Das Ziel der Angriffe sei erreicht - das sagen die USA und Frankreich. Demnach seien die in der Nacht durchgeführten Militärschläge auf Forschungs-, Produktions- und Lagerstätten für Chemiewaffen erfolgreich gewesen. Laut Russland sind hingegen die meisten Raketen abgefangen worden. Derweil will die britische Premierministerin Theresa May die Angriffe auch als Signal an eben jenes Russland verstanden wissen.

US-Präsident Donald Trump hat die westlichen Raketenangriffe auf Syrien als "perfekt ausgeführte Angriffe" gelobt. "Mission erfüllt!", schrieb Trump am Samstag auf Twitter.

Die Angriffe "hätten kein besseres Ergebnis haben können". Am Vorabend hatte er in einer Rede an die Nation "Präzisionsschläge auf Ziele" angekündigt, "die mit den Chemiewaffenfähigkeiten des syrischen Diktators Baschar al-Assad in Verbindung stehen".

Jetzt betonte er: "Danke an Frankreich und das Vereinigte Königreich für ihre Klugheit und die Stärke ihres ausgezeichneten Militärs." Auch den eigenen Soldaten dankte er in einem Tweet.

US-Verteidigungsminister James Mattis sagte, der Schlag gegen Syrien sei härter gewesen als der im Vorjahr. Es seien etwa doppelt so viele Waffen eingesetzt worden wie beim Angriff 2017.

Laut Mattis handelte es sich um eine begrenzte, einmalige Aktion. Weitere Angriffe seien nicht geplant, sagte er.

Frankreich zufrieden mit den Angriffen

Zuvor hatte sich bereits Frankreich zufrieden mit den Angriffen gezeigt. Das Ziel des Einsatzes, das syrische Chemiewaffen-Arsenal zu zerstören, ist nach Angaben der französischen Regierung "zu einem großen Teil" gelungen.

Zugleich drohte Außenminister Jean-Yves Le Drian mit "einer weiteren Intervention", sollte es in Syrien erneut einen Chemiewaffenangriff geben.

"Hinsichtlich der chemischen Waffen gibt es eine rote Linie, die nicht überschritten werden darf", sagte Le Drian. "Wenn sie überschritten wird, gibt es eine weitere Intervention."

Frankreich lobte zudem die Zusammenarbeit mit den USA und Großbritannien. Man sei sich sehr schnell über die Ziele einig gewesen, hieß es aus Diplomatenkreisen.

Demnach wurde sich auf Forschungs-, Produktions- und Lagerstätten für Chemiewaffen konzentriert, andere Ziele wie Flughäfen habe man nicht in Erwägung gezogen.

Französische Diplomaten sprachen von einer komplexen Operation. Sie habe eine intensive Koordination verlangt, denn die Geschosse seien von verschiedenen Standorten abgefeuert worden. Die Angriffe sollen am Ende rund 45 Minuten gedauert haben.

Russland will 71 Raketen abgefangen haben

Nach russischen Angaben soll es sich um insgesamt mehr als 100 Geschosse gehandelt haben, die ab 3:55 Uhr Ortszeit (2:55 MESZ) auf Syrien niedergegangen seien. Ziel sei demnach auch die Hauptstadt Damaskus gewesen.

Die Raketen sind "vom Meer und aus der Luft auf syrische militärische und zivile Ziele" geschossen worden, zitierte die russische Nachrichtenagentur RIA Nowosti eine Erklärung des russischen Verteidigungsministeriums am Morgen.

Demnach sei aber eine "bedeutende Zahl" dieser Raketen von der syrischen Luftabwehr abgeschossen worden.

Russland nannte mittlerweile eine genaue Zahl: 71 der 103 Marschflugkörper sollen vor dem Einschlag abgefangen worden sein.

Man habe dabei ein Abwehrsystem benutzt, das in der Sowjetunion entwickelt worden sei und mehr als 30 Jahre alt sein soll. Russische Einheiten sollen aber nicht eingegriffen haben, hieß es.

Frankreich hatte Russland im Vorfeld über die Angriffe informiert. Dabei sei es darum gegangen, Missverständnisse zu vermeiden, hieß es aus Kreisen des französischen Verteidigungsministeriums. "Das besteht darin zu sagen: Vermeidet, im Weg zu stehen, denn wir kommen."

Auch die US-Streitkräfte achteten penibel darauf, möglichst keine russischen Ziele zu treffen. Bei der Auswahl der Angriffsziele sei es auch darum gegangen, "das Risiko einer Verwicklung russischer Truppen abzumildern", sagte US-Generalstabschef Joseph Dunford.

