Panik vermeiden: Die politischen Reaktionen auf die Axt-Attacke von Würzburg sind zurückhaltend. Das liegt daran, dass der Anschlag nicht völlig überraschend kommt - und dass die Handlungsmöglichkeiten begrenzt sind.

Alle haben gehofft, dass er wegbleibt. Aber fast jeder hat geahnt, dass er auch Deutschland irgendwann erreichen würde. Jetzt scheint er endgültig angekommen zu sein, der islamistische Terror.

Als Bundesinnenminister Thomas de Maizière am Mittwochmittag vor die Presse tritt, ist er mit der Wortwahl noch vorsichtig. "Es ist vielleicht auch ein Fall, der im Grenzgebiet zwischen Amoklauf und Terror liegt", sagt der CDU-Politiker über die Würzburger Axt-Attacke, bei der ein 17-jähriger Flüchtling vermutlich afghanischer Herkunft fünf Menschen schwer verletzte.

Terror kommt immer näher

De Maizière spricht von einem Attentat, zu dem sich der Täter von der Propaganda der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) "anstacheln" ließ. Kurze Zeit später verkündet die Bundesanwaltschaft, dass sie Ermittlungen aufnimmt. Das macht sie nur bei Terrorverdacht.

Trotz der Brutalität der Tat von Würzburg sind die politischen Reaktionen moderat. Bloß keine Panik, lautet die Devise. Denn das wäre genau das, was Terroristen wollen.

"Blitzradikalisierte" Einzeltäter stellen Behörden vor massive Probleme.

Die deutsche Öffentlichkeit hatte lange genug Zeit, sich an die Gefahr zu gewöhnen. Auch deswegen hält sich der Schock von Würzburg in Grenzen. Der Terror ist seit dem 11. September 2001 immer näher gerückt. Erst New York und Washington, dann Madrid und London, zuletzt Paris, Brüssel und Nizza.

Mehrere größere Terroranschläge in Deutschland konnten von den Sicherheitsbehörden verhindert werden. Es gab allerdings schon drei Anschläge, die wie der jetzige von Einzeltätern verübt wurden.

Mehr Polizisten und Videoüberwachung

Im März 2011 erschoss ein junger Kosovo-Albaner auf dem Flughafen Frankfurt/Main zwei US-Soldaten und verletzte zwei weitere schwer. Im Februar 2016 stach eine 15-jährige Deutsch-Marokkanerin auf einen Bundespolizisten ein. Im April explodierte ein Sprengsatz an einem Sikh-Tempel in Essen und verletzte drei Menschen.

Die neue Dimension von Würzburg: Der offensichtliche Bezug zur Terrormiliz Islamischer Staat. Erstmals gibt es ein Bekennervideo, in dem sich der Täter als "Soldaten des Kalifats" bezeichnet.

Reflexartig beginnt am Mittwoch die Debatte über Konsequenzen. De Maizière fordert mehr Videoüberwachung und mehr Polizisten. Die Eisenbahngewerkschaft will "Train Marshalls" in Zügen postieren, also Sicherheitsleute, wie es sie in Flugzeugen schon gibt. Kanzleramtsminister Peter Altmaier (CDU) kündigt Maßnahmen gegen islamistische Propaganda im Internet an. Sie alle wissen aber auch, dass man den Terror kurzfristig radikalisierter Einzeltäter auch mit den schärfsten Sicherheitsmaßnahmen nicht verhindern kann.

Manuel Valls: Anschlag sollte "besonders mörderisch" sein.

Und welche Auswirkungen hat die Tat auf die Flüchtlingsdebatte? Die AfD fühlt sich in ihren Warnungen vor einer erhöhten Terrorgefahr durch Flüchtlingszuzug bestätigt. Sie ist aber die einzige Partei, die versucht, die Horrortat von Würzburg zu instrumentalisieren.

Es gibt keine Garantie

Die CSU reagiert sehr zurückhaltend. Hatte der bayerische Finanzminister Markus Söder im November mit einem "Paris ändert alles"-Tweet noch für Aufregung gesorgt, so halten sich CSU-Spitzenpolitiker diesmal auffällig zurück.

Allen voran Innenminister Joachim Herrmann: Zwar bekräftigen er und andere die CSU-Forderung nach einer Obergrenze für Flüchtlinge. Lauter werden diese Forderungen aber nach Nizza und Würzburg nicht. Im Gegenteil: Herrmann lehnt es ab, einen direkten Zusammenhang zwischen dem Axt-Angriff und der Flüchtlingskrise herzustellen, um Pauschalurteilen vorzubeugen.

Wenn die CSU auf einer Forderung nun verstärkt besteht, dann ist es die nach effektiven Grenzkontrollen. Aktionismus sucht man aber vergebens. Mehr Kontrollen in Zügen? Da sagt Herrmann, es sei völlig unrealistisch, dass in jedem Bahnwaggon ein Polizist sitzt. Man könne auch nicht plötzlich Lastwagen, Äxte und Messer verbieten. Auch das umfassendste Sicherheitskonzept werde solche Anschläge nie restlos ausschließen.

Das ist die erschütternde Erkenntnis, an der es nach Nizza und Würzburg nun wirklich keinen Zweifel mehr gibt. Der Staat versuche alles, um die Bürger vor Terror zu schützen, sagt de Maizière. "Eine Garantie dafür, dass es gelingt, Anschläge immer und überall zu verhindern, gibt es aber trotzdem leider nicht."© dpa