Deutschland begeht am 27. Januar den Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Prominente Politiker wie Angela Merkel und Sigmar Gabriel nutzten die Gelegenheit für emotionale und gleichzeitig mahnende Worte.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hat es aus Anlass des Holocaust-Gedenktags als "Schande" bezeichnet, dass keine jüdische Einrichtung in Deutschland ohne Polizeibewachung existieren kann.

Es sei eine "tägliche Aufgabe", sich mit aller Kraft Antisemitismus und Fremdenfeindlichkeit entgegenzustellen, sagte sie in einer Video-Botschaft vom Samstag.

Zurzeit gebe es wieder mehr Antisemitismus, auch Fremdenfeindlichkeit und Hass gegen Andere, kritisierte die Kanzlerin.

Zugleich warnte sie davor, dass die Verbrechen des Nationalsozialismus in Vergessenheit geraten könnten.

"Wir können eine gute Zukunft nur gestalten, wenn wir sie mit der Vergangenheit gestalten und nicht Debatten führen, dass wir das nicht mehr brauchen. Deshalb ist mir das sehr wichtig, dass es diesen Tag gibt und dass er auch über die Zeit - die heutige Zeit - hinaus bestehen wird."

Gabriel: "Schmerz und Trauer immer Teil von uns"

Auch Außenminister Sigmar Gabriel (SPD) nutzte den Anlass des Gedenktages, um zum Kampf gegen Antisemitismus und für den Frieden aufzurufen.

"Der Schmerz um das, was Menschen anderen Menschen antun können und angetan haben, die Trauer und Erinnerung an alle, die ihrer Würde beraubt, um ihre Existenz gebracht, verfolgt, gemartert, gedemütigt, ermordet wurden, sind auf immer Teil von uns", sagte Gabriel.

Niemand könne das Rad der Geschichte zurückzudrehen, aber jeder und jede Verantwortung für die Zukunft übernehmen.

"Aus dem Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus erwächst ein Auftrag: uns weltweit gegen Ausgrenzung und Hass, gegen Antisemitismus und alle anderen Formen von Rassismus zu wenden und für die Achtung der Menschenrechte, für Frieden und Versöhnung einzusetzen", forderte der Sozialdemokrat.

Holocaust-Überlebende beklagt Fremdenfeindlichkeit in Deutschland

Die Holocaust-Überlebende Hanni Lévy hat auf dem Grünen-Parteitag in Hannover untderdessen zunehmende Fremdefeindlichkeit in Deutschland beklagt. "Früher hat man gesagt, die Juden sind an allem schuld, heute sind es die Flüchtlinge", sagte die 93-Jährige. "Man sollte nie vergessen, wie schwer es für Menschen ist, alles zurückzulassen, um zu leben."

Lévy gehört zu den etwa 2.000 Juden, die den Holocaust in Berlin überlebten. Von 1942 bis Kriegsende versteckte sie sich bei verschiedenen Helfern, die sie als "die richtigen Helden" würdigte. "Ich stehe hier als Beispiel, dass die Deutschen nicht alle Mörder waren."

Die Grünen luden Lévy anlässlich des Holocaust-Gedenktags als Rednerin zum Parteitag ein. Bundestagsvizepräsidentin Claudia Roth mahnte, dass die Erinnerung an den Holocaust wichtiger denn je sei. "Dieses 'Nie wieder' setzt voraus, dass wir uns erinnern", sagte sie.

Offizieller Gedenktag seit 1996

Am 27. Januar 1945 hatten sowjetische Truppen das Konzentrations- und Vernichtungslager Auschwitz befreit.

Allein dort waren etwa 1,1 Millionen Menschen ermordet worden. Seit 1996 ist der 27. Januar in Deutschland Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus.

Dabei wird der sechs Millionen ermordeten europäischen Juden gedacht, der Sinti und Roma, der Zwangsarbeiter, der dem Hungertod preisgegebenen Kriegsgefangenen, der Opfer staatlicher Euthanasie, der Homosexuellen und aller, die sich aus religiösen, politischen oder schlicht menschlichen Beweggründen dem Terror widersetzten und deswegen der totalitären Staatsgewalt zum Opfer fielen. (dpa/fte)

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