Die Verlegung der US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem könnte zu einer Spirale der Gewalt führen. Vor der feierlichen Eröffnung am heutigen Montag rief der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, zum Dschihad gegen die USA auf.

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Unmittelbar vor der Einweihung der US-Botschaft in Jerusalem hat der Chef des Terrornetzwerks Al-Kaida, Aiman al-Sawahiri, Muslime zum Dschihad gegen die USA aufgerufen.

Die Entscheidung der USA, ihre Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem zu verlegen, habe gezeigt, dass Verhandlungen und "Beschwichtigungen" den Palästinensern nichts gebracht hätten, sagte Sawahiri am Sonntag laut dem auf die Überwachung islamistischer Internetseiten spezialisierten US-Unternehmen SITE in einer Video-Botschaft mit dem Titel "Tel Aviv ist auch ein Land der Muslime".

Al-Sawahiri wirft Autonimiebehörde vor, "Verkäufer Palästinas" zu sein

Der Palästinensischen Autonomiebehörde warf Sawahiri in der Botschaft demnach vor, ein "Verkäufer Palästinas" zu sein. Seine Anhänger rief er auf, zu den Waffen zu greifen.

Sawahiri warf zudem US-Präsident Donald Trump vor, "das wahre Gesicht des modernen Kreuzzugs offenbart" zu haben. Dieses zeige, dass "Beschwichtigungen" nicht funktionierten, "sondern nur Widerstand" durch "Dschihad", sagte Sawahiri.

Trump hatte Jerusalem als Hauptstadt Israels anerkannt

Zum 70. Jahrestag der Gründung Israels eröffnen die USA in einem umstrittenen Schritt ihre Botschaft in Jerusalem. US-Präsident Donald Trump hatte Jerusalem im Dezember im Alleingang als Israels Hauptstadt anerkannt. Aus den USA nimmt eine Riesendelegation an der Eröffnungszeremonie teil, die Israel als großen Triumph feiert. Auch Präsidententochter Ivanka Trump und ihr Ehemann Jared Kushner sind angereist. Bisher befand sich die US-Botschaft in der Küstenmetropole Tel Aviv.

Der Umzug stößt auf heftige Kritik der Palästinenser, die Ost-Jerusalem als Hauptstadt eines zukünftigen Palästinas sehen. Eine Million Menschen wollen im Gazastreifen an der Grenze zu Israel protestieren. Auch in Ramallah werden Tausende bei einem Marsch durch die Stadt erwartet.

Bei den palästinensischen Protesten werden gewaltsame Konfrontationen mit israelischen Sicherheitskräften befürchtet.

Status von Jerusalem bietet seit Jahren Anlass zu Streit und Gewalt

Die Stadt Jerusalem beherbergt bedeutende religiöse Zentren für Judentum, Islam und Christentum. Seit 1967 hält Israel neben dem westlichen auch den arabisch geprägten Ostteil. Der Status der Stadt ist eine der zentralen Streitfragen im Nahost-Konflikt.

Israel beansprucht Jerusalem als seine "ewige und unteilbare Hauptstadt". Den Anspruch der Palästinenser auf den Ostteil als künftige Hauptstadt eines unabhängigen Palästinenserstaats lehnt Israel ab.

Nach Ansicht der internationalen Gemeinschaft muss der Status Jerusalems in Friedensgesprächen beider Parteien festgelegt werden. Auch verschiedene Lösungsvorschläge der USA sahen bislang eine Aufteilung der Stadtgebiete unter Israelis und Palästinensern vor. (mgb/afp/dpa)

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