Nach heftigen Gefechten haben IS-Kämpfer offenbar Teile der antiken syrischen Oasenstadt Palmyra aufgegeben. Für die Soldaten des Regimes ist der Rückzug dennoch hochgefährlich.

Seit Wochen versucht die syrische Armee, Kämpfer der Extremistenmiliz "Islamischer Staat" (IS) aus der antiken Oasenstadt Palmyra zu vertreiben. Nach schweren Gefechten sollen sich die Dschihadisten jetzt nur noch im Westen des Ortes aufhalten.

Problematische Informationslage in Krisengebiet

Große Teile der Stadt seien von ihnen aufgegeben worden, berichtet die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte.

Angaben aus einem Kriegsgebiet sind nur schwer überprüfbar, die Informationen der Beobachtungsstelle haben sich in der Vergangenheit aber häufig als richtig herausgestellt.

Syrische Staatsmedien berichteten ebenfalls, dass die Armee wichtige Gebiete in der Umgebung der Stadt kontrolliere.

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Exklusiv-Fotos: Kampf gegen IS-Terror aus Sicht der Soldaten

Fotograf Sylvio Hoffmann begleitet "embedded" Anti-IS-Koalition beim Kampf um Mossul - exklusive Fotos für unsere Redaktion.

Für die Soldaten der syrischen Regierung ist der Rückzug des IS dennoch hochgefährlich: Die Extremisten sollen in der ganzen Stadt Minen deponiert und in den östlichen Gebieten Palmyras auch Selbstmordattentäter zurückgelassen haben.

Den Regierungstruppen sei es deshalb noch nicht gelungen, in das Stadtzentrum und die östlichen Stadtteile vorzudringen.

Syrische Staatsmedien berichteten ebenfalls, dass die Armee wichtige Gebiete in der Umgebung der Stadt kontrolliere.

IS gelang Rückeroberung von Palmyra

Die syrische Armee versucht seit Wochen mit russischer Unterstützung, die Oasenstadt in der Provinz Homs mit Bodentruppen und Luftangriffen einzunehmen. Palmyra zählt seit 1980 zum Unesco-Weltkulturerbe.

Die IS-Miliz hatte die Stadt erstmals im Mai 2015 eingenommen. Nach ihrer Vertreibung durch die syrische Armee im März vergangenen Jahres eroberte der IS die Stadt im Dezember erneut.

Während ihrer Herrschaft zerstörten die IS-Kämpfer dort zahlreiche einzigartige Kulturgüter, darunter den berühmten Baal-Tempel, den prachtvollen Triumphbogen und mehrere antike Grabtürme.

Auf Mitte Februar veröffentlichten Bildern der russischen Armee waren weitere Zerstörungen am Tetrapylon zu erkennen, einem aus vier Türmen bestehenden Monument mit 16 Säulen vom Ende des 3. Jahrhunderts. Die Uno stufte diese Zerstörungen als "Kriegsverbrechen" ein.© SPIEGEL ONLINE