Fast gleichzeitig reisen die Kanzlerin und die Verteidigungsministerin in die USA - in zwei Flugzeugen. Nach SPIEGEL-Informationen gab es angeblich ein Platzproblem, aus der Opposition kommt scharfe Kritik.

Zwei Tage nach der Bekanntgabe des Klimapakets der Bundesregierung fliegen die Kanzlerin und die Verteidigungsministerin an die US-Ostküste - und zwar in getrennten Flugzeugen. Nun steht die Frage im Raum, ob die Politikerinnen nicht auch zusammen hätten reisen können.

Nach SPIEGEL-Informationen hatten die Behörden zunächst versucht, die Reisen zusammen zu planen. Demnach hatte das Kanzleramt vorgegeben, dass die Delegation von Kramp-Karrenbauer kleiner als zehn Personen sein müsse, um mitfliegen zu können. Das Protokoll der Verteidigungsministerin hatte jedoch ein gutes Dutzend Beamte, Militärs und Personenschützer für die Reise eingeplant.

Diese fliegen nun mit Kramp-Karrenbauer in einem A310 der Luftwaffe. Diese Maschine wird eigentlich für Truppentransporte nach Afghanistan oder Mali eingesetzt und ähnelt vom Komfort einem Urlaubsflieger. Wegen der Engpässe bei den VIP-Fliegern hatte auch Kramp-Karrenbauers Amtsvorgängerin Ursula von der Leyen in den vergangenen Monaten häufiger auf dieses Flugzeug zurückgegriffen.

Grünen-Sprecher Lindner: "Niveau von Kleinkindern"

Aus den Reihen der Grünen kommt scharfe Kritik an dem Vorgang. "Der Umgang in der Bundesregierung mit den Maschinen der Flugbereitschaft hat das Niveau von Kleinkindern, die sich um Sandförmchen streiten", sagte der verteidigungspolitische Sprecher Tobias Lindner dem SPIEGEL.

"Der zusätzliche Flug ist nicht nur ökologisch unsinnig, sondern auch Steuergeldverschwendung", sagte Lindner weiter. Er wolle die Vielfliegerei der Regierung kommende Woche im Haushaltsausschuss diskutieren.

Nach SPIEGEL-Informationen kostet eine Flugstunde einer Regierungsmaschine zwischen 24.000 und 35.000 Euro, das geht aus internen Dokumenten der dafür zuständigen Bundeswehr hervor. Das zusätzliche Flugzeug für die Reise Kramp-Karrenbauers dürfte in diesem Fall mindestens 360.000 Euro kosten.

Merkel fliegt an diesem Sonntag zum Uno-Klimagipfel am Montag und nimmt anschließend an der Generaldebatte der Vereinten Nationen in New York teil. Ihre Parteikollegin Kramp-Karrenbauer fliegt zu einem Treffen mit dem amerikanischen Verteidigungsminister Mark Esper.

Ursprünglich war geplant, dass Kramp-Karrenbauer mit ihrer Delegation in der Maschine der Kanzlerin mitfliegt, in der auch Entwicklungsminister Gerd Müller (CSU) reist. Der Airbus A340 sollte in New York zwischenlanden und dann weiter nach Washington fliegen.

Die Tickets waren schon bestellt

Weil Kramp-Karrenbauer bereits am Montagabend nach Deutschland zurückreist, wollte sie für die Heimreise einen Linienflug nehmen. Die Tickets waren bestellt. Das Verteidigungsministerium äußerte sich bislang nicht offiziell dazu, warum diese Reisepläne doch noch geändert wurden.

"Im Zuge der Planungen dieser Reise haben wir uns bemüht, den Einsatz der Flugzeuge zu optimieren", sagte ein Ministeriumssprecher der "Bild am Sonntag", die zuerst über das Thema berichtet hatte. Flugplanung und Flugzeugmuster richteten sich nach dem Zielflughafen, der Flugstrecke, der Delegationsgröße und den terminlichen Verpflichtungen der Regierungsmitglieder.

Die Maschine der Kanzlerin muss in jedem Fall auch nach Washington fliegen, dem Reiseziel der Verteidigungsministerin: Das Flugzeug darf am Airport in New York nicht stehen bleiben.

Die Große Koalition hatte am Freitag ein 22-seitiges Eckpunktepapier bekannt gegeben, das den Klimaschutz in Deutschland voranbringen und die politischen Ziele für 2030 erreichbar machen soll (Lesen Sie hier mehr zu den Beschlüssen). Unter anderem soll das Flugverkehrsaufkommen durch höhere Ticketpreise reduziert werden.

Anmerkung der Redaktion: In einer früheren Fassung hieß es, auch Umweltministerin Svenja Schulze (SPD) sei an Bord der Maschine der Kanzlerin. Tatsächlich ist sie schon am Freitag mit einem Linienflug in die USA gereist. Wir haben die Stelle korrigiert.  © SPIEGEL ONLINE