Syrische Flüchtlinge sollten zurück in ihre Heimat, findet die AfD. Eine Gruppe von Abgeordneten der Rechtspopulisten reiste nun nach Damaskus, um die Ansicht zu untermauern, das Bürgerkriegsland Syrien sei sicher. Politiker anderer Parteien sind empört.

Eine Gruppe von AfD-Politikern ist nach Damaskus gereist, um die Forderung ihrer Partei nach einer Rückkehr der in Deutschland lebenden syrischen Flüchtlinge zu unterstreichen.

Auf ihrer umstrittenen Reise haben Abgeordnete der AfD am Mittwoch einen ranghohen Vertreter der Regierung von Präsident Baschar al-Assad getroffen.

Der nordrhein-westfälische Landtagsabgeordnete Christian Blex schrieb auf seiner Facebook-Seite, der Staatsminister für nationale Versöhnung, Ali Haidar, habe ihnen bei der Begegnung am Dienstagabend gesagt, es seien bereits mehr als 100.000 ehemals feindliche Kämpfer wieder "friedlich in das Zivilleben integriert worden".

Sein Parteikollege Thomas Röckemann postete Bilder von einem Markt in Damaskus und schrieb: "Stimmt vielleicht etwas nicht mit der offiziellen Berichterstattung durch die öffentlich rechtlichen Zwangsmedien?"

Helfer und Journalisten haben oft den Kontrast zwischen dem weitgehend normalen Alltag in den von Regierungstruppen kontrollierten Vierteln von Damaskus und dem Leid der Zivilisten in den von Luftangriffen und Blockade betroffenen Rebellengebieten im Umland beschrieben.

SPD: Reise wird ein Nachspiel haben

Kritik kommt von allen Seiten: Die Grünen-Bundestagsabgeordnete Franziska Brantner sagte, wenn AfD-Abgeordnete jetzt "Leuten die Aufwartung machen, die ihre eigene Bevölkerung terrorisieren", sollte auch dem Letzten hierzulande klar sein, was diese Partei "im Schilde führt".

Die Junge Union kommentierte den AfD-Besuch in Damaskus mit den Hinweis: "1.000 Kinder sind in Syrien laut Unicef seit Jahresbeginn getötet worden."

Der SPD-Außenexperte Rolf Mützenich sagte dem "Kölner Stadtanzeiger": "Das folgt einer gewissen Strategie, das Regime von Assad und seine Unterstützer aufzuwerten". Er kündigte ein Nachspiel im Bundestag an. "Das wird ein Thema in den Ausschüssen sein. Der Ältestenrat wird auch prüfen, wer die die Reise finanziert hat."

Am Dienstag hatte die Delegation unter anderem den syrischen Großmufti Ahmed Hassun getroffen. Dieser hatte 2011 gedroht, sein Land werde im Falle einer westlichen Intervention Selbstmordattentäter nach Europa und Amerika schicken.

An der Reise nahmen den Angaben zufolge unter anderem die Bundestagsabgeordneten Frank Pasemann (Sachsen-Anhalt), Jürgen Pohl (Thüringen), Udo Hemmelgarn und Harald Weyel (NRW) sowie Landtagsabgeordnete aus Nordrhein-Westfalen teil.  © dpa