May will Angriff auch als Warnung an Russland verstanden wissen

Frankreich hofft mit den Luftschlägen auf eine politische Lösung des Konflikts. Der Angriff sei eine militärische Antwort darauf gewesen, dass Syrien gegen das Verbot von Chemiewaffen verstoßen habe. Jetzt werde man abwarten, ob die politische Botschaft verstanden wurde.

Auch die britische Premierministerin Theresa May beurteilt den Militäranschlag auf das syrische Regime als Erfolg - und gleichzeitig auch als Warnung an Russland.

"Wir können nicht erlauben, dass der Gebrauch chemischer Waffen normal wird: innerhalb Syriens, auf den Straßen Großbritanniens oder irgendwo sonst in unserer Welt", sagte sie.

Damit bezieht sie sich zugleich auf den Giftanschlag auf den russischen Ex-Spion Sergej Skripal in Großbritannien. Das Land beschuldigt Russland, dahinter zu stecken.

Es habe keine Alternative zu dem gezielten und effektiven Luftangriffen gegeben, sagte May weiter. Der Militärschlag werde ein deutliches Signal an jeden senden, der glaube, er könne chemische Waffen straflos nutzen.

Welche Orte in Syrien von den Alliierten angegriffen wurden

Forschungszentrum in Barsah

Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldet, dass die Forschungseinrichtung nördlich von Damaskus bei dem Angriff zerstört worden sei.

In Barsah ist offiziell eine Zweigstelle des staatlichen Zentrums für wissenschaftliche Studien und Forschung untergebracht. Das Pentagon spricht hingegen von einer Militäreinrichtung im Großraum von Damaskus, das ein Zentrum für die "Erforschung, Entwicklung, Produktion und Erprobung chemischer und biologischer Kriegstechnologie" sei.

Lagerstätte und Kommandozentrale bei Schien

In dem Depot westlich der Stadt Homs in Zentralsyrien lagerte nach Angaben von US-Generalstabschef Joseph Dunford der chemische Kampfstoff Sarin.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, bei Schien sei auch eine Forschungseinrichtung gewesen. Die syrische Armee meldete drei verletzte Zivilisten durch den Angriff.

Nahe der Lagerstätte haben die USA eigenen Angaben zufolge auch einen wichtigen Kommandoposten der syrischen Armee bombardiert. Diesem sei ein Lager für Chemiewaffenausrüstung angeschlossen gewesen.

Militärflughafen bei Dumair

Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge wurde der Militärflughafen Dumair östlich von Damaskus angegriffen. Die syrische Luftabwehr habe aber alle zwölf Geschosse abgefangen.

Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte bestätigte, dass "Raketen" abgefangen worden seien und kein Geschoss in Dumair eingeschlagen sei. Die USA erwähnten den Flughafen in ihrer Auflistung der "angegriffenen und zerstörten" Ziele nicht.

Von dem Flughafen östlich von Damaskus sollen die Helikopter des Typs Mi-8 Hip gestartet sein, die nach westlichen Angaben den Giftgasangriff in Duma am Samstag vor einer Woche ausführten.

Womit die Alliierten angegriffen haben

Marschflugkörper

Anders als ballistische Raketen sind sie mit eigenem Antrieb unterwegs. Die Cruise Missiles treffen ein zuvor programmiertes Ziel automatisch.

Gängiges Modell des US-Militärs ist der auf Schiffen stationierte "Tomahawk".

Briten und Franzosen setzen auf ein gemeinsam entwickeltes Modell mit Namen "Storm Shadow" oder "Scalp". Es kann von Kampfjets wie Tornados oder der französischen Rafale abgefeuert werden.

Flugzeuge

Weitere Marschflugkörper feuerten die USA nach eigenen Angaben von vierstrahligen B-1-Bombern ab.

Großbritannien war mit mehreren Tornados am Militärschlag beteiligt, die Franzosen setzten insgesamt neun Jagdbomber vom Typ Rafale und Mirage sowie Luftaufklärer und Tankflugzeuge ein.

Schiffe

Mindestens ein im Roten Meer stationiertes Kriegsschiff der US-Marine war nach Medienberichten an den Luftschlägen beteiligt, die Zerstörer können Dutzende Cruise Missiles transportieren.

Von Fregatten der Baureihe FREMM (frégate multi-mission) aus lenkte die französische Marine weitere Marschflugkörper ins Ziel.

(cai/dpa/afp)