In den sozialen Netzwerken posieren Anhänger der Terrormiliz Islamischer Staat mit Nutella-Gläsern. Sie zeigen sich Fast Food essend oder mit kleinen Kätzchen schmusend. Eine Studie aus Schweden beleuchtet, welche Masche dahintersteckt.

Waffen, Männer mit Sturmhauben, Flaggen. Das ist der Stoff, aus dem das Propaganda-Material des sogenannten Islamischen Staates für gewöhnlich gemacht ist.

Doch es gibt auch eine andere, scheinbar weichere Seite, mit der die Terrormiliz wirbt: Im Netz pflegt der IS eine Subkultur, zu der unter anderem Fast Food, Katzen, Baggypants, Sneakers und westliche Süßigkeiten wie Nutella gehören.


Auf Facebook, Twitter, Instagram und Co. verbreiten Dschihadisten Fotos und Videos, die dank dieser Accessoires völlig gewöhnlich wirken - zumindest auf den ersten Blick. Denn häufig ist zusätzlich doch noch ein Maschinengewehr oder eine andere Waffe im Bild.


"Jihadi cool" nennt eine schwedische Forschergruppe diese Subkultur. Seit März 2015 und noch bis 2019 untersuchen Lisa Kaati und ihr Team die IS-Propaganda im Netz.

Jüngst haben sie einen ersten Zwischenbericht zu der Studie veröffentlicht, die die Regierung von Schweden beim FOI in Auftrag gegeben hat, einer Forschungseinrichtung, die dem Verteidigungsministerium unterstellt ist. Der Titel: "Das digitale Kalifat: Eine Studie zur Propaganda des Islamischen Staats."

IS will im Westen gefallen

Burger oder Schuhe von Nike - es sind Dinge, die für den von der Terrormiliz verhassten Westen stehen, für das konsumorientierte Leben der vermeintlich Ungläubigen. Warum umgeben sich die Dschihadisten ausgerechnet damit?

Al-Kaida und der IS breiten sich im Jemen aus. Stoppen könnte sie nur Frieden.


Die Masche dahinter hat Wissenschaftlerin Kaati der Zeitung "The Local" erklärt: Die Islamisten versuchen, potenziellen Unterstützern im Westen zu gefallen.

"Die Menschen, die die Propaganda ansprechen soll, sind häufig Immigranten der zweiten Generation. Sie sind in westlichen Ländern aufgewachsen. Diese Dinge gehören zu ihrem Lifestyle dazu."

Weiter führt Kaati aus: "Für diejenigen, auf die die Propaganda abzielt, ist Ideologie zweitrangig. Für sie geht es mehr um Lifestyle, um Coolness, darum, viele Waffen zu haben - wie in den Videospielen Grand Theft Auto."

In jüngerer Zeit allerdings habe sich die Ansprache verändert, so die Erkenntnis der Forscher. Bis zum September 2016 hätten die IS-Anhänger vor allem zeigen wollen, wie toll es im selbst ausgerufenen Kalifat laufe - Nutella und Nike-Schuhe inklusive.

Kalifat und Vermögen schrumpfen

Zwischenzeitlich aber sei der Fokus ein anderer. Verstärkt werden Fahrzeuge und Messer gezeigt. "Jetzt geht es um den Kampf, vor allem darum, im Heimatland Anschläge zu verüben", sagt Kaati.

Der Bruch dürfte damit zu erklären sein, dass der IS in den vergangenen Monaten militärisch enorm unter Druck geraten ist. In Syrien und im Irak hat die Miliz Territorien eingebüßt.

Nicht nur das Kalifat schrumpft, auch die finanziellen Mittel. Experten schließen daraus, dass es dem IS zunehmend schwerer fällt, koordinierte Anschläge zu organisieren und er deshalb auf Attentate mit einfachen Mitteln wie Lastwagen, Autos, Macheten und Messern setzt. Dazu muss er die künftigen Attentäter nicht zur Ausbildung ins IS-Kalifat locken.

Die Anschläge in Berlin, Stockholm und London haben gezeigt, wie erschreckend gut die IS-Propaganda auch ohne Kätzchen und Nutella funktioniert.

Bildergalerie starten

Mossul: Entscheidungsschlacht gegen "Islamischer Staat" in der Altstadt

Die Schlacht um die nordirakische IS-Hochburg Mossul geht in die entscheidende Phase. US-Kommandeure sprechen davon, der Altstadt von Mossul stünde der brutalste Häuserkampf seit Ende des 2. Weltkrieges bevor.