wurden der Sitz der Regionalregierung, das Mossul-Museum und der Bahnhof im Westen zurückerobert. Amnesty International kritisierte die Koalitionstruppen, sie träfen keine ausreichende Vorsorge zum Schutz der Zivilisten.
Irakische Soldaten der 9. und 16. Kompanie nehmen an einer Operation zur Befreiung des Stadtteils Al-Zinjili teil. Strategisch wichtig sind die von Mossul gen Westen führenden Straßen nach Syrien, ins Herzland des IS.
Wo der IS im Westteil der Stadt abzieht, bietet sich ein Bild der Zerstörung. Laut UN wurden mindestens 163 Zivilisten vom IS ermordet, als sie aus dem Viertel Al-Schira fliehen wollten.
Augenzeugen und Sicherheitskreise berichteten von heftigen Kämpfen in der Stadt.
Die geplante Rückeroberung Mossuls ist nicht nur humanitär ein Kraftakt. Eine stabile Nachkriegsordnung zwischen Sunniten und Schiiten, Kurden, Zentralregierung und türkischen Interessen umzusetzen, wird schwierig.
Vor dem Krieg waren es vor allem die reichen Ölfelder in der Umgebung Mossuls, die Geld einbrachten. Außerdem war Mossul ein Zentrum für Textil- und Lederwaren.
